Wirtschaftsempfang mit einem besonderen Ehrengast
Ministerpräsident Gordon Schnieder sprach beim Wirtschaftsempfang des Kreises Neuwied und hatte viele Versprechen im Gepäck. Gleichzeitig machten zwei Jungunternehmer ihrem Ärger über die Bundespolitik Luft.
Neustadt (Wied). Mehr als 300 Gäste nahmen am Wirtschaftsempfang des Landkreises Neuwied teil. Der diesjährige Gastgeber war die Niedax Group, die die Gäste aus Wirtschaft und Politik auf dem neu errichteten Campus in Neustadt an der Wied empfing. Moderiert wurde die Veranstaltung von Lars Hennemann, Chefredakteur der Rhein-Zeitung. Der besondere Gast an diesem Nachmittag war der neue Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder.
Er hatte im Gepäck viele Versprechungen dabei, die er den Anwesenden machte. Er habe in den vergangenen zwei Wochen seit seiner Amtseinführung viele Gespräche geführt und gemerkt, dass die Menschen im Land viel Zuversicht haben. Aber sie erwarteten auch von der Politik, dass diese ihren Beitrag leistet. "Die Unternehmen wollen wachsen, aber sie wollen auch, dass es einfacher und verlässlicher wird", erläuterte der Ministerpräsident. Da sich seine Landesregierung als Partner der Wirtschaft verstehe, sei es ihre Aufgabe, Voraussetzungen für die Unternehmen zu schaffen, damit diese die richtigen Entscheidungen treffen können. Denn Wohlstand entstehe in den Unternehmen und in den Köpfen der Menschen, so Schnieder.
Weniger Bürokratie und mehr Vertrauen
Deshalb versprach der neue Landeschef den Unternehmen Bürokratieabbau sowie schnellere Genehmigungs- und Planungsverfahren. "Investitionen dürfen nicht an der Bürokratie scheitern", sagte Schnieder. Gleichzeitig stimmte er die Menschen auf härtere Zeiten ein. Verantwortlich dafür seien neue geopolitische Spannungen und ein härterer internationaler Wettbewerb. Deswegen müsse Deutschland seinen Respekt vor der industriellen Wertschöpfung wiedergewinnen, weil diese die Grundlage für den Wohlstand des Landes sei. Er machte aber auch deutlich, dass die neuen Technologien ebenfalls vorangetrieben werden müssen, da die Infrastruktur nicht nur aus Straßen, Schienen und Brücken bestehe, sondern auch aus Datennetzen. Für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen würden leistungsfähige Netze benötigt, erklärte Schnieder.
Er zählte weitere Punkte auf, die das Wirtschaftswachstum vorantreiben würden, wie niedrige Arbeitskosten und Energie sowie Fachkräfte. Viele Firmen müssten Aufträge ablehnen, weil sie aufgrund von Fachkräftemangel die Arbeit nicht leisten könnten. Aus diesem Grund soll die Meisterausbildung in Rheinland-Pfalz künftig kostenlos sein. Gleichzeitig möchte seine Landesregierung die Anerkennungsverfahren für ausländische Fachkräfte beschleunigen. Der neue Ministerpräsident versprach, in zwei Jahren wiederzukommen, um dann über alle Maßnahmen und Projekte zu sprechen, die seine Landesregierung bis dahin umgesetzt habe.
Harte Arbeit zahlt sich aus
Bürokratieabbau und schnellere Genehmigungsverfahren für mehr Wirtschaftswachstum forderte auch Achim Hallerbach, Landrat des Landkreises Neuwied. Denn die Bürokratie erschwere den Unternehmen das Wachstum. "Es ist Zeit für eine neue impulsgebende Wirtschaftspolitik", postulierte der Landrat. Der Staat müsse kräftig Tempo machen, damit Firmen wachsen können, richtete er seinen Appell an den Ministerpräsidenten. Von dessen Regierung forderte Hallerbach mehr Vertrauen in die Unternehmen und weniger Überregulierung. An die Unternehmen gerichtet, sagte Hallerbach: "Volle Kraft voraus. Immer klar in die Zukunft schauen und mutig sein." Der Landrat nahm die Niedax Group als gutes Beispiel dafür, dass harte und konsequente Arbeit zum Erfolg führe.
Deren CEO Bruno Reufels stellte in einem ausführlichen Bericht die Unternehmensgruppe vor und berichtete von umgesetzten und bevorstehenden Projekten. Er zeigte auf, welche Konsequenzen die geopolitische Lage auf die Unternehmensgruppe hat und wie diese damit umgeht.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Rede der beiden Jungunternehmer Marcel Böhm und Maren Hassel-Kirsche, die sich nicht ganz überzeugt von den Versprechen des neuen Ministerpräsidenten zeigten. Die beiden Mitglieder im IHK-Regionalbeirat im Kreis Neuwied berichteten von ihrer Delegiertenreise nach Berlin und riefen die Unternehmer im Raum dazu auf, nicht auf die Bundesregierung zu warten, sondern das Zepter selbst in die Hand zu nehmen. Die Reise nach Berlin habe gezeigt, dass die Bundespolitik nicht für den Mittelstand kämpfe, sondern für die Großkonzerne. Daher sei es umso wichtiger, dass der Mittelstand laut wird und sich Gehör verschafft, machten Böhm und Hassel-Kirsche ihrem Ärger Luft. Gleichzeitig betonten sie, dass sie gespannt seien auf die neue Landesregierung und darauf, was sie leisten wird.
Lokales: Asbach & Umgebung
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