Schlager-Ikone Peggy March begeisterte mit Nostalgie
Von Wolfgang Rabsch
Auch Jahrzehnte nach ihrem internationalen Durchbruch steht ihr Name für einen Welterfolg: In der Stadthalle Ransbach-Baumbach war am gestrigen Abend eine Künstlerin zu Gast, die bereits 1963 Musikgeschichte schrieb. Damals führte sie im Alter von 15 Jahren mit ihrer Single "I Will Follow Him" mehrere Wochen lang die amerikanische Hitparade an.
Ransbach-Baumbach. "I Will Follow Him" markierte den Beginn einer außergewöhnlichen Karriere, die sie auf Konzertbühnen und Tourneen rund um den Globus führte. Auch in Deutschland konnte sie an diesen Erfolg anknüpfen. In vielen Ländern erreichte sie mit ihrem Hit die Spitze der jeweiligen Hitparaden, wurde sogar für den "Grammy" nominiert und erreichte bis 1964 insgesamt fünf Top-100-Platzierungen in den USA.
Ein Star unter vielen Stars
1965 kam Peggy March in die Bundesrepublik Deutschland und siegte bei den Deutschen Schlager-Festspielen in Baden-Baden mit dem Lied "Mit 17 hat man noch Träume". Mit diesem Hit begann ihr steiler Aufstieg in Deutschland als Schlagersängerin. Der deutsche Schlager erlebte damals eine Hochkonjunktur, obwohl zu dieser Zeit auch Beat und Rock 'n' Roll aus den USA und Großbritannien hier Fuß fassten.
Roy Black, Rex Gildo, Mary Roos, Freddy Quinn, Michael Holm, Vicky Leandros, Drafi Deutscher, Christian Anders, Udo Jürgens, Wencke Myhre, Ricky Shane, Gitte und Karel Gott waren damals die Superstars des deutschen Schlagers. In diese Phalanx brach Peggy March mit ihrem Hit "Mit 17 hat man noch Träume" ein und avancierte auch in Deutschland zu einer der bekanntesten Schlagersängerinnen, zumal sie internationales Flair mitbrachte. Weitere Hits von ihr, die in Deutschland an die Spitze der Hitparaden stürmten, waren "Romeo und Julia" und "Memories of Heidelberg".
Die Besucher durften "I Will Follow Him" live erleben
Im kleinen Saal der Stadthalle wurde Peggy March mit herzlichem Beifall empfangen. Die 78-jährige Sängerin ging offen und humorvoll mit ihrem Alter um und griff das Thema bereits zu Beginn der Veranstaltung selbst auf: "Liebe Gäste, singen kann ich noch, aber auf der Bühne springen und tanzen, das ist vorbei". Dass es an diesem Abend weniger um große Bühnenshow als um Musik, Erinnerungen und persönliche Einblicke gehen würde, dürfte dem Publikum bewusst gewesen sein.
Peggy March nahm auf einem großen Ohrensessel Platz und begann, aus ihrem Buch zu lesen, in dem ihr Lebens- und Karriereverlauf sehr genau beschrieben ist. Sie berichtete, dass sie gegen den Widerstand ihrer Eltern immer nur singen wollte und es mit dem Song "I Will Follow Him", wie eingangs erwähnt, auf Platz eins der amerikanischen Charts schaffte. Das Publikum brach in lauten Jubel aus, als Peggy March ihren Superhit zu singen begann und dabei von ihrer Pianistin Kim bestens begleitet wurde.
Die Folgen des Ruhms und des Geldes wurden von ihren Eltern unterschätzt, denn von ihrem ersten Manager wurde sie "gnadenlos betrogen". Sie und ihre Eltern erhielten praktisch keinen Dollar. Erst an dem Tag, an dem Peggy March 18 Jahre alt wurde, übersandte der Manager ihr einen Scheck über 500 Dollar. Als sie mit 18 Jahren volljährig wurde, konnte sie sich von ihrem Manager lösen.
Ihre sehr erfolgreiche Karriere in Deutschland
Peggy March heiratete 1968 ihren zweiten Manager Arnold "Arnie" Harris, mit dem sie dann 45 Jahre lang verheiratet war. Sie lernte ihn im Alter von 19 Jahren kennen, er war 22 Jahre älter als sie. Harris starb 2013 an Lymphdrüsenkrebs. Das Paar lebte von 1969 bis 1981 in München, wo 1974 ihre gemeinsame Tochter Sande-Ann "Sandy" zur Welt kam.
Peggy March kam nicht umhin, auch ihren Riesenerfolg "Mit 17 hat man noch Träume" zum Besten zu geben - den Song, mit dem sie 25 Wochen in Deutschland unangefochten auf Platz eins der Hitparade stand. Die 70er-Jahre bezeichnete Peggy March als die beste Zeit ihres Lebens, als sie in Deutschland lebte und in fast allen, damals sehr erfolgreichen, Unterhaltungssendungen im Fernsehen Dauergast war ("Musik aus Studio B", "Disco" mit Ilja Richter, "Peter Alexander-Show"). Mit den anderen Superstars der damaligen Zeit pflegte sie einen überaus freundschaftlichen, kollegialen Umgang, der von gegenseitiger Hochachtung geprägt war. Auch heute unterhält sie zu den noch lebenden Künstlern engen Kontakt.
Kleiner Sprachfehler erzeugte Riesengelächter
Peggy March, die sehr gut Deutsch spricht, kann natürlich ihren amerikanischen "Slang" nicht verdrängen und sorgte dabei häufig für beste Unterhaltung im Publikum, wenn sie Worte falsch aussprach oder verdrehte. Eine Anekdote aus ihrer damaligen Zeit sorgte für den Lacher des Abends: "Es geschah bei einem Interview mit Dieter "Thomas" Heck beim Saarländischen Rundfunk. Er hatte gehört, dass ich beim vorherigen Besuch des Oktoberfests in München ein 100-Liter-Fass Weizenbier gewonnen hätte, und wollte von mir wissen, wie das geschah. Ich sagte, ohne nachzudenken: Ich habe "geschissen"." Heck verschlug es die Sprache, er schaute mich entsetzt an und stellte sofort das Mikrofon ab. Nach Klärung meines Ausdrucks schaltete er das Mikrofon wieder an und korrigierte: Peggy hat natürlich das Bier gewonnen, weil sie mit einem Luftgewehr den entscheidenden Treffer "geschossen" hatte."
Peggy March liebt trotz allem die deutsche Sprache, weil sie durch ihre Vielfältigkeit häufig zu lustigen Verwechslungen führen würde.
Die musikalische Lesung von Peggy March wurde vom Publikum mit lautem Beifall und Standing Ovations belohnt. Anschließend suchte die Sängerin im Foyer der Stadthalle den Kontakt zu ihren Fans, signierte Bücher und CDs und ließ sich gerne zusammen mit den Fans fotografieren.
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