Neuwied rüstet Stromnetz für die Zukunft
Die Stadtwerke Neuwied (SWN) setzen auf Digitalisierung, um ihr Stromnetz fit für die Energiewende zu machen. Mit modernen Messtechniken und digitalen Modellen sollen Netzbelastungen präzise erfasst werden. Doch wie genau sieht der Plan aus?
Neuwied. Die SWN haben ein umfassendes Digitalisierungsprojekt gestartet, das auf den gezielten und wirtschaftlichen Ausbau des Stromnetzes abzielt. Geschäftsführer Stefan Herschbach erklärt: "Die Energiewende verändert die Anforderungen an unsere Stromnetze deutlich." Während früher der Strom meist in eine Richtung - vom Netz zum Haushalt - floss, speisen heute viele Haushalte mit Photovoltaikanlagen Strom ein. Gleichzeitig steigt der Bedarf durch Wärmepumpen, Wallboxen und Elektroautos.
Das Neuwieder Stromnetz besteht aus mehreren Ebenen: Zwei 110-kV-Übergabestationen versorgen das Netz, ein 20-kV-Netz mit rund 370 Stationen verteilt diesen innerhalb Neuwieds, während die Niederspannungsebene den Strom auf 400 Volt beziehungsweise 230 Volt transformiert und bis in Haushalte und Betriebe weiterleitet.
Im Bereich der Mittelspannung verfügen die SWN bereits über eine solide Datengrundlage. "Von unseren rund 370 Stationen sind etwa 70 mit moderner Messtechnik ausgestattet", erläutert Marcel Schudt, Projektleiter für die Digitalisierung der SWN-Stromnetze. Diese liefern fortlaufend Daten zur aktuellen Netzauslastung, die im zentralen Leitsystem erfasst und ausgewertet werden.
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Im Niederspannungsnetz ist die Situation anders. Hier sind die Einblicke in die tatsächlichen Lastflüsse bislang noch begrenzt. Schleppzeiger, mechanische Messgeräte, zeigen nur den höchsten gemessenen Wert innerhalb eines Zeitraums an. Für die Integration von Wärmepumpen, Ladeeinrichtungen und Photovoltaikanlagen sind detaillierte Informationen jedoch entscheidend.
Daher haben die SWN ein mehrstufiges Projekt zur Digitalisierung des Niederspannungsnetzes gestartet. Alte Messtechnik wird durch neue Systeme ersetzt, die Ströme, Art und Dauer von Netzbelastungen genau anzeigen. Zudem sollen intelligente Messsysteme eingeführt werden, die Verbrauchsdaten digital übermitteln können. Dies ist vor dem Hintergrund neuer Regelungen der Bundesnetzagentur erforderlich, die steuerbare Verbrauchseinrichtungen betreffen.
"Nur wenn Netzausbau und Digitalisierung zusammen gedacht werden, kann die Energiewende vor Ort sicher, wirtschaftlich und verlässlich umgesetzt werden", sagt Herschbach. Die Planung erfolgt nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern orientiert sich an der tatsächlichen Entwicklung im Netz. Red
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