Gnadenlose Narren besetzten das Rathaus in Höhr-Grenzhausen
Von Wolfgang Rabsch
Rathausstürmung am rußigen Freitag (13. Februar 2026): Obwohl der Eingang zur Verbandsgemeindeverwaltung in Höhr-Grenzhausen von außen aussah, als wäre die Tür zugemauert, gelang es den Karnevalisten aus der Töpferstadt, fast problemlos in das Gebäude einzudringen.
Höhr-Grenzhausen. Im Laufe des Freitagvormittags (13. Februar) versammelten sich immer mehr Karnevalisten vor der Verbandsgemeindeverwaltung, da sie einen "hinterhältigen" Plan ausgeheckt hatten. Pünktlich um 11.11 Uhr wollten sie gewaltsam die Gemeindezentrale stürmen und sich den goldenen Schlüssel zum Rathaus aneignen, damit sie bis Aschermittwoch die närrische Macht ausüben können.
Angeführt vom Musikverein Hillscheid, setzte sich ein langer närrischer Konvoi in Bewegung, in dem sich auch das diesjährige Prinzenpaar Maik und Yvonne Bremermann befanden. Das diesjährige Prinzenpaar ist Mitglied in der "Karnevalsgesellschaft Grau-Blau 1949 e.V. Höhr-Grenzhausen".
Bürgermeister Marco Weißer kapitulierte vor der närrischen Macht
Im Gebäude selbst versuchten Verwaltungs- und Bauhofmitarbeiter, das Gebäude von innen zu verriegeln. Doch als das Prinzenpaar zur Attacke auf die Verwaltung blies, nutzte aller Widerstand nichts, die Absperrung in der Tür wurde gnadenlos demoliert und Hunderte Narren strömten ungehindert ins Innere des Hauses. Dort musste Marco Weißer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen, tatenlos mitansehen, dass es für die Narren kein Zurück mehr gab. Auch die mentale Unterstützung durch seinen Amtskollegen Wolfgang Letschert, Stadtbürgermeister von Höhr-Grenzhausen, konnte das "Unheil" nicht verhindern.
Um die Machtübernahme durch die Narren friedlich zu vollziehen, lenkte Bürgermeister Weißer ein, um die Gemüter zu beruhigen. In einer flammenden Rede signalisierte er seine Bereitschaft, sich der Macht der Narren zu beugen, und erklärte sich auch bereit, dem Prinzenpaar den goldenen Schlüssel als Insignie der Macht zum Rathaus zu übergeben.
In seiner Rede hielt er ein Loblied auf den Karneval in Höhr-Grenzhausen und pries insbesondere das diesjährige Prinzenpaar Maik und Yvonne Bremermann. Als das Prinzenpaar schließlich aus den Händen des VG-Chefs den goldenen Schlüssel in Empfang nahm, zeigte es diesen triumphierend seiner Anhängerschar, die in lautem Jubel ausbrach. Mit einem Gläschen Sekt und mehrfachen Helau-Rufen wurde die Machtübernahme offiziell begossen.
Die Verwaltung huldigte den Majestäten
Dem Prinzenpaar war deutlich anzumerken, dass sie glücklich waren, dass es bei der Stürmung und Besetzung des Rathauses kein "Blutvergießen" gab. In abwechselnden Redebeiträgen lobten die Majestäten ebenfalls den Karneval in der Töpferstadt, der Menschen vereint und ein Ausdruck von Freude und Spaß sei.
Schließlich lautet das diesjährige Motto "Mer fiere et Leeve" (Wir feiern das Leben). Die Rede der gekrönten Häupter wurde mit lautem Jubel bedacht und von zigfachem "Helau" begleitet. Die Stimmung im Foyer erreichte ein hohes Level, da Verwaltung und Narren einen Friedenspakt geschlossen hatten. Niemand hatte Lust auf ein "Scharmützel".
In den letzten Jahren feierten Sieger und Besiegte traditionell im Rathauskeller die Amtsübernahme. Doch da dieser zurzeit renoviert wird, verlagerte sich die anschließende Feier in den oben gelegenen Ratssaal. Dieser war wahrscheinlich noch nie mit so vielen Menschen vollgepfropft, sodass es dort kaum ein Durchkommen gab.
Die Stimmung aus dem Foyer wurde mit in den Ratssaal übertragen und zunächst von einem DJ mit krachenden Sounds weiter angeheizt. Zwischendurch kamen auch die Musikanten des Musikvereins Hillscheid zum Zuge. Diese konnten mit ihren Blechinstrumenten Karnevalslieder und Schlager zum Besten geben, die mit Begeisterung von den Besuchern abgefeiert wurden. Es ist davon auszugehen, dass der geschlossene Friedenspakt bis zum Karneval 2027 halten wird. Dann wird wieder ein Sturm auf das Rathaus stattfinden, bei dem alle auf ihre Kosten kommen werden.
Musikverein Hillscheid toppte die Stimmung
Alles in allem betrachtet, war diese Rathausstürmung ein weiteres Highlight in der diesjährigen Karnevalssession in Höhr-Grenzhausen. Die Töpferstadt hat sich inzwischen zu einem Karnevals-Hotspot im Westerwald entwickelt, was sich auch dadurch ausdrückt, dass zwei sehr erfolgreiche Karnevalsvereine (Grau-Blau und Rot-Weiss) dort beheimatet sind. (WR)
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