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Nachricht vom 08.02.2026    

Buchtipp: Blinde Kuh - ein bewegendes Porträt über Demenz und familiäre Bindungen

Von Helmi Tischler-Venter

Wie beim Spiel "Blinde Kuh" orientierungslos umhertastend, müssen Familienangehörige das unaufhaltsame Abdriften eines Elternteils in die Demenz miterleben. In Deutschland sind rund zwei Millionen Menschen an Demenz erkrankt, entsprechend viele Kinder und Enkel sind betroffen. Im doppelten Wortsinn. Die Koblenzer Autorin Katharina Göbel schildert im vorliegenden Buch den Leidensweg ihrer Mutter.

Buchtitel. Foto: Wolfgang Tischler

Koblenz. Nach ihrem Vater, dessen Verschwinden in der Demenz die Autorin im Vorgänger-Roman „Verstecken spielen oder eintauchen in Opas verwirrte Welt“ beschrieb, muss sie nun ihre Mutter Helene beim Abdriften in die geistige Nacht begleiten. Mit großer Hilfe durch ihre Tochter Leonora, die die Erkrankung ihres Opas zur Beschäftigung mit Demenz motiviert hatte.

Mit viel Liebe erinnert sich Katharina Göbel an ihre Mutter. Sehr ehrlich beschreibt sie ihre eigene Hilflosigkeit und die wenigen leuchtenden Momente in der zunehmenden Düsternis. „Die Liebe zerrt, die Angst hält fest“, ist ihr Bild für den emotionalen Konflikt.

Enkelin Leonora hat den Beruf der Altenpflegerin ergriffen, um den kranken Menschen nahe zu sein. Sie erkennt die Dringlichkeit, eine geeignete Unterkunft für Helene zu finden. Die Vorsorgevollmacht überträgt sämtliche Entscheidungen für die erkrankte Mutter auf die Tochter, aber der Mutter zu erklären, dass sie ihr Zuhause verlassen und in einem Seniorenheim leben soll, ist eine sehr schmerzliche Herausforderung. Der Gesundheitszustand von Helene verschlechtert sich so rapide, dass sofort ein Platz gebraucht wird. Leonora tröstet ihre verzweifelte Mutter, der alles über den Kopf wächst: „Wir müssen unseren Weg durch die Dunkelheit finden. Genieße die guten Momente, die du mit ihr teilst, und versuche den Zugang zu Oma nicht zu verlieren.“

Nach dem Abschied für immer von Helene, bleibt die Erinnerung an die bedingungslose und zuverlässige Liebe der Mutter bestehen.

Im zweiten Teil des Buches erzählt Leonora die Entwicklung aus ihrer Sicht. Generationenübergreifend verbindend ist die Liebe zum Kochen und Essen. Und im Gespräch mit Oma wird Lissie zu einer Familienverbindung. So erkennt die Enkelin, dass die Panik vor Pferden auf ein unbearbeitetes Trauma ihrer Oma zurückgeht. Bei einem tragischen Unfall kam Helenes kleine Schwester Lissie zu Tode. Leonora und ihrer Mutter war diese Tante gänzlich unbekannt gewesen, denn die Großeltern-Generation erzählte nicht viel von früher, schlimme Erlebnisse wurden verdrängt und verdeckt.



Aber emotional bedeutsame Erlebnisse werden tief abgespeichert. Menschen mit Demenz tauchen in ihre eigene Welt ab, in Erinnerungen von früher. Jugend und Kindheit werden wieder gegenwärtig. Und die Gefühle bleiben bis zuletzt.

Professionelle Pflegekräfte erkennen die Anzeichen des nahenden Todes. Oft warten die Sterbenden, bis ihre Lieben eintrafen, manchmal warteten sie auf das Alleinsein. Trotz aller Individualität sind viele Krankheitszustände an Demenz Erkrankter gleich. Sicher ist, dass ihr Tod Lücken hinterlässt, die liebende Angehörige durch Erinnerungen und Gespräche schließen können.

Das Buch gibt zahlreiche Impulse bezüglich Trauer, aber auch sinnvolle Vorsorge und im Anhang handfeste, hilfreiche Adressen von ärztlichen und medizinischen Anlaufstellen, Beratungsstellen und Hotlines, sozialer und finanzieller Unterstützung, Entlastungs- und Unterstützungsangeboten, rechtlicher Unterstützung sowie Online-Plattformen, ‑Angeboten und Apps.

Omas Rezepte, die sie zeitlebens mit viel Liebe gekocht hatte, bilden den tröstlichen Abschluss.

„Blinde Kuh“ ist erschienen bei "freigeist PR", ISBN 978-3-910345-11-9 und als E-Book, ISBN 978-3-910345-15-7. htv


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