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Nachricht vom 02.05.2026    

Wäller Tour Grubenweg Brachbach: Schiefer, Erz und Licht unter Tage

Von Katharina Kugelmeier

Die Wäller Tour Grubenwanderweg Brachbach ist eine rund zehn Kilometer lange Rundwanderung durch das Hellerbergland, die auf eindrucksvolle Weise Bergbaugeschichte, Natur und Waldlandschaft miteinander verbindet. Mit über 30 Infostationen, einem Besucherbergwerk als Herzstück und einem einzigartigen Erlebnis unter Tage bietet die Runde weit mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.

Eine Wanderung durch die Grubengeschichte der Region. (Foto: TI Kirchen / Sven Wolff)

Brachbach. Dass ein kleiner Westerwald-Ort eine jahrhundertelange Bergbaugeschichte in sich trägt, ahnt man beim Durchfahren kaum. Wer aber den Grubenwanderweg betritt, taucht in eine Welt ein, die unter den Wiesen, Wäldern und Hohlwegen des Ortes verborgen liegt und die der Heimatverein "Glück-Auf" Brachbach mit enormem Engagement ans Tageslicht gebracht hat. Im Januar 2025 wurde die Strecke offiziell als Qualitätswanderweg "Wanderbares Deutschland" ausgezeichnet und trägt seitdem den Titel "Wäller Tour und GeoRoute" im Nationalen GEOPARK Westerwald-Lahn-Taunus. Eine Anerkennung, die längst überfällig war, denn der Grubenwanderweg ist im besten Sinne ein Weg, den man mit offenen Augen und neugierigen Ohren gehen muss.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Startpunkt der Tour ist der Wanderparkplatz am Brunnen "Alte Freundschaft" in der Austraße nahe der Sieg in Brachbach. Der Brunnen selbst gibt bereits einen Hinweis auf das, was kommt: Er wurde direkt unterhalb des tiefen Stollens der gleichnamigen Grube angelegt, deren Wasser noch immer hier zutage tritt. Wer mit dem Zug anreist, steigt am Bahnhof Brachbach aus und läuft von dort zur Siegbrücke, wo der nahegelegene Erzwagen, eine originalgetreue Lore aus den aktiven Bergbaujahren, als weithin sichtbares Wahrzeichen auf den Beginn des Weges aufmerksam macht. Ein stilles, aber aussagekräftiges Bild: das kleine Transportfahrzeug, mit dem einst Schiefer und Eisenerz abtransportiert wurden, steht nun stellvertretend für die ganze Geschichte, der man jetzt folgen wird.

(Foto: TI Kirchen / Sven Wolff)

Vom Startpunkt führt der Weg zunächst an der Pfarrkirche St. Josef vorbei in Richtung Sieg, wobei schon hier ein kurzer Halt lohnt: Der massive Bruchstein, aus dem die Kirche gemauert ist, stammt aus einem alten Steinbruch an der Ahligswiese, der nur wenige hundert Meter entfernt liegt und dem Weg noch begegnen wird. Unmittelbar vor der neuen Siegbrücke biegt der Weg rechts ab und führt in den Buchenwald hinein, direkt zum Ecker Grundstollen, dem ersten von vielen Mundlöchern, die auf dieser Runde auftauchen werden.

In Richtung Schützenhaus passiert man Knotts Haus, das frühere Zechenhaus der Grube Ecke, bevor ein schmaler Pfad hinauf zum Pastorsweg und weiter zum Apfelbaumerzug führt. Die Geschichte dieses Grubenfeldes reicht weit zurück: Erstmals erwähnt wurde die Grube in einem Bericht des Amtes Freusburg aus dem Jahr 1720, erste offizielle Abbaugenehmigungen sind ab 1794 dokumentiert. Ab 1836 konsolidierten mehrere benachbarte Grubenfelder zur "Grube Apfelbaum", die schließlich zur größten Eisenerzgrube in der Gemarkung Brachbach anwuchs. Bis in die 1970er-Jahre stand hier noch das Schachtgebäude, heute verdeckt eine mächtige Betonplatte den 393 Meter tiefen Schacht.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Über die Ahligswiesen gelangt man schließlich zum alten Steinbruch, aus dem vor rund 130 Jahren sämtliche Steine für die Brachbacher Josefskirche gebrochen wurden. Es ist einer jener Momente, an denen man begreift, wie eng der Alltag der Menschen hier mit der Geologie ihres Landes verwoben war: Die Kirche wurde buchstäblich aus dem Berg gebaut, in dem die Gemeinde arbeitete. Kurz darauf empfängt der neu gestaltete Eingang zum Schieferstollen "Josefsglück", dem absoluten Herzstück des gesamten Grubenwanderweges. Die Grube wurde Ende des 19. Jahrhunderts begonnen, eine regelmäßige Förderung von Dachschiefer fand zwischen 1903 und 1925 statt. In der Blütezeit arbeiteten hier nur eine Handvoll Bergleute, es war ein Kleinstbetrieb, wie es hunderte im Hellerbergland gab. Der besondere Schiefer von Brachbach hatte aber durchaus einen guten Ruf: Das dünnplattige, leicht spaltbare Gestein eignete sich hervorragend zum Eindecken von Hauswänden und -dächern und war weit über die Region hinaus gefragt. Als die Weltwirtschaftskrise in den späten 1920er-Jahren die Nachfrage einbrechen ließ, wurde der Betrieb stillgelegt und der Stollen versank im Vergessen.




