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Nachricht vom 30.06.2026    

Vokale Virtuosität: "Maybebop" begeistert Rommersdorf mit neuem Programm

Von Helmi Tischler-Venter

Die berühmte A-cappella-Gruppe "Maybebop" ist seit Jahren fester Bestandteil der Rommersdorf Festspiele und Garant für eine ausverkaufte Abteikirche. Die meisten Besucher am Montagabend, 29. Juni, waren Wiederholungstäter. Daher war es gut, dass die Band mit neuem, überraschendem Programm aufwartete. Mit perfekter Beleuchtung und Video-Leinwänden im Hintergrund, bot sie eine mitreißende Show.

Fotos: Helmi Tischler-Venter

Neuwied-Rommersdorf. Nur mit ihren Stimmen als Instrumente brachte das Quartett ein ganzes Orchester auf die Bühne. Für die vibrierenden tiefen Töne war Christoph Hiller zuständig, Tenor Lukas Teske für die dominanten hohen Töne und den Beat, Bariton Oliver Gies für alles Verbindende und Spontan-Kreative und Countertenor Jan Bürger oft für die Lead-Stimme.

Ganz verhalten und puristisch starteten Maybebop: „Ich wünsch mir etwas langsamere Zeiten“, gefolgt von einem Liebeslied an den Kaffee. Hintergründig, witzig, ironisch bis sarkastisch sind die Lieder immer. Das gilt für „Die oberen Zentauren“ ebenso wie für „Dabei sein ist alles andere als einfach“. Video-Leinwände und ein „Sing-o-meter“, der die Energie des Publikums maß, ergänzten das Performing anschaulich.

Vogelleute und -bewegungen der Sänger führten in das makabere Lied „Das Leben ist ein Trauerfall“ ein. Sehr variabel zeigten sie sich mit dem Song „Ich bin viele“ und sensibel in „Ruhig, mein Herz“, während „Abendländische Wurstkultur“ kämpferische Akzente setzte.

Den Auftritt seines Lebens genoss ein Fan: Bernd aus Vettelschoß, der die Gelegenheit wahrnahm, mit auf der Bühne zu stehen. Der Senior nahm Jans Platz ein und sang text-, jodel- und melodiesicher mit bei „Ruf der Berge“. Standing Ovations belohnten seine Leistung.

In einem Kurs über Veranstaltungsrecht hatte Oliver gelernt, dass ihr Vertrag bereits als erfüllt gelte, wenn bis zur Pause gesungen wurde. Also machten die Künstler aus Goodwill und Freude an der Arbeit nach der Pause weiter. Als Gegenleistung musste das Publikum lautstark und messbar „Life is life“ singen. „Erlkönig“, dramatisch und mitrührend dargeboten, war ein Publikumswunsch, ebenso „Wenn ich ein Alien wäre“. Zugerufene Begriffe wie Blaubeerkuchen, Herzbewohner und Nasentrimmer brachte Oliver spontan in einem skurrilen Libretto unter.



Temporeich und witzig, verstärkt durch eine Choreografie mit Leuchtstäben, erfreute „Ich hab‘ nicht mehr alle Latten am Lattenzaun“ die Zuschauer. Diese erfuhren zudem eine Menge über Probleme beim Bahnfahren und den Überlebenskampf der Kleinkunst, verbunden mit dem Appell, diese durch Besuche lebendig zu halten.

Poetisch, sakral und exotisch wirkte die Ballade „Die Hütte am Fjord“, in der die vier Sänger ihr großes Können noch einmal zeigten, bevor sie angesichts der „krass guten Stimmung“ in der Abteikirche als Zugabe ein „Schnulzen-Medley“ und den Zuschauerwunsch „Laut sein!“ zum Besten gaben. Das ist ein politisches Lied, das gegen Ignoranz und Hass aufruft und mit dem Schlusssatz „Wir sind mehr!“ motiviert.

Das neue Album „Heile Welt“ wird ab Herbst erhältlich sein. Am Dienstagabend, 30. Juni, bietet Maybebop das Kinderkonzert „Kinderkram“ in Rommersdorf an. Weitere Festspiel-Veranstaltungen finden Sie auf der Homepage. htv


Mehr dazu:   Veranstaltungsrückblicke  
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