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Pressemitteilung vom 21.04.2026    

Neuwieder Samuel Koch sprach bei Heilig-Rock-Tagen in Trier über Liebe, Glaube, Hoffnung

"Ich habe nie nicht gehofft", so der gebürtige Neuwieder Samuel Koch bei seiner Rede in Trier. "Bei allem offensichtlich Trostlosen oder Hoffnungslosen, das uns in der Welt umgibt, ist für mich Hoffnung eine existenzielle Trotzreaktion. Auch aus Mangel an attraktiven Alternativen will ich ein Hoffender bleiben – und damit einhergehend auch ein Glaubender."

Samuel Koch im Dialog mit Christopher Hoffmann (Foto: Bistum Trier)

Trier/Neuwied. Das hat Schauspieler und Autor Samuel Koch am 19. April in Trier gesagt, wo der gebürtige Neuwieder zu Gast bei den Heilig-Rock-Tagen des Bistums Trier war. Im Dialog mit dem Theologen und Radio-Redakteur Christopher Hoffmann sprach Koch über seinen Lebensweg, den Glauben, die Liebe und das Leitthema des diesjährigen Bistumsfestes: Hoffnung.

Bekannt wurde der 38-Jährige durch seinen schweren Unfall 2010 in der Sendung "Wetten dass?", der zu einer Querschnittslähmung führte. Seither sitzt Koch im Rollstuhl und ist auf Hilfe seiner Familie und Freunde angewiesen. Zugleich betonte, er, in einer "privilegierten Stellung" zu sein, da er von Anfang an viel Hilfe und Zuspruch erfahren habe. Aber genau das sei nicht für alle Menschen mit pflegenden Angehörigen der Fall. Aus diesem Grund hat Koch einen Verein gegründet, der sich um jene kümmert, die aufopferungsvoll anderen zur Seite stehen und dabei oft selbst auf der Strecke bleiben. Koch ist ein Beispiel dafür, den eigenen Lebensweg allen Widrigkeiten zum Trotz weiterzugehen. So absolvierte er eine Schauspielausbildung, spielt Rollen in Filmen und Theaterstücken und veröffentlichte mehrere Bücher.

Momente des inneren Friedens sammeln und konservieren
Einen Wendepunkt beschreibt Koch aus der Reha-Zeit in einer Schweizer Klinik, als er an einem "Tiefpunkt angelangt2 war. "Als mir klar wurde, dass ich vielleicht nie wieder selbstständig leben würde und aus meinen Träumen, die ich zwanzig Jahre lang vorbereitet hatte, vielleicht nichts werden würde, da habe ich schon diese klassischen Fragen gen Himmel gerichtet. 'Was soll das?' und 'Warum?'." Für ihn sei klar gewesen, wenn "etwas kaputt geht, in meinem Fall das Rückenmark, dass man sich an den 'Hersteller' wendet, denn an wen hätte ich mich auch sonst wenden können?" Doch an diesem Tag habe er zum ersten Mal nach draußen gedurft und sein Blick sei auf die schneebedeckten Alpen gefallen; die Sonne sei durch die Wolken geblitzt. Und zum ersten Mal habe er tief durchgeatmet – und zwar selbstständig und nicht durch den Luftröhrenschnitt. "Da musste ich plötzlich grinsen. Und in meinem innerlichen Schreien zu Gott, was ich jetzt anfangen soll mit meinem Leben, empfand ich plötzlich Dankbarkeit für die Luft, die ich atmen und die schöne Schöpfung, die ich wieder sehen durfte. Und natürlich Dankbarkeit für meine Familie, Freunde, das nette Krankenhauspersonal." Das sei ein Schlüsselmoment gewesen. "Ich merkte, aha, trotz diesem Frustpunkt kann ich sowas wie inneren Frieden verspüren, altmodisch würde man vielleicht 'Seligkeit' sagen. Es war so eine tiefe Freude von innen heraus und für mich eine Art Antwort auf mein verzweifeltes Gebet." Seither versuche er, solche Momente zu sammeln und zu konservieren.

