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Nachricht vom 04.06.2026    

Wäller Tour Bachgeflüster: Wo Wasser, Mönche und Köhler erzählen

Von Katharina Kugelmeier

Die Wäller Tour Bachgeflüster ist eine 16,2 Kilometer lange Rundwanderung im Hachenburger Westerwald, die dem Plätschern von Großer und Kleiner Nister folgt und dabei mittels QR-Codes jahrhundertealte Geschichte zum Klingen bringt. Mit dem Qualitätssiegel als "Traumtour" des Deutschen Wanderverbandes ist sie ein echtes Schmuckstück für die Region.

Kloster Marienstatt, ein wahres Schmuckstück im Westerwald. (Foto: Westerwald Tourismus)

Streithausen/Kloster Marienstatt. Startpunkt der Wäller Tour Bachgeflüster ist der Klosterhof der Abtei Marienstatt im Tal der Großen Nister, einem Ort, an dem Geschichte und Gegenwart in seltener Dichte aufeinandertreffen. Geschichte und Gegenwart begleiten auch die gesamte Tour auf sportlichen 16,2 Kilometern auf ganz besondere Weise, denn mittels QR-Code begleiten einen Köhler, Mönche und vieles mehr als Audio-Guide. Wem die komplette Runde zu lang und anspruchsvoll ist, findet sowohl eine Light-Variante mit etwa zehn Kilometern sowie eine Kids-Runde mit circa 4,5 Kilometern. Somit ist für jeden Wanderliebhaber eine passende Strecke dabei.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Doch beginnen wir mit ein wenig Geschichte zum Lesen. Die Legende der Gründung des Klosters ist ebenso schön wie die Wirklichkeit: Abt Hermann aus dem Siebengebirgskloster Heisterbach, auf der Suche nach einem neuen Standort für sein wirtschaftlich angeschlagenes Kloster, erhielt in einem Traum einen Wink der Gottesmutter Maria - er solle nach einem mitten im Winter blühenden Weißdornstrauch Ausschau halten. Er fand ihn im Tal der Nister im Westerwald, und im Jahr 1212 wurde hier das neue Kloster gegründet. Der blühende Weißdorn ist bis heute das Wappenbild der Abtei und wächst als lebendiger Strauch vor dem Klostereingang. Was dann entstand, gehört zum Besten, was das Mittelalter im Westerwald hinterlassen hat: Die Klosterkirche, erste rechtsrheinische gotische Kirche Deutschlands, wurde zwischen 1222 und 1420 in drei Bauabschnitten errichtet - aktiv gebaut wurde dabei insgesamt nur 38 von 102 Jahren. Papst Pius XI. verlieh ihr den Ehrentitel "Basilica minor" und machte sie damit zur päpstlichen Basilika. Die Verehrung der Pietà, des Gnadenbildes der "schmerzhaften Muttergottes", ist seit 1476 urkundlich belegt, ein Wallfahrtstag am folgenden Oktavtag wird seitdem ununterbrochen begangen. Heute leben 16 Zisterziensermönche in der Abtei und führen Klosterbibliothek (80.000 Bände), Gymnasium und Klosterbrauerei.

Über die alte Steinbrücke und durch die Lindenallee verlässt der Weg das Klostergelände und führt bergauf nach Streithausen zum Baum-des-Jahres-Park. Dieses botanische Kleinod, angelegt vom Heimatverein Streithausen, versammelt auf einer Parkfläche die jeweiligen Bäume des Jahres der vergangenen Jahrzehnte als lebende Denkmäler, ein stilles, grünes Archiv der Zeit. Wer hier zum ersten Mal stehenbleibt und die Beschriftungen liest, entdeckt schnell: Nicht der imposanteste Baum, sondern oft der unscheinbarste stand in einem Ausnahmejahr des Klimawandels oder des Artenschutzes im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Von Streithausen geht es bergab ins Tal der Kleinen Nister und der erste Kontakt mit dem leisen Rauschen des Baches ist der Auftakt eines Klangteppichs, der die Tour bis zur Rückkehr nach Marienstatt nicht mehr ganz verlässt.

