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Nachricht vom 30.05.2026    

Lahn-Westerwald-Runde: Zwischen Westerwaldhöhen, Sonnenterrasse und schiefem Turm

Von Katharina Kugelmeier

Die Lahn-Westerwald-Runde ist eine knapp 25 Kilometer lange Rundwanderung im Herzen des Naturparks Nassau, die zwei Welten verbindet: die stillen Wälder und Höhenlagen des südlichen Westerwaldes rund um Welschneudorf und die malerische Lahntal-Idylle bei Dausenau.

Die Lahn schlängelt sich an vielen wunderschönen Orten entlang. (Foto: Lahn-Taunus Touristik - Dominik Ketz | Westerwald Touristik)

Welschneudorf. Start der Lahn-Westerwald-Runde ist der Parkplatz an der Kurfürstenhalle in Welschneudorf. Das Gebäude, an dem man das Auto abstellt, hat selbst eine Geschichte zu erzählen. Kurfürst Johann Hugo von Orsbeck, Erzbischof von Trier, ließ 1705 an dieser Stelle ein Jagdzeughaus errichten, das 1756 durch einen stattlichen Neubau ersetzt wurde. Die Trierer Erzbischöfe hatten auf den Höhen rund um Welschneudorf einen Tiergarten angelegt, und das Zeughaus diente als Depot für Jagdgerät und Unterkunft der kurfürstlichen Jäger. Seit 1829 wird der nördliche Teil des Gebäudes als Gotteshaus genutzt, der südliche Teil beherbergte 134 Jahre lang eine Dorfschule. Heute ist hier die Kurfürstenhalle untergebracht. Ein unscheinbarer Startpunkt, der bei näherer Betrachtung die Jahrhunderte in sich trägt.

Vom Waldspielplatz am Ortsrand geht es zunächst ohne große Steigung am Waldrand entlang durch den Hochwald in Richtung Kemmenau. Der Weg ist ruhig und schattig, ein angenehmer Einstieg, bevor das Lahntal seinen großen Auftritt hat. Denn Kemmenau ist kein gewöhnliches Dorf: Die kleine Gemeinde mit wenigen Hundert Einwohnern trägt den Beinamen "Sonnenterrasse über dem Lahntal" und wer einmal auf dem freien Feldweg am Ortsausgang steht und hinunter ins tief eingeschnittene Lahntal schaut, gibt diesem Namen sofort recht. Die Kombination aus Südhang, freiem Ausblick und dem Glitzern der Lahn in der Tiefe ist eine der schönsten Aussichten der gesamten Tour. Am Dorfgemeinschaftshaus, wo eine der drei neuen Portaltafeln der 2022 neu beschilderten Runde steht, lohnt sich ein kurzer Halt.

(Foto: Lahn-Taunus Touristik - Dominik Ketz | Westerwald Touristik)

Von Kemmenau geht es bergab in Richtung Dausenau und je tiefer man ins Tal steigt, desto klarer schält sich am Lahnufer das Dorf mit seinem erstaunlichsten Wahrzeichen heraus. Am "Schiefen Turm von Dausenau" kommt kaum ein Wanderer ohne Doppelblick vorbei. Der sechseckige Bruchsteinturm aus dem 14. Jahrhundert war einst Teil der mittelalterlichen Stadtmauer und ursprünglich 25 Meter hoch und gerade. Grund für seine heutige Schräglage ist ein tückisches Fundament: Bergseitig ruht der Turm auf massivem Felsen, lahnseitig auf lehmigem Untergrund. Jahrhundertelang blieb das folgenlos, bis Anfang des 19. Jahrhunderts die anliegende Stadtmauer abbrach und damit die seitliche Stütze wegfiel. Wenige Jahrzehnte später wurde die Lahn zur schiffbaren Wasserstraße ausgebaut; der steigende Grundwasserspiegel durchfeuchtete den Lehmboden unter dem Turm, und der Verkehr auf der neuen Straße sorgte für Erschütterungen. Das Ergebnis: 5,22 Grad Neigung - deutlich mehr als der Turm von Pisa, der auf lediglich 3,97 Grad kommt. 1950 wurde der Turm um 7,50 Meter auf seine heutige Höhe von rund 16 Metern gekürzt, um ihn zu stabilisieren. Beim Guinnessbuch der Rekorde scheiterte Dausenau an einem formalen Kriterium: Das Buch führt nur vollständige Türme, keine Ruinen und so hält das ostfriesische Suurhusen mit 5,19 Grad offiziell den Rekord. Den inoffiziellen aber hat Dausenau.