"Ich weiß nicht, ob ich ohne meinen Glauben noch hier wäre"
Ob er ohne seinen Glauben heute noch da wäre, wisse er nicht. Der Kinderglaube von damals habe sich im Laufe der Jahre vertieft. "Meine Vorstellungskraft reicht nicht aus, dass all dies Wunderschöne, Verschwenderische, Komplexe auf der Welt aus Versehen passiert ist." Besonders wichtig sei ihm die Gewissheit, geliebt zu werden – von seinen Eltern, seiner Frau und von Gott. "Gott spricht jedem Menschen maximalen Wert zu. Wir müssen aufhören, in Kategorien zu denken, wie nützlich wir für die Gesellschaft sind. Wir sind wertvoll, weil wir sind. Das spricht den Schwächeren einer Gesellschaft einen eigenen Wert zu." Jeder Mensch habe einen auf ihn zugeschnittenen Sinn und dieser Sinn sei wie "eine lebenserhaltende Maßnahme". Und in diesem Sinne habe er "nie nicht gehofft".



Für Inklusion und Haltungsänderung kämpfen
Kritisch äußerte sich Koch zur Situation von Menschen mit Behinderung. "Wir sind ein gut aufgestellter Sozialstaat und wir haben unsere Hausaufgaben gemacht seit unserem düstersten Kapitel, wo Menschen nach ihrer Minderwertigkeit beurteilt wurden. Aber vor allem derzeit machen wir in vielen Bereichen eine Rolle rückwärts." Etwa beim Thema Barrierefreiheit, wo es oft heiße "Denkmalschutz vor Menschenschutz". In München, wo er inzwischen wohnt, komme er von zehn Einrichtungen vielleicht in zwei hinein. Häufig erlebe er eine ablehnende Haltung im Alltag, etwa mit Verweisen auf Vorschriften oder Zuständigkeiten. "Da heißt es dann: 'Das haben wir noch nie so gemacht' oder 'ich bin dafür nicht zuständig'. Da sind uns andere Länder voraus in ihrer Einstellung – denn wichtiger als akribisch jede Vorschrift zu beachten ist doch Teilhabe", so Koch. Er führt solche Erfahrungen vor allem auf Unsicherheit zurück, äußerte jedoch Hoffnung auf Verbesserungen.

Dem Gegenüber zuhören und Hoffnung geben
In der abschließenden Fragerunde der Zuschauer ging es unter anderem um Sterbehilfe oder den Umgang mit schwerkranken Menschen. Koch verdeutlichte, es gebe keine Patentrezepte. Entscheidend sei, erst einmal gut zuzuhören und zu verstehen, in welcher das Gegenüber sich befinde: noch im Schockzustand oder schon in der Akzeptanzphase? Dann komme es darauf an, den Kern des Schmerzes zu verstehen. "Das ist das Schwierigste an Empathie." Floskeln wie "alles wird gut" oder "du musst nur wollen" hätten ihn furchtbar genervt. Er könne nachvollziehen, wenn Menschen ihr Leid als unerträglich empfinden und ihr Leben beenden möchten. "Eine Freundin von mir aus Vietnam hat sich mit dem Gift Agent Orange infiziert und konnte selbst unter heftigstem Leid noch Friede und Freude entdecken und das sogar auf andere übertragen. Es gibt da einfach keine allgemeingültigen Fälle. Ich würde mich allerdings immer für das Leben aussprechen." Und da sei die Hoffnung mehr als nur Optimismus. Sie sei eine Haltung. Seinem Publikum gab er am Ende die Erfahrung mit, dass das christliche Ideal vom "Dienen und Helfen" eine wahre Ressource sein könne, weil es selbst glücklich mache.

Gefördert wurde die Dialogveranstaltung von der Stiftung "Glauben leben" und der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Trier. Die Heilig-Rock-Tage unter dem Leitwort "Unbegreiflich: Ich hoffe" dauern bis zum 26. April und bieten ein buntes Programm aus Gebet und Gottesdienst, Zielgruppenveranstaltungen, Kunst und Kultur, Dialog und Austausch. Alle Informationen sind unter www.heilig-rock-tage.de zu finden. (PM)


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