Leserbrief zu: "Stellvertreterkrieg" - Replik auf die Kritik der CDU
LESERMEINUNG | Lesermeinung. In der aktuellen Kontroverse um die Ukraine-Kritik des SPD-Mannes Ferhat Cato nimmt Helmut Gelhardt Stellung. Er kritisiert den CDU-Kreisvorsitzenden Jan Petry für dessen scharfe Attacken. Gelhardt argumentiert, dass Catos Kritik an Präsident Selenskyj und den westlichen Waffenlieferungen im Kontext eines "Stellvertreterkrieges" berechtigt sei.
Leserbrief. "Über die Äußerung von Ferhat Cato empört sich der CDU-Kreisvorsitzende Jan Petry im faktischen Superlativ: "Wer den gewählten Präsidenten eines angegriffenen Europäischen Staates als "Clown" herabwürdigt und die lebensnotwendige Verteidigungshilfe als "Verbraten von Milliarden" diffamiert, verlässt den Boden des demokratischen Konsenses unserer Volksparteien. Diese Wortwahl ist nicht nur geschmacklos, sie ist brandgefährlich."
Diese Empörungsorgie von Herrn Petry ist heuchlerisch, unmoralisch und ehrabschneidend. Der CDU-Kreisverband/Herr Petry wissen natürlich, dass der SPD-Mann und Gewerkschafter Ferhat Cato, der gerne Klartext spricht und für "Diplomatensprache" wenig bis keine Verwendung hat, noch nicht einmal den Hauch einer Nähe zur AfD hat. Und sie wissen auch, dass Cato die Rechtspopulisten bis Rechtsextremen schon bekämpft hat - und immer noch bekämpft, als sehr viele der heutigen Empörten noch nicht einmal wussten, wie man rechtsextrem schreibt und was Rechtsextremismus bedeutet. Es ist eine böswillige Verhaltensweise, wenn Kritik an Selenskyj spiegelbildlich mit Zustimmung für Putin gleichgesetzt wird.
Es gibt überhaupt kein Vertun: Der Angriff Russlands auf die Ukraine vom 24. Februar 2022 war und ist ein Bruch des Völkerrechts. Das ist der eine unverrückbare Teil der Wahrheit. Der andere Teil der Wahrheit (der gerne von interessierter Seite unterschlagen wird) ist der: Diesem Völkerrechtsbruch Russlands ging aber ein Völkerrechtsbruch der NATO voraus, und es folgte ihm nach dem Kriegsbeginn bald einer weiterer Völkerrechtsbruch vonseiten der NATO. Die UN-Charta verbietet nicht nur einen Angriffskrieg, sie verpflichtet die Parteien vor einem Konflikt, alle Möglichkeiten zur friedlichen Konfliktbeilegung auszuschöpfen, nach dem Ausbruch von Kampfhandlungen, diese so schnell wie möglich zu beenden.
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Auf die unrühmliche Rolle, jedenfalls von Ex-US-Präsident Joe Biden und Ex-Premierminister Boris Johnson (GB), die die Ukraine sehr frühzeitig aufgefordert hatten, weiterzukämpfen - quasi koste es, was es wolle - ist hier hinzuweisen. Chas Freeman, Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, gab am 24. März 2022 (!) die wahre Absicht der Verweigerung jeder diplomatischen Lösung preis: "Alles, was wir hier unternehmen, scheint darauf abzuzielen, die Kampfhandlungen in die Länge zu ziehen und den ukrainischen Widerstand zu unterstützen, anstatt ein Ende der Kämpfe und einen Kompromiss herbeizuführen (...); am Ende werden jedoch viele Ukrainer und Russen tot sein." Dass der Ukrainekrieg ein Stellvertreterkrieg zwischen dem "Westen" und Russland ist, in dem das Leid der ukrainischen Bevölkerung billigend in Kauf genommen wird und kaum ins Gewicht fällt, bestätigen hochrangige politische und militärische Protagonisten von CIA und US-Administration. Berater des ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney sprachen schon 2019 (!) von "unserem Schattenkrieg mit Russland", der sich "zu einer nuklearen Katastrophe steigern könnte".
Also Herr Petry und Kreis-CDU: Vor dem Äußern von Empörungsorgien bitte sich sachlich/inhaltlich vollständig kundig machen und auf die Zehn Gebote achten - hier: "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten"."
Helmut Gelhardt, Neuwied-Engers
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