(Foto: Westerwald Tourismus)

An der Kleinen Nister wartet das nächste Highlight: Das Denkmal Ehrenhain bei Atzelgift, ein stiller Gedenkort inmitten des Waldes. Wenig später kommt man zur Atzelgifter Mühle mit Steinseln, ein Überrest der einstigen, dichten Mühlenlandschaft im Nistertal, die über Jahrhunderte das Leben der umliegenden Dörfer rhythmisiert hat. In einer Zeit, in der jedes Dorf auf das Mahlen von Getreide angewiesen war, hatten Mühlenbetreiber an den Bachläufen von Großer und Kleiner Nister eine wirtschaftlich wie sozial bedeutende Stellung: Hier kreuzten sich die Wege der Bauern, wurden Neuigkeiten ausgetauscht, wurden Mengen und Qualitäten verhandelt. Das kleine Denkmal an der Atzelgifter Mühle gibt dem Vorbeigehenden einen Moment, an dem sich all das imaginieren lässt.

Weiter geht es zur Grube Edelstein bei Luckenbach, einem der spannendsten Zwischenstopps der gesamten Tour. Die Grube ist ein Zeugnis des Erzbergbaus, der im Hachenburger Westerwald über Jahrhunderte hinweg betrieben wurde und der heute so selbstverständlich vergessen ist wie die Menschen, die hier unter Tage arbeiteten. In Luckenbach passiert der Weg außerdem das Gefallenendenkmal und die evangelische Gustav-Adolf-Kapelle, ein seltenes Zeugnis der evangelischen Minderheitengeschichte im überwiegend katholischen Westerwald. Die Gustav-Adolf-Kapellen wurden im 19. Jahrhundert vom Gustav-Adolf-Werk als Gotteshäuser für lutherische Gemeinden errichtet, die in katholischen Regionen keinen Anspruch auf eine eigene Kirche hatten. Dass eine solche Kapelle als Wegpunkt in den Audio-Guide-Stationen der Tour aufgenommen wurde, spricht für das Gespür der Macher für weniger erzählte Geschichte.



(Foto: Westerwald Tourismus)

Dann kommt das steilste Stück der gesamten Wanderung und zugleich das lohnendste: der Aufstieg zur Himmelsleiter nach Atzelgift. Der Name ist kein Zufall: Die Himmelsleiter ist ein steil ansteigender, teils treppenartig befestigter Pfad, der direkt auf die Höhe von Atzelgift führt und dort das Weltjugendtagskreuz enthüllt. Das schlanke Holzkreuz auf der Anhöhe wurde anlässlich des 20. Weltjugendtages in Köln im Jahr 2005 aufgestellt und ist seitdem ein Bezugspunkt weit über die Konfessionsgrenzen hinaus. Wer hier ankommt und verschnauft, wird mit einem Panoramablick belohnt, der zu den weitesten auf dem gesamten Rundweg gehört: das Atzelgifter Hochplateau, bewaldete Höhenzüge, und bei klarem Wetter der Taunus am Horizont. Eine der Audiostationen der Tour erzählt hier von der Geschichte des Weltjugendtags-Kreuzes, das vor der Kölner Großveranstaltung alle deutschen Diözesen bereiste.