(Foto: Lahn-Taunus Touristik - Dominik Ketz | Westerwald Touristik)

Wer Lust hat, bleibt länger: Die mittelalterliche Stadtmauer mit Resten von sieben Türmen und acht Toren und Durchlässen umschließt den alten Ortskern und die gotische St.-Kastor-Kirche aus dem 14. Jahrhundert mit einem romanischen Turm von etwa 1180 lohnt ebenfalls einen Blick.




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Hinter Dausenau beginnt der anspruchsvollste Abschnitt der gesamten Runde, welcher zugleich der schönste ist. Über die Langgasse und den Hömberger Weg steigt der Weg durch Niederwald steil auf zur Herrenlay auf 357 Metern. Der Aussichtspunkt bietet einen weiten Blick über das Lahntal und hinunter nach Dausenau. Von hier erkennt man erst, wie kompakt und pittoresk der Ort mit seiner mittelalterlichen Stadtmauer direkt am Flussufer wirklich liegt. Die Herrenlay-Hütte am Aussichtspunkt lädt zur Rast ein und ist bei Wanderern des gesamten Lahntals für ihre stille Aussicht bekannt. Wer noch mehr sehen möchte, kann weiter zur nahegelegenen Damenlei aufsteigen. Beides zusammen bildet eine der schönsten Layhütten-Kombinationen des unteren Lahntales.

(Foto: Lahn-Taunus Touristik - Dominik Ketz | Westerwald Touristik)

Von der Herrenlay-Hütte geht es auf befestigten Feldwegen bergab nach Hömberg, dem dritten Ort auf der Runde, von welchem aus die Strecke durch das Obererbachtal nach Zimmerschied führt. Durch Zimmerschied geht es an der Landstraße kurz entlang, dann rechts über einen Feldweg zurück nach Welschneudorf. Die letzten Kilometer der Runde führen wieder durch offene Felder mit Blick auf die sanft ansteigenden Westerwaldhöhen, ein stilles Finale, das die vorangegangenen Stunden noch einmal nachklingen lässt.

Die Lahn-Westerwald-Runde wurde 2022 mit neuen Schildern und drei Portaltafeln in Welschneudorf, Kemmenau und Dausenau aufgewertet. Der Weg ist offiziell auf Hömberg als Ausgangspunkt mit Parkplatz am Hotel Taunusblick ausgewiesen, kann aber problemlos auch von Welschneudorf aus begangen werden, wo der Parkplatz an der Kurfürstenhalle genügend Platz bietet. Mit knapp 25 Kilometern und gut 520 Höhenmetern ist die Runde für geübte Wanderer gut in sechs bis sieben Stunden zu bewältigen. Wer mehr Zeit mitbringt und in Dausenau einkehrt oder die mittelalterliche Stadtmauer erkundet, sollte eher acht Stunden einplanen. Egal wie, die Tour bleibt in Erinnerung als ein echter Klassiker.

Gerade bei einer so weiten und auch anspruchsvollen Tour sollten Wandernde ihre Kondition und Kraft realistisch einschätzen. Festes Schuhwerk und ausreichend Getränke und Verpflegung gehören unbedingt in den Wanderrucksack. Familien sollten die Strecke vielleicht eher in Etappen genießen, denn auch wenn der Weg grundsätzlich für Familien geeignet ist, so ist die Länge wirklich nicht zu unterschätzen, besonders in der Kombination mit über 500 Höhenmetern.

Tour-Informationen

Art: Rundweg
Schwierigkeit: schwer
Strecke: 24,6 km
Dauer: etwa 7 Stunden
Aufstieg: rund 520 Höhenmeter
Familiengeeignet: bedingt - gut geeignet für ältere Kinder und geübte Wanderfamilien
Beschildert: Ja, seit 2022
Beschaffenheit: Waldwege, Feldwege, Asphalt (Ortsdurchfahrten); Aufstieg zur Herrenlay steil und schmal
Besonderheit: schiefer Turm von Dausenau
Startpunkt: Parkplatz Kurfürstenhalle, Hauptstraße, 56412 Welschneudorf
Zielpunkt: wie Startpunkt

Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!

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