So wirkt regelmäßiges Saunieren auf Körper und Geist
RATGEBER | Schwitzen mit System – in Finnland ist das seit Jahrhunderten Alltag. Seit 2020 gehört die finnische Saunakultur sogar zum UNESCO-Immateriellen Kulturerbe. Aber auch hierzulande wächst die Zahl überzeugter Saunagänger stetig. Was steckt dahinter? Und was sagt die Forschung tatsächlich dazu?
Was Saunagänge für die Gesundheit leisten
Die Wärme einer Saunakabine bringt den Kreislauf in Schwung, weitet die Blutgefäße und regt das Immunsystem an. Eine vielbeachtete Langzeitstudie aus Finnland, veröffentlicht im Fachjournal JAMA Internal Medicine, begleitete über 2.300 Männer zwischen 42 und 60 Jahren – und das über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten. Das Resultat fiel eindeutig aus: Zwei- bis dreimaliges Saunieren pro Woche senkt das Herzinfarktrisiko um rund 22 Prozent gegenüber Personen, die höchstens einmal wöchentlich schwitzen. Berliner Fachärzte mit Schwerpunkt Naturheilverfahren berichten zudem, dass sich die jährlichen Infekte bei regelmäßigen Saunagängern von drei bis vier auf ein bis zwei reduzieren lassen.
Viele Wellness-Häuser haben darauf reagiert und bieten heute unterschiedliche Saunakonzepte unter einem Dach an. So umfasst etwa ein Hotel in Vorarlberg mit Pool vier verschiedene Schwitzbereiche – darunter eine klassische finnische Sauna, ein Soledampfbad und eine Bio-Sauna.
Finnische Sauna, Dampfbad oder Bio-Sauna – was passt zu wem?
Die Unterschiede sind größer, als viele vermuten. In der finnischen Sauna herrschen Temperaturen zwischen 80 und 90 °C. Sie gilt als die intensivste Variante. Dampfbäder und Soledampfbäder arbeiten bei 40 bis 55 °C mit hoher Luftfeuchtigkeit – das tut Atemwegen und Haut besonders gut. Die Bio-Sauna liegt mit etwa 55 °C dazwischen und eignet sich hervorragend für Einsteiger oder alle, denen klassische Hitze zu viel ist. Welche Form am besten passt, hängt letztlich vom persönlichen Empfinden und der eigenen Konstitution ab.
Raus aus dem Kopf – rein in die Wärme
Die Effekte beschränken sich keineswegs auf den Körper. In der Hitze schüttet der Organismus Endorphine aus. Die Stimmung hebt sich, Muskelverspannungen lösen sich. Nachweislich verbessert regelmäßiges Saunieren auch die Schlafqualität – der Körper findet nach dem Schwitzen schneller in die Ruhephase. Besonders wirkungsvoll ist dabei die Kombination aus Wärme und anschließender Kälte. Tauchbecken, Eisdusche oder Schneeabreibung trainieren die Blutgefäße und aktivieren das vegetative Nervensystem. Wie sehr Ruhe und ein durchdachtes Wellnessprogramm die Erholung beeinflussen, haben auch wir bereits beleuchtet.
Wenn aus einem Saunagang ein Kurzurlaub wird
Ein Saunabesuch im Alltag bringt bereits viel. Noch nachhaltiger ist die Wirkung allerdings, wenn das Saunieren in ein durchdachtes Gesamtkonzept eingebettet ist. In den Alpen verbinden zahlreiche Hotels Saunakultur mit Bergluft, Poollandschaft und regionalen Anwendungen – ein Zusammenspiel, das Körper und Geist gleichermaßen anspricht. Besonders erholsam wird es, wenn Sauna, Schwimmen und Natur nah beieinander liegen und genug Raum für Stille bleibt.
Darauf sollten Sie bei einem Wellness-Aufenthalt achten
Ein ausgewogenes Angebot macht den Unterschied. Achten Sie auf ausreichend Ruhezonen, verschiedene Saunatypen und die Qualität der Anwendungen. Pauschalangebote mit eng getaktetem Programm bewirken häufig das Gegenteil von Entspannung. Planen Sie nach der Anreise bewusst keine Termine ein – Ihr Körper braucht erst einmal Zeit, um herunterzufahren.
Praktische Tipps für den Saunagang
Mit ein paar einfachen Regeln holen Sie deutlich mehr aus jedem Besuch heraus:
● Häufigkeit: Zwei- bis dreimal pro Woche gilt als optimal. Seltenes Saunieren schmälert den langfristigen Effekt auf das Immunsystem.
● Dauer: Acht bis zwölf Minuten pro Durchgang reichen für die meisten Menschen völlig aus – länger bedeutet nicht automatisch gesünder.
● Abkühlung: Nach jedem Gang erst an die frische Luft, dann kalt abduschen oder ins Tauchbecken steigen.
● Flüssigkeit: Vor und nach dem Saunieren mindestens einen halben Liter Wasser oder ungesüßten Kräutertee trinken.
● Ruhepause: Zwischen den Durchgängen braucht der Körper mindestens genauso lange Erholung, wie der Saunagang selbst gedauert hat.
Eine fundierte Übersicht über die gesundheitlichen Wirkungen des Saunierens stellt der SWR mit Einschätzungen von Fachärzten und einem Blick auf die aktuelle Studienlage bereit. (prm)


