Durch Waldpassagen und über Feldwege gelangt man nach Limbach, wo der Weg ein langes, besonders angenehmes Stück direkt an der Kleinen Nister entlangführt. Das Wasser plätschert und glitzert, die Uferpfade sind schmal und weich - ein Abschnitt, der dem Namen "Bachgeflüster" am stärksten gerecht wird. Von Limbach aus geht es bergauf zum Aussichtspunkt Hohe Ley, von dem aus man ein letztes großes Panorama über das Nistertal genießt, bevor der Abstieg beginnt.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Und dieser Abstieg führt zum letzten und vielleicht überraschendsten Highlight der Tour: der Dachschiefergrube Assberg, der ältesten öffentlich zugänglichen Schiefergrube des Westerwaldes. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Abbauort 1548 in einem Verleihungsdokument des Klosters Marienstatt und laut diesem Dokument war sie da schon "altbekannt". Jahrhundertelang lieferte die Grube den Schiefer, mit dem die Dächer des Klosters Marienstatt und des Schlosses Hachenburg gedeckt wurden. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts war die Grube aus dem Gedächtnis der Menschen verschwunden, nicht einmal die ältesten Limbacher wussten noch von ihr. Nach ihrer Wiederentdeckung und Erschließung ist sie heute jederzeit zugänglich; das Bergwerk liegt 20 Meter unter der Erdoberfläche, wurde vollständig in Handarbeit ausgehauen und erinnert in seiner Form an eine Kapelle, was damit zusammenhängen könnte, dass der Abbau jahrhundertelang unter der Hoheit der Klostermönche stand. In Schacht und Tagesbau können Besucher den Bergleuten noch heute sprichwörtlich nachspüren.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Vom Kaiserlichen Soldatenfriedhof, einer der stillen Gedenkstätten des Ersten Weltkrieges auf der Route, führt der letzte Abschnitt zurück ins Tal der Großen Nister und schließlich zurück nach Marienstatt. Das Klosterbrauhaus, wo nach der Wanderung ein klostergebrautes Bier wartet, ist kaum 100 Meter vom Ziel entfernt und ein passender Abschluss für eine Tour, die Geschichte so kurzweilig erzählt, dass man sie eigentlich sofort noch einmal gehen möchte.

Da es unterwegs kaum eine Möglichkeit der Verpflegung gibt, sollte der Wanderrucksack gut gepackt sein für die über 16 Kilometer lange Strecke. Durch einige teils steile Aufstiege sollten außerdem wirklich ausreichend Getränke eingepackt werden. Dass festes Schuhwerk bei einer solchen Tour ein Muss ist, sollte selbstverständlich sein. Wer die Audio-Stationen mit spannenden Geschichten und Infos nicht verpassen möchte, sollte unbedingt ein Smartphone oder anderes Audiogerät mit Internetzugang dabei haben, um die QR-Codes zu scannen und in die Geschichte einzutauchen.

Tour-Informationen

Art: Rundweg
Schwierigkeit: schwer
Strecke: 16,2 km
Dauer: etwa 5 Stunden
Aufstieg: 350 Höhenmeter
Abstieg: 350 Höhenmeter
Besonderheit: Wäller Tour, Traumtour (Deutscher Wanderverband), Audioguide mittels QR-Code an 14 Stationen
Kürzere Varianten: "Bachgeflüster light" (10 km, rund 3,5 h), "Bachgeflüster Kids" (4,5 km, rund 2,5 h, familienfreundlich)
Familiengeeignet: bedingt (Vollrunde anspruchsvoll; Kids-Variante empfohlen für Familien mit kleineren Kindern)
Beschildert: Ja, durchgehend mit QR-Code-Hinweisschildern
Beschaffenheit: Naturpfade, Waldwege, Bachpfade, kurze Asphaltabschnitte; Himmelsleiter (steil, treppenartig)
Startpunkt: Klosterhof Abtei Marienstatt, Marienstatt 1, 57629 Streithausen
Zielpunkt: wie Startpunkt

Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!

Download GPX-Datei & weitere Infos


In unserer Facebook-Wandergruppe "Wandern im Westerwald" gibt es übrigens auch ständig schöne neue Ecken der Region zu entdecken.

Haben Sie auch einen Wander- oder Ausflugstipp? Dann schreiben Sie uns gerne an westerwaldtipps@die-kuriere.info. Vielen Dank!


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