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Nachricht vom 15.03.2026    

Personalmangel im Gesundheitswesen: Wirtschaftliche Auswirkungen auf Arztpraxen und MVZ

Der Fachkräftemangel im Gesundheitssektor ist längst bittere Realität in deutschen Wartezimmern. Neben der emotionalen Belastung für die Teams rücken zunehmend die harten betriebswirtschaftlichen Konsequenzen in den Fokus. Wenn medizinische Fachangestellte fehlen oder Arztstellen unbesetzt bleiben, gerät das Geschäftsmodell Praxis ins Wanken.

Symbolfoto (KI generiert)

Aktuelle Erhebungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) verdeutlichen die Dramatik: Das Gesundheitswesen führt die Liste der Branchen mit den größten Fachkräftelücken an. Über 46.000 Stellen konnten im Jahresschnitt 2024 rechnerisch nicht besetzt werden. Besonders prekär ist die Lage bei Physiotherapeuten, Pflegekräften und – für Niedergelassene entscheidend – bei Medizinischen Fachangestellten (MFA) sowie Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA). Eine Auswertung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeigt, dass in Rheinland-Pfalz auch der Ärztemangel besonders stark ausgeprägt ist.

Die wirtschaftliche Quittung des Personalmangels
Für Inhaber von Arztpraxen und Geschäftsführer von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) bedeutet der Personalmangel weit mehr als nur Stress. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind vielfältig:

Umsatzeinbußen durch Leistungsbegrenzung: Fehlt qualifiziertes Personal, müssen Behandlungszeiten gekürzt oder gar ganze Sprechstunden gestrichen werden. Ein Aufnahmestopp für Neupatienten mindert das Wachstumspotenzial massiv.

Steigende Personalkosten: Um vorhandenes Personal zu halten oder neues zu gewinnen, steigen die Gehaltsforderungen. Gleichzeitig treibt der Einsatz von Überstunden die Lohnnebenkosten in die Höhe.

Effizienzverlust: Wenn Ärzte administrative Aufgaben übernehmen müssen, weil die MFA-Stelle vakant ist, sinkt die Fallzahl pro Stunde bei gleichbleibenden Fixkosten.

Fluktuationskosten: Die Neubesetzung einer Stelle kostet laut Experten oft ein halbes bis ganzes Jahresgehalt (Recruiting-Kosten, Einarbeitungszeit, Produktivitätsverlust).

Die aktuelle Lage: Ein Blick in die verschiedenen Bereiche
Die Knappheit zieht sich durch alle Bereiche und Qualifikationsebenen – vom Praxisalltag bis zur Patientensteuerung im Notfall. Während bei den Ärzten vor allem der demografische Wandel (nahezu jeder vierte berufstätige Arzt ist über 60 Jahre alt) und der Trend zur Anstellung (Weg von der Einzelpraxis) die Versorgung in der Fläche gefährden, brennt es im nicht-ärztlichen Bereich lichterloh. So sind eigentlich für die ambulante Versorgung vorgesehene Ressourcen durch steigende Belastungen in der Notfallversorgung stark beansprucht, was niedergelassene Ärzte zusätzlich belastet und den Wettbewerb um Fachkräfte verschärft.

Laut Bundesagentur für Arbeit ist der Beruf der ZFA/MFA einer der Engpassberufe mit der höchsten Vakanzzeit. Dies führt dazu, dass MVZ und größere Gemeinschaftspraxen zunehmend in einen harten Wettbewerb um die wenigen verfügbaren Fachkräfte treten, oft zum Nachteil kleinerer Landpraxen.

Strategien gegen den Stillstand: Lösungswege für Praxisinhaber
Um die Wirtschaftlichkeit langfristig zu sichern, müssen Praxisverantwortliche heute neue Wege im Personalmanagement gehen.

1. Flexibilität durch Zeitarbeit und Arbeitnehmerüberlassung
In Phasen von Krankheitswellen oder zur Überbrückung von Vakanzen bietet die Zeitarbeit ein wichtiges Sicherheitsnetz. Sie ermöglicht es, den Praxisbetrieb ohne Umsatzverluste aufrechtzuerhalten, während in Ruhe nach einer Festanstellung gesucht werden kann. Erfahrene Personaldienstleister unterstützen medizinische Einrichtungen dabei, passgenaue Fachkräfte für die Arbeitnehmerüberlassung zu finden, um personelle Engpässe effizient abzufedern. Dies schützt das Stammpersonal vor Überlastung und sichert die Servicequalität für die Patienten.

2. Recruiting ausländischer Fachkräfte
Die Bundesärztekammer verzeichnete zuletzt einen Höchststand bei berufstätigen Ärzten mit ausländischem Pass. Auch im Bereich MFA/Pflege wird die Zuwanderung zur Lebensader. Dank des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes werden Anerkennungsverfahren beschleunigt. Erfolgreiche Praxen setzen hier auf spezialisierte Agenturen oder nutzen Programme wie „Specialized!“, um Fachkräfte aus Ländern wie Mexiko, Kolumbien oder Jordanien zu gewinnen.

3. Qualifizierung und Quereinstieg
Da der Markt für fertig ausgebildete MFA leergefegt ist, rücken Quereinsteiger (z. B. aus dem Hotelgewerbe oder dem Einzelhandel) in den Fokus. Viele administrative Aufgaben und die Patientenannahme lassen sich schnell erlernen. Ergänzend dazu sind gezielte Weiterbildungen (etwa zur VERAH oder NäPA) essenziell, um vorhandenes Personal zu spezialisieren und die Wertschöpfung in der Praxis zu erhöhen.

4. Modernes Employer Branding
Wer als Arbeitgeber nicht sichtbar ist, findet nicht statt. Junge Talente suchen heute auf Instagram oder TikTok nach ihrem nächsten Job. Eine authentische Darstellung des Teams, flexible Arbeitszeitmodelle (z. B. 4-Tage-Woche oder Altersteilzeit) und Benefits wie Job-Tickets oder moderne Pausenräume sind keine Extras mehr, sondern Voraussetzungen im Kampf um die besten Mitarbeiter.

Investition in Personal ist Investition in Rendite
Der Personalmangel ist das größte wirtschaftliche Risiko für die ambulante Versorgung. Praxisinhaber, die Personalakquise und -bindung als strategische Kernaufgabe begreifen und dabei auf einen Mix aus digitalem Recruiting, internationaler Öffnung und flexiblen Lösungen wie Zeitarbeit setzen, werden auch in einem schwierigen Marktumfeld wettbewerbsfähig bleiben. Wer heute am Personal spart, zahlt morgen mit Umsatzeinbußen. (prm)




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