Pilger trotzen Wolkenbrüchen beim Wallfahrtstag im Kloster Marienstatt
Von Wolfgang Rabsch
Das wechselhafte Wetter zeigte sich am Donnerstag, 11. Juni 2026, beim Wallfahrtstag im Kloster Marienstatt deutlich: Die aus allen Himmelsrichtungen ankommenden Pilger wurden bis 10.00 Uhr mit Sonnenschein und leichten Wölkchen begrüßt. Pünktlich begann Abt Ignatius Fritsch O.Cist., der Chef des Klosters, mit dem Pontifikalamt.
Marienstatt. Nach einigen Minuten verdunkelte sich plötzlich der Himmel über dem Kloster bedrohlich. Zunächst blieb es noch trocken, doch dann öffneten sich anscheinend alle Schleusen im Himmel und schickten teils sintflutartige Regenschauer über das Klostergelände. Danach hörte es wieder auf zu regnen, bevor sich nach wenigen Minuten erneut mit Urgewalt Wassermassen aus dunklen Wolken über dem Gelände entleerten. Das Wechselspiel war damit noch nicht beendet: Als Abt Ignatius Fritsch O.Cist. das Pontifikalamt beendete, kämpfte sich die Sonne durch die Wolken und behielt die Oberhand.
"Trockener Humor" bei den Pilgern
Eine Pilgerin, die aus Hofheim im Taunus angereist war, schilderte ihre Sicht der Wetterkapriolen mit Galgenhumor: "Der Herrgott ist heute scheinbar mit dem falschen Fuß aufgestanden und war demzufolge nicht gut gelaunt. Deshalb schickte er Sonne im Wechsel mit Starkregen nach Marienstatt, was aber scheinbar von den Pilgern mit Gelassenheit aufgenommen wurde. Man kann beobachten, dass fast alle Pilger mit Regencapes und Regenschirmen ausgestattet sind und so dem Starkregen trotzen können. Auch im Taunus kennen wir den Spruch Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung."
Bevor das Pontifikalamt begann, trafen nach und nach etwa 20 verschiedene Pilgergruppen aus unterschiedlichen Kirchengemeinden im Kloster ein. Startpunkte waren das Kloster Marienthal und Herdorf, wo sich die ersten Pilger bereits um 4.00 Uhr einfanden, um nach Marienstatt zu gehen. Auf den über 20 Kilometer langen Pilgerpfaden stießen aus den an der Strecke liegenden Ortschaften weitere Pilger hinzu. Vom Startpunkt bis zum Kloster Marienstatt legten die Pilger die Strecke in etwa fünf Stunden zurück.
Diese Wallfahrt geht auf ein Pestgelübde zurück, das nachweislich seit 1489 jährlich durchgeführt wird. Bis heute kommen die Menschen aus dem Westerwald und dem Siegtal, aber auch über den Westerwald hinaus, und halten diese Tradition aufrecht. Sogar die Bundeswehr war mit einer Abordnung des "Kommandos Aufklärung und Wirkung" aus Daun präsent, der sich auch Kollegen vom Standort Koblenz angeschlossen hatten.
Viele Pilgergruppen auf dem Weg nach Marienstatt
Für Pilger, die kürzere Strecken wählten oder von anderen Orten aus nach Marienstatt wanderten, fand bereits um 8.00 Uhr die erste Pilgermesse in der Basilika statt. Es versammelten sich auf dem Innenhof des Klosters viele Pilger, um sich einen Platz vor dem Altarzelt zu sichern. Die Zahl der Pilger kann nur grob geschätzt werden, es werden aber sicherlich mehrere tausend Gläubige gewesen sein. Fast alle Gruppen gingen den Pilgerpfad unter musikalischer Mitwirkung eines Musikvereins oder einer Musikgruppe, die mit kirchlichen Liedern den Pilgerzug begleitete.
Was ist ein Pontifikalamt?
Nicht jeder Leser weiß vielleicht, was unter dem Begriff "Pontifikalamt" zu verstehen ist. Darum an dieser Stelle eine kurze Erläuterung: Neben dem großen Einzug und einer Prozession zum Auszug, bei denen der Träger der Pontifikalien die versammelte Gemeinde durch das Kreuzzeichen oder durch Besprengung mit Weihwasser segnet, werden Pontifikalämter mit einer erweiterten Segensformel beendet, die Bischöfen und Äbten vorbehalten bleibt. Das Pontifikalamt wird in der katholischen Kirche als eine heilige Messe bezeichnet, die ein Bischof oder Abt abhält und eine Woche nach Fronleichnam stattfindet.
Sonne und Starkregen im Wechsel
Abt Ignatius Fritsch O.Cist. zelebrierte anschließend das Pontifikalamt, das störungsfrei vonstattenging, bis der Himmel seine Pforten öffnete. Die anwesenden Pilger wurden nicht von Panik oder Fluchtgedanken gepackt. Die allermeisten blieben ruhig und holten lediglich ihre Regensachen hervor. Wo vorher die Köpfe von unzähligen Menschen zu sehen waren, konnten in der Draufsicht nur noch Regenschirme erkannt werden. Das tat der allgemein guten Stimmung jedoch keinen Abbruch. Den Wetterkapriolen zum Trotz wurde seitens der Pilger kräftig mitgesungen und mitgebetet.
Die "Bindweider Bergkapelle" ist wetterfest
Große Bewunderung erzeugte die "Bindweider Bergkapelle", die das Pontifikalamt musikalisch begleitete. Als das Ungemach über das Kloster herfiel, spielten die Musiker unter dem Dirigat von Kapellmeister Christian Schmidt unverdrossen weiter, obwohl sie nur teilweise Zuflucht unter einem Zelt finden konnten. Ihnen dankte Abt Ignatius Fritsch O.Cist. ausdrücklich am Ende des Pontifikalamts, aber nicht nur wegen ihrer Ausdauer während des Regens. Er hob hervor, dass die "Bindweider Bergkapelle" seit vielen Jahren das Pontifikalamt im Kloster Marienstatt musikalisch begleitet. Dafür wurde die Kapelle mit lautem Applaus der Pilger belohnt.
Abt Ignatius lobte auch die sichtbaren und unsichtbaren Unterstützer, ohne deren Hilfe das Pontifikalamt nicht hätte stattfinden können. Zu guter Letzt verteilten Abt Ignatius und andere Angehörige des Zisterzienserordens an die gläubigen Pilger das geweihte Brot Jesu, die sogenannte Hostie, in Form einer Oblate. Zum Abschluss des Wallfahrtstags im Kloster Marienstatt wurde mit den Pilgern eine gemeinsame Vesper eingenommen. Anschließend wurden die Pilgergruppen verabschiedet.
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