Neuer schöner Anlaufpunkt für Wohnungslose in Neuwied: „Schöppche 2.0“ eröffnet
Von Helmi Tischler-Venter
Trotz des sonnigen Wetters froren die zahlreichen Gäste bei der Einweihungsfeier des neuen Schöppches im Schatten der Caritas-Gebäude. Das trübte die Freude über die zügige Fertigstellung des Gebäudes nach nur 10,5 Monaten Bauzeit. Bernd Wagener, Vorsitzender des Caritasrats und Ulrike Proft, stellvertretende Dienststellenleiterin Neuwied moderierten die Veranstaltung.
Neuwied. Als vor 30 Jahren die erste Begegnungsstätte Schöppche in einer alten Waschküche eröffnet wurde, nutzten täglich etwa fünf bis zehn Personen das Aufenthaltsangebot. In den folgenden Jahren wuchs der Unterstützungsbedarf drastisch, sodass bis zu 50 Besucherinnen und Besucher am Tag kamen. 2019 instituierten Kreis und Stadt Neuwied zusammen mit dem Jobcenter für den Landkreis das Projekt „MAP – Neue Wege gehen: Mobile Beratung von Menschen auf öffentlichen Plätzen“. Ab 2021 gab es „Wohnbegleitende Hilfen“, Unterstützung für Menschen in Notunterkünften der Stadt Neuwied. Bis heute stellt die Wirtgen-Stiftung nach dem Motto „Housing First“ Wohnungen für obdachlose Menschen zur Verfügung. Dieses Projekt umfasst mittlerweile sechs Wohnungen und wird seit 2025 personell durch das Land und die Stadt Neuwied finanziert.
Nach dem Kauf der sechs Wohnungen für das Projekt Housing First, wurde überlegt, was noch benötigt wird. So entstand die Idee eines Schöppche 2.0. In einem gemeinsamen Entwicklungsprozess wurden Fragen nach dem Standort, der Beteiligung, der Nachbarschaftsakzeptanz, Parkplatzausgleichsflächen, Baugenehmigung und Zusammenarbeit geklärt. Im April 2025 erfolgte der erste Spatenstich, dem viele Planungstreffen und die Umsetzung folgten. Entstanden ist ein schönes, einladendes Bauwerk, eine nachhaltige Verbesserung für bedürftige Menschen und die Mitarbeiter der Caritas. Dank der finanziellen Unterstützung der Stiftung der Brüder Stefan und Jürgen Wirtgen. Mitarbeitende sind das Team der Wohnungslosenhilfe der Caritas Neuwied unter Fachteamleiterin Olga Scott und ehrenamtlich Tätige.
Der „NKVM - Neuer Kunstverein Mittelrhein e. V.“ plant in diesem Jahr ein Projekt mit Wohnungslosen in Neuwied. Die Botschaft lautet, dass es eine christliche Pflicht ist, Menschen in der Not nicht allein zu lassen.
Daniel Wichmann von den Wirtgen-Stiftungen stellte die Frage nach der Nachhaltigkeit der kleinen Spenden für Wohnungslose, denen man in der Stadt begegnet. Es bedarf struktureller Veränderung und eines Ortes, der Würde und Unterstützung vereint. Nach vielen Zweifeln, Bedenken und Herausforderungen, erfülle es ihn mit Stolz und Freude, dieses Objekt zu sehen und einweihen zu dürfen. Er wünschte dem Ort Würde, Unterstützung und neue Chancen und er dankte vor allem den ehrenamtlich Aktiven für deren Arbeit. Sie seien das Fundament der Arbeit, der Kitt unserer Gesellschaft.
Philipp Rasbach, Erster Kreisbeigeordneter, betonte in Vertretung des Landrats an dessen 60. Geburtstag, wohnungslose Menschen ziehe es in die Zentren. Daher sei Neuwied weit mehr betroffen als die ländliche Region. Dank des neuen Anlaufpunkts in Kreis und Stadt Neuwied, einem schönen neuen Gebäude, das mit Herz geführt wird, können Geschichten neu geschrieben werden.
Bürgermeister Peter Jung erlebte einen bewegenden Moment mit dem Geschenk der Wirtgens, das die Arbeit von Stadt, Kreis, Caritas und Job-Center ergänzt. Man müsse ansetzen aus der Perspektive der Menschen, die Hilfe brauchen: eine einfache, niedrigschwellige Beratungs- und Anlaufstelle, denn die Menschen gehören zur Stadtgesellschaft.
Domkapitular Benedikt Welter bestätigte, dass auch vulnerable Gruppen in die Stadt gehören. Er erkannte einen Aufstand der Hoffnung, weil der Mensch in den Blick genommen und nicht über ihn entschieden wird. Hier bekomme der Begriff „gesamtgesellschaftlich“ Gestalt. Die Caritas sei dem unbehausten Sohn Gottes, Jesus Christus, verpflichtet. Welter segnete in dessen Namen das Gebäude und wünschte den darin Arbeitenden Kraft, gut zu hören und sich den Wunden zu stellen.
Das Schlusswort sprach Caritasvorstand Regine Wagner-Stenzel, die allen Beteiligten herzlich dankte. Die Brüder Jürgen und Stefan Wirtgen überreichten einen goldenen Schlüssel an Olga Scott. Die sah darin einen realen Auftrag und öffnete erfreut die Tür zum Schöppche 2.0. Sie lud zu einem kleinen Imbiss in den geräumigen Speisesaal und zur Besichtigung der neuen Räume ein.
Die Eröffnungsfeier wurde vom Guitajon Akustic-Duo stimmungsvoll musikalisch begleitet. htv
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