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Pressemitteilung vom 27.01.2026    

Neue Wege der Erinnerungskultur: "Zweitzeugen" bewahren Holocaust-Erinnerungen

Die Zahl der Holocaust-Überlebenden nimmt stetig ab, was die Frage aufwirft, wie ihre Erinnerungen auch in Zukunft lebendig gehalten werden können. In Rheinland-Pfalz sucht das Bistum Mainz nach Lösungen und setzt dabei auf das Konzept der "Zweitzeugen".

Stolperstein. (Foto: Paul Zinken/dpa)

Mainz. In den letzten Jahrzehnten waren Holocaust-Überlebende ein zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur. Doch 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird ihre Generation immer kleiner. Viele Überlebende sind inzwischen hochbetagt und nicht mehr in der Lage, ihre Erlebnisse öffentlich zu teilen. Dies stellt die Frage, wie Geschichte weitergegeben werden kann, wenn die Zeitzeugen selbst nicht mehr sprechen können.

Das Bistum Mainz engagiert sich seit 2001 stark in der Organisation von Zeitzeugengesprächen, vor allem für Schulklassen. Christoph Krauß, Referent für Gerechtigkeit und Frieden im Bistum, betont die Bedeutung persönlicher Begegnungen: "Wir haben anhand von Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler bei den Zeitzeugenbesuchen festgestellt, dass eine persönliche Begegnung unheimlich wertvoll ist." Um diesen Bedarf weiterhin zu decken, hat die Diözese ein "Zweitzeugen"-Projekt ins Leben gerufen, das sich an Schülerinnen und Schüler ab der neunten Klasse richtet.

Gegen das Vergessen
Mit dem Begriff "Zweitzeugen" sind Menschen gemeint, die den Geschichten von Holocaust-Überlebenden zuhören, sich intensiv mit deren Lebensgeschichten auseinandersetzen und diese weitertragen. Das Projekt soll mit den Biografien noch lebender Personen gestaltet werden, um sicherzustellen, dass nur das erzählt wird, was die Betroffenen wünschen.



Die Vermittlung dieser bewegten Biografien ist anspruchsvoll, weshalb sich das Bistum Unterstützung beim Verein Zweitzeugen geholt hat. Dieser bietet Workshops an, die biografische Zugänge nutzen, um Faktenwissen über die Zeit zu vermitteln und zum Nachdenken sowie Handeln anzuregen. "Wir versuchen, eine Brücke zu bauen von den Holocaust-Erinnerungen zur Lebensrealität der Kinder und Jugendlichen", erklärt Lena Vogel, verantwortlich für Erwachsenenbildung und Internationales im Verein.

Geschichten von Menschen
Dirk Belda vom Fritz Bauer Institut hebt hervor, dass persönliche Begegnungen mit Zeitzeugen eine "Aura der Unmittelbarkeit" besitzen, die durch Zweitzeugen nicht vollständig ersetzt werden kann. Dennoch sieht er in ihnen eine Chance, die Erinnerungen zu bewahren, da sie als wichtige moralische Stimmen in der Gesellschaft fehlen könnten.

Lena Vogel betont die Bedeutung der biografischen Arbeit im Kampf gegen Antisemitismus: "Es ist ganz wichtig, dass das gesamte Leben der Zeitzeugen erzählt wird. Die Personen sollen nicht nur in ihrer Rolle als Opfer begriffen werden, sondern als Menschen." Das Projekt soll erstmals im April bei einem Zeitzeugenbesuch vorgestellt werden und in der zweiten Jahreshälfte anlaufen.
(dpa/bearbeitet durch Red)


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