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Schweden ist rauchfrei, Deutschland bleibt beim Drittel
ANZEIGE | Am 31. Mai begehen Gesundheitsorganisationen den Welt-Nichtrauchertag. Schweden hat den Anlass schon hinter sich. Im Oktober 2025 unterschritt das Land als erstes in Europa die Marke von fünf Prozent täglicher Raucher, wonach die WHO von einer rauchfreien Bevölkerung ausgeht. Das Motto der WHO für 2026 richtet sich derweil gegen die Marketingmethoden der Nikotinindustrie. Beide Linien treffen sich beim Snus.
Wie Schweden unter fünf Prozent kam
Den Weg dorthin pflastert ein Sonderfall. Beim EU-Beitritt 1995 handelte Schweden eine dauerhafte Ausnahme vom europaweiten Verkaufsverbot für oralen Tabak aus. Während andernorts die Zigarette den Markt bestimmte, verdrängte in Schweden über Jahrzehnte ein feuchtes Tabakprodukt unter der Oberlippe das Rauchen. Snus gehört dort seit Generationen zum Alltag; bei den Männern überholte der Beutel die Zigarette schon in den 1990er Jahren. Der Gebrauch von Snus und tabakfreien Beuteln legte zuletzt weiter zu, parallel sank die Zahl der Raucher. Die tabakbedingte Sterblichkeit zählt im EU-Vergleich zu den niedrigsten. Das schwedische Forschungsinstitut CAN bezifferte die Tagesraucherquote für 2025 auf 3,7 Prozent, veröffentlicht Anfang April 2026.
Bis zu 50 Milligramm Nikotin im einzelnen Beutel
Die originalen Snus enthalten Tabak. Die weißen Beutel, die heute den Markt treiben, kommen ohne Tabak aus und geben reines Nikotin über die Mundschleimhaut ab. Diese Trennung entscheidet über Recht und Risiko. An einem Ende der Spanne stehen Anbieter wie snuset.de, die sich am GothiaTek-Standard der Branche orientieren, Inhaltsstoffe deklarieren und Schadstoffe begrenzen.
Am anderen liefert ein unkontrollierter Onlinehandel Ware mit bis zu 50 Milligramm Nikotin pro Beutel, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung berichtet. Eine Zigarette kommt auf acht bis zwölf Milligramm. Laut Bundesinstitut erreicht das Nikotin im Blut dabei ein Niveau wie beim Rauchen. Risikofrei ist auch das sauber deklarierte Produkt nicht. Für tabakhaltigen Snus hält das norwegische Institut für öffentliche Gesundheit ein erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsen- und Speiseröhrenkrebs für wahrscheinlich, dazu Belastungen für Herz-Kreislauf und Schwangerschaft. Die tabakfreie Variante gilt als nicht krebserregend, weil Nikotin selbst kein Karzinogen ist. Suchtwirkung und Kreislaufbelastung bleiben.
Eine Erzählung mit Philip Morris im Hintergrund
Das schwedische Vorbild hat laute Fürsprecher. Die Kampagne Quit Like Sweden, die andere Länder zum Kurswechsel drängt, geht über mehrere Stationen auf Mittel der früheren Foundation for a Smoke-Free World zurück, die zwischen 2018 und 2023 allein von Philip Morris International finanziert wurde. Die Konzerne argumentieren, der Umstieg auf rauchfreie Produkte rette Leben. Andere widersprechen. Sie führen den Rückgang in Schweden vor allem auf eine früh verschärfte Tabakkontrolle zurück, etwa auf rauchfreie Zonen, und nicht auf den Snus. Ob das Produkt taugliches Mittel zum Rauchstopp sei, gilt als wissenschaftlich umstritten; Kritiker verweisen auf den rein beobachtenden Charakter der Daten und das Fehlen kontrollierter Studien. Die Weltgesundheitsorganisation zählt die neuen Nikotinprodukte ohnehin zu den Gefahren, nicht zu den Lösungen. Ihr diesjähriges Motto stellt Aromen und bunte Dosen in den Mittelpunkt, mit denen die Branche junge Kundschaft anspreche.
In Deutschland raucht weiter ein Drittel
Hierzulande sieht die Lage anders aus. Ein Drittel der Erwachsenen raucht, ein Rückgang ist nicht in Sicht, wie die DEBRA-Studie der Universität Düsseldorf für den Stand August 2025 ausweist. Der Verkauf von tabakhaltigem Snus ist in Deutschland verboten, der Besitz für den Eigenbedarf nicht. Tabakfreie Nikotinbeutel bewegen sich in einer Grauzone, weil das zuständige Bundesamt das enthaltene Nikotin als nicht zugelassene Lebensmittelzutat einstuft. Verkaufen darf sie in Deutschland damit faktisch niemand, bestellbar sind sie über ausländische Händler trotzdem. Hier liegt das Problem, das der Weltnichtrauchertag in diesem Jahr meint. Ein erheblicher Teil der 16- und 17-Jährigen hat die Beutel schon probiert; bei Testbestellungen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie versagte die Alterskontrolle im Onlinehandel regelmäßig. Das Deutsche Krebsforschungszentrum warnt, im Jugendalter könne hoher Nikotinkonsum die Hirnreifung beeinträchtigen. Eine eigene gesetzliche Regelung für die tabakfreien Produkte fehlt bislang; wie die EU ihre Tabakrichtlinie überarbeitet, ist offen.
Wer mit dem Rauchen aufhören will, findet beim Rauchfrei-Programm der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kostenlose Beratung. (prm)















