Truppen erobern Rathaus Neuwied: Oberbürgermeister Einig in Ketten gelegt
Von Helmi Tischler-Venter
Der Neuwieder Straßenkarneval startete am Samstag. 14. Februar mit einem farbenprächtigen, lautstarken Angriff auf das historische Rathaus. Am Ende mussten sich die Stadtsoldaten der Ehrengarde der Übermacht fremder Truppen ergeben. Oberbürgermeister Jan Einig gab widerstrebend den Schlüssel ab, bevor er in Handschellen abgeführt wurde.
Neuwied. Peter Dalpiaz moderierte das Geschehen vor dem historischen Rathaus. Drinnen warteten die jungen Mitglieder der Ehrengarde auf die Ankunft der närrischen Truppen, denen sie mithilfe des eisigen Ostwinds einen kalten Empfang bereiteten. Kommandeur Alexander Wertgen scherzte, man habe extra die Deichtore offengelassen, um den feindlichen Truppen das Leben zu erschweren. Diese zogen vom Luisenplatz über die Mittelstraße zum Schärjerdenkmal und weiter durch die Rheinstraße bis zur Pfarrstraße.
Mit dem Husarencorps Blau-Gold Heddesdorf und ihrer Generalfeldmarschallin Jennifer Blum marschierte das Kinderprinzenpaar aus Oberbieber – Prinz Robin II. und Prinzessin Zoe I. – mit Gefolge zum Rathaus. Die Generalfeldmarschallin gab sich angesichts ihrer kopfstarken Truppe sehr siegessicher und ließ die Verhandlungsangebote des städtischen Kommandeurs abprallen. Da halfen weder die gekonnt getanzte Zugabe des Gardetanzes, noch das großzügige Angebot Wertgens: „Das Rathaus wird kampflos abgegeben, wenn wir es renoviert wiederbekommen.“ Eine Idee, die von Bürgermeister Jan Einig goutiert wurde. Auch Wertgens Zusatz: „Die Husaren haben schon den Blaumann an“, blieb ergebnislos. Die Verhandlungen waren gescheitert.
So erfolgte die Aufstellung zur Vereidigung der Rekruten auf die Prinzipien des Neuwieder Karnevals. Beide Truppen nahmen nach einem „Aufwärmtänzchen“ der Funken Rot-Weiß 1884, bei dem Beine und Musketen geschwenkt wurden, ihre Angriffspositionen ein. Eine donnernde Kanonenschlacht eröffnete die Kampfhandlungen, doch alle Kämpfer wurden zurückgeschlagen. Man einigte sich auf Nachverhandlungen: Die närrischen Truppen tanzten zur „Karnevalsmaus“ und riefen Mitglieder der Ehrengarde zum Mitmachen herüber. Tatsächlich gab es Verräter, die die Seiten wechselten. Nach einer weiteren Kanonenschlacht rief der närrische Kommandant zum finalen Einsatz der Party-Popper und anschließendem Durchbruch auf. Beim Glockenläuten mussten die Verteidiger kapitulieren. Das Kinderprinzenpaar marschierte ein.
Oberbürgermeister Jan Einig gab sich geschlagen und den Rathausschlüssel an den Prinzen mit der Maßgabe, das Rathaus „richtig schön“ zurückzugeben. Aus der Kindergruppe kam der Vorschlag, die Fassade pink zu gestalten. Man darf also gespannt sein.
Einig wurde sogar in Handschellen gelegt, dann suchten die Eroberer den Stadtsäckel, aber es war keine Beute mehr da. Jan Einig dankte seinen tapferen Mitstreitern für deren engagierten Einsatz genauso wie dem Prinzenpaar: „Das ist eine tolle Truppe, die seit Wochen von einem Saal zum anderen zieht und jede Menge Spaß macht!“ Das rechtfertigte die Ordensverleihung durch den Stadtchef.
Die Ehrengarde, die Funken Rot-Weiß, das Husarencorps Blau-Gold und alle begleitenden Narren konnten im Anschluss in das warme Rathaus einziehen.
Der Straßenkarneval wird am Sonntag, dem 15. Februar, von den Heddesdorfer Vereinen fortgesetzt, die ab 8.11 Uhr die Bewohner von Heddesdorf wecken und über den Raiffeisenring ziehen. Der Höhepunkt des Karnevalswochenendes ist der Rosenmontagsumzug am Montag, dem 16. Februar. Er beginnt um 14.11 Uhr und wird mit vielen großen Wagen drei Kilometer von der Langendorfer Straße in Irlich in Richtung Innenstadt ziehen. Eine Bühne am ZOB in der Marktstraße und ein Sprecher am Rewe-Kreisel begleiten die Veranstaltung. htv
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