Einblicke in das Leben palästinensischer Christen: Vortrag in Neuwied
In Neuwied fand ein bewegender Vortrag von Johannes Zang über die Situation palästinensischer Christen statt. Der Musiktherapeut und Journalist berichtete aus erster Hand über die Herausforderungen, denen diese Menschen im Alltag begegnen.
Neuwied. Gebannt verfolgten die Zuhörer im gut gefüllten Saal des Gemeindehauses der evangelischen Marktkirche den Vortrag von Johannes Zang. Der aus Goldbach bei Aschaffenburg stammende Musiktherapeut und Journalist hat viele Jahre in Jerusalem gelebt und unter anderem Gruppen als Pilgerführer in Israel begleitet. Dank seiner Sprachkenntnisse in Arabisch und Hebräisch konnte er tiefere Einblicke in das Leben der Menschen vor Ort gewinnen.
In Neuwied stellte Zang sein neues Buch "Und am Kontrollpunkt wartet die Erniedrigung" vor. Es enthält Interviews mit 33 Christen aus Palästina im Alter zwischen 18 und 82 Jahren. Immer wieder thematisieren die Gesprächspartner Diskriminierungen, Schikanen und Benachteiligungen durch die israelische Besatzung im Westjordanland. Eine junge evangelische Pfarrerin äußerte Unverständnis darüber, dass ihr Großvater, ein Diakon in Bethel, nicht in seiner Heimat beerdigt werden durfte. Ein koptisch-orthodoxer Christ riet den deutschen Lesern: "Habt keine Angst wegen des Holocaust darüber nachzudenken, wer in Israel und Palästina heute Recht hat und wer nicht. Ihr müsst mit beiden Seiten reden und beide Perspektiven verstehen." Eine palästinensische Großmutter träumt davon, eines Tages mit ihren Enkeln auf einem Spielplatz zu sitzen und sich mit einer jüdischen Großmutter zu unterhalten, deren Kinder ebenfalls dort spielen.
In der anschließenden Diskussionsrunde wurde neben großer Betroffenheit auch nach Lösungsansätzen für den grundlegenden Konflikt gesucht. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, direkt von solchen Lebensumständen zu erfahren, da Israelis oft wenig über die Lebensbedingungen ihrer palästinensischen Mitbürger wissen. Josef Freise und Martina Keiling vom Arbeitskreis Palästina dankten dem Referenten zum Schluss für sein Engagement. Seine Einblicke seien Motivation für den Arbeitskreis, sich weiter solidarisch mit den Menschen in Palästina zu engagieren. Red
Lokales: Neuwied & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion












