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Pressemitteilung vom 20.01.2026    

Vertrauliche Hilfe für Gewaltopfer im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth

Das Marienhaus Klinikum St. Elisabeth in Neuwied bietet Opfern von Gewalt eine vertrauliche und gerichtsfeste Spurensicherung an. Dies ermöglicht Betroffenen, unabhängig von einer sofortigen Anzeige, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Das Marienhaus Klinikum St. Elisabeth ist Teil des Projeks Vertrauliche Hilfe nach Gewalt. (Foto: Andrea Schulze)

Neuwied. Das Marienhaus Klinikum St. Elisabeth ist jetzt eine von neun Kliniken in Rheinland-Pfalz, in denen sich Menschen, die von Gewalt betroffen sind, kostenlos und vertraulich medizinisch versorgen lassen können. Die Ärzte in der Zentralen Notaufnahme und in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe leisten eine vertrauliche medizinische Versorgung und sichern Spuren nach körperlicher und sexualisierter Gewalt. Die Befunde werden anschließend beim Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Mainz über mehrere Jahre gesichert aufbewahrt. Die Betroffenen, in 80 Prozent der Fälle handelt es sich um Frauen, können dann unabhängig davon entscheiden, ob beziehungsweise wann sie Anzeige erstatten wollen.

Gerade Frauen, die von sexualisierter oder körperlicher Gewalt betroffen sind, scheuen sich häufig, direkt eine Strafanzeige zu stellen. Denn der Täter stammt oft aus dem eigenen sozialen Umfeld. Es sind zum Beispiel ihre Partner, Ex-Partner oder andere Angehörige, von denen sie geschlagen oder vergewaltigt werden. Viele Frauen suchen sich keine medizinische Hilfe, denn sie haben Angst vor den Konsequenzen. "Die Spuren, die durch die Gewalt verursacht wurden, wie zum Beispiel Blutergüsse, Würgemale, Einblutungen, heilen aber ab", so Dr. Cleo Walz, die Fachärztin und Oberärztin für Rechtsmedizin und Leiterin der Forensischen Ambulanz am Institut für Rechtsmedizin an der Uni Mainz. Die Spuren müssen gerichtsfest dokumentiert werden, um später, zu einem Zeitpunkt, den die Betroffene selbst auswählt, als Beweise in einem Strafverfahren zu dienen.

Für die Krankenhausoberin Gaby Frömbgen ist das Projekt "Vertrauliche Hilfe nach Gewalt" ein echtes Herzensprojekt. "Als Krankenhaus tragen wir eine besondere Verantwortung für Menschen in extremen Ausnahmesituationen. Es ist mir ein persönliches Anliegen, dass Betroffene hier einen geschützten Ort finden, an dem ihnen ohne Druck und mit größtem Respekt begegnet wird", betont Frömbgen. Ziel sei es zudem, das bestehende Netzwerk kontinuierlich weiter auszubauen. Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den regionalen Frauenorganisationen und Beratungsstellen spiele dabei eine zentrale Rolle. "Nur gemeinsam können wir den Betroffenen schnell, verlässlich und ganzheitlich helfen", so Frömbgen weiter.

Weitere Informationen zum Projekt
Vertrauliche Hilfe nach Gewalt ist ein Projekt des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Familie, Frauen, Kultur und Integration. Sarah Rahe, Referatsleiterin Gewaltprävention und Gewalt in engen sozialen Beziehungen, MFFKI, freut sich, dass das Marienhaus Klinikum St. Elisabeth jetzt Teil des Projektes ist, mit dem eine Lücke in der Hilfe für die Betroffenen geschlossen werden kann. "Wir wollen damit ein Zeichen der Solidarität mit Menschen, die von Gewalt betroffen sind, setzen. In unserem Haus werden sie von speziell geschulten Ärzten behandelt und finden Unterstützung und Vertrauen", sagt Geschäftsführer Christian Link. Die Kooperation mit dem Ministerium, der Universitätsmedizin Mainz und den Vertreterinnen der regionalen Frauenunterstützungseinrichtungen sei hervorragend, betont er.



Die Betroffenen haben die alleinige Befugnis
"Unsere Ärzte gehen sensibel auf die gewaltbetroffenen Frauen ein", so Prof. Dr. Richard Berger, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Sie haben das notwendige rechtsmedizinische Fachwissen und ihnen stehen sowohl in der Zentralen Notaufnahme wie auch in der Gynäkologie Untersuchungskits zur Verfügung, mit denen sie die Spuren gerichtsfest nach bestimmten Standards und vorgeschriebenen Kriterien sichern können. Die Box wird anschließend in die Gerichtsmedizin nach Mainz geschickt und dort über mehrere Jahre gesichert aufbewahrt. Ohne Einwilligung der Betroffenen wird nichts an die Polizei weitergeleitet. Erst wenn sie sich entscheidet, Strafanzeige zu erstatten und einer Schweigepflichtsentbindung zustimmt, erfolgt die Weitergabe der Befunde an die Ermittlungsbehörden. Das Angebot kann von allen gewaltbetroffenen Menschen ab 14 Jahren genutzt werden.

Entsprechende Ausbildung für die Ärzte
"Die Ausbildung der Ärzte im Rahmen des Projektes ist unendlich wertvoll", sagt Frank Martin Kügler, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme. "Dadurch sind wir in der Lage, richtig zu helfen und professionell zu reagieren." Auf Wunsch bieten die behandelnden Ärzte zusätzlich psychosoziale Hilfen und Betreuung an und vermitteln einen Kontakt zu einer regionalen Frauenunterstützungseinrichtung. Im Rahmen des Projektes Vertrauliche Hilfe nach Gewalt ist das Klinikum jetzt auch Teil eines Netzwerks von Organisationen, Beratungsstellen und Einrichtungen in der Region, die Menschen mit Gewalterfahrungen auffangen können. (PM)


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