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(Foto: Westerwald Tourismus)

Was dann geschah, ist eines der eindrucksvollsten Kapitel Brachbacher Ortsgeschichte: Im Herbst 1944 wurde der Stolleneingang wieder freigelegt und von da an bis Karfreitag 1945 diente der Stollen als Schutzraum für rund 120 Personen aus dem Ort. Jeder Familie wurde eine der Abbaukammern zugeteilt, ein Leben unter Tage, das nur wenige Zeitzeugen noch aus eigener Erinnerung berichten konnten. Seit Juni 2011, nach jahrelanger Vorarbeit des Heimatvereins, ist der rund 300 Meter lange Stollen als Besucherbergwerk zugänglich. In sieben Abbaukammern erfährt man, wie Schiefer entstanden ist, wie er gewonnen, abgebaut, hergestellt und verwendet wurde und wie der Stollen in den Berg getrieben worden ist. Weltweites Alleinstellungsmerkmal dürfte dabei die in Abbaukammer 3 installierte "aufgehende Sonne" sein, ein Kunstwerk aus Licht, das man am besten selbst erlebt. Die Führung dauert rund eineinhalb Stunden, Helm und Lampen werden kostenlos gestellt. Kinder dürfen ab zehn Jahren einfahren, die Strecke im Stollen ist eben, überwiegend trocken und wird als seniorenfreundlich bezeichnet.

(Foto: TI Kirchen / Sven Wolff)

Nach dem Besuch im Stollen geht es auf einem steilen Anstieg vorbei an der Oberen Girnbach und der Grube Brüderschaft auf den breiten Haubergsweg. Der Begriff "Hauberg" ist im Westerwald historisch tief verwurzelt: Es handelt sich um eine traditionelle Form des gemeinschaftlich genutzten Niederwaldes, der in regelmäßigen Umtriebszeiten auf Stock gesetzt und als Brenn- und Grubenholz genutzt wurde. Das Holz aus den Haubergen war der Treibstoff des Bergbaus - ohne ihn kein Stollen, keine Schächte, keine Grubenstempel. Wer durch diese alten Haubergsschneisen wandert, geht also durch eine Kulturlandschaft, die Bergbau und Forstwirtschaft über Jahrhunderte als Einheit begriffen hat.

Etwas im Wald versteckt, aber gut ausgeschildert, liegt der Eingang zur Grube Wasserquelle, bevor ein besonders lohnender Abschnitt folgt: ein schmaler, tiefer Hohlweg, in dessen Felswänden sich im Laufe der Jahrhunderte die Spuren eisenbeschlagener Eisenschuhe eingeschliffen haben. Eisenplatten, die früher unter die blockierten Hinterräder der Fuhrwerke geklemmt wurden, um das Absacken beim Talabstieg zu bremsen. Wer die Rillen in den Steinen betrachtet, sieht buchstäblich den Alltag der Fuhrleute.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Durch Buchenhochwald und vorbei an den Gruben Abendsonne und Abendstern führt der Weg hinab in den Talkessel des Lombigswaldes, wo noch die Überreste von Stollen, Halden und einer Erzwaschanlage sichtbar sind. Weiter im Wernsbergtal passiert man die Schiefergrube Morgenroth und das Mundloch des Moritzstollens, bevor ein kleiner Brunnen den Wanderer überrascht: Das Wasser, das hier aus dem Mundloch des Venus-Charlottenstollens tritt, kommt direkt aus dem Berg. Von hier empfiehlt sich ein kurzer Aufstieg auf die Höhe über Brachbach für einen schönen Blick über den Ort und das Hellerbergland, bevor der Weg schließlich auf den Scheitelpunkt der Runde auf rund 413 Metern führt, ehe er über einen Haubergsweg wieder hinab zum Ausgangspunkt am Brunnen "Alte Freundschaft" leitet.

Die Wäller Tour Grubenwanderweg Brachbach ist eine Wanderung, die man nicht in vollem Galopp absolvieren sollte. Wer die gut 30 Infotafeln entlang der Strecke liest, wer die Mundlöcher der alten Stollen mit dem Handylicht ausleuchtet, wer beim Schieferstollen Josefsglück eine Führung mitnimmt, der braucht seinen halben Tag. Und wird ihn nicht bereuen. Für Familien mit Kindern ab zehn Jahren bietet das Besucherbergwerk ein einzigartiges Erlebnis. Die Strecke ist durch Naturwege und teils steile Waldpfade eher für geländetaugliche Schuhe geeignet; nach Regenfällen können einige Abschnitte rutschig werden. Außerdem sollte man zumindest etwas zum Trinken dabeihaben.

Tour-Informationen

Art: Rundweg
Schwierigkeit: mittel
Strecke: ca. 10 km
Dauer: rund 3-3,5 Stunden (ohne Besucherbergwerk-Führung)
Aufstieg: rund 300 Höhenmeter
Familiengeeignet: bedingt (Besucherbergwerk ab 10 Jahren, Strecke für ältere Kinder gut geeignet)
Beschildert: Ja, durchgehend sehr gut markiert
Beschaffenheit: Naturweg, Schotterweg, Asphalt, Pfad, Straße
Besonderheiten: 30+ Infotafeln zur Bergbaugeschichte, Besucherbergwerk Schieferstollen "Josefsglück" (Führung auf Anfrage, Helmpflicht, Kinder ab 10 J.), Erzwagen (Lore), historischer Hohlweg
Startpunkt (Auto): Wanderparkplatz am Brunnen "Alte Freundschaft", Austraße, 57555 Brachbach
Startpunkt (Bahn): Erzwagen (Lore) an der Siegbrücke, Brachbach (rund 300 m ab Bahnhof Brachbach)
Zielpunkt: wie Startpunkt

Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!

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