Werbung

Pressemitteilung vom 26.11.2025    

Rechnungshof warnt vor dramatischer Finanzlage der Kommunen in Rheinland-Pfalz

Die finanzielle Situation der Kommunen in Rheinland-Pfalz ist laut Rechnungshof trotz Rekordeinnahmen besorgniserregend. Dringende Maßnahmen zur Haushaltsdisziplin und Effizienzsteigerung werden angemahnt.

(Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)

Mainz. Die Lage der kommunalen Finanzen in Rheinland-Pfalz ist nach Einschätzung des Rechnungshofes trotz Rekordeinnahmen kritisch. "Es brauche strikte Haushaltsdisziplin, die von einer konsequenten Finanzaufsicht begleitet werden müsse", mahnte die Behörde an. Ende des vergangenen Jahres lag das Gesamtdefizit der Kommunen bei rund 625 Millionen Euro - das zweithöchste Minus seit 2010. Während die kommunalen Einnahmen 2024 einen neuen Höchststand von 20,84 Milliarden Euro erreicht hätten, seien die Ausgaben noch stärker gestiegen, insbesondere für Soziales und Personal.

Der Rechnungshof rechnet im laufenden Jahr mit einem deutlich größeren Fehlbetrag. Nach dem ersten Halbjahr 2025 beläuft sich das Defizit bereits auf 1,57 Milliarden Euro. Auch wenn das Land einen Teil der Schulden übernommen habe, blieben diese hoch und drohten weiter zu wachsen. Im vergangenen Jahr konnten knapp 40 Prozent der Kommunen ihre Kassen nicht ausgleichen. Für 2025 und 2026 wird ein schwaches bis moderates Wachstum erwartet. Wenn wachsende Ausgaben auf stagnierende Einnahmen treffen, werde sich die Finanzlage weiter verschlechtern.

"Es ist bedrückend, dass trotz der Entlastungsmaßnahmen die Verschuldung der Kommunen überdurchschnittlich bleibt", sagte Rechnungshofpräsident Marcel Hürter. Er fordert eine gemeinsame Anstrengung von Kommunen, Land und Bund. Die Kommunen müssten die selbstbestimmten Ausgaben im Griff behalten, während das Land strukturell benachteiligte Kommunen unterstützen solle.



Kritik an ineffizienten Abläufen
Der Bericht kritisiert auch ineffiziente Abläufe in den Kommunalverwaltungen. Kreisverwaltungen könnten ihre Organisation und Abläufe optimieren und Personal einsparen. In sieben geprüften Landkreisen waren fast 100 Vollzeitkräfte mehr als nötig beschäftigt. Ineffiziente Prozesse und fehlendes Personal führen oft zu Problemen, etwa bei den Ausländerbehörden. Potenzial sieht der Rechnungshof in interkommunaler Zusammenarbeit, auch wenn dies keine Gebietsreform ersetzen könne.

Der Bericht nennt gravierende Missstände in zwei Kommunen, wo Bedienstete ohne rechtliche Grundlage bei voller Bezahlung freigestellt wurden, was Schäden von mehr als 1,4 Millionen Euro verursachte. Problematische Mitarbeiter dürften nicht durch langjährige bezahlte Freistellungen "entsorgt" werden, so die Behörde. Jugendämter sprängen immer häufiger für den Unterhalt von Kindern ein, ohne die unterhaltspflichtigen Eltern ausreichend in die Pflicht zu nehmen. Einige kommunale Projekte, wie Windkraft- und Solaranlagen, seien unwirtschaftlich.

Kritik gab es auch an gesprengten Kostenrahmen bei Bauprojekten. Beispielhaft wurde das ehemalige Karmeliterkloster in Boppard genannt, wo die Sanierungskosten von 7,8 auf fast 20 Millionen Euro stiegen. Ein Neubau wäre günstiger gewesen, befand der Rechnungshof. Fazit: Organisation, Abläufe und Entscheidungen in Kommunen müssen verbessert werden, um vermeidbare Kosten zu verhindern. (dpa/bearbeitet durch Red)


Feedback: Hinweise an die Redaktion

NR-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Rheinland-Pfalz


Neue Wanderwege in Rheinland-Pfalz: Entdecke die Vielfalt der Region

Mit den steigenden Temperaturen und mehr Sonnenstunden zieht es viele Menschen wieder nach draußen. Rheinland-Pfalz ...

Frühlingshafte Temperaturen in Rheinland-Pfalz erwartet

Nach einer Phase von Schnee und Eis kündigt der Deutsche Wetterdienst für Rheinland-Pfalz milde Temperaturen ...

IGBCE Mittelrhein im Dialog mit Landtagskandidaten

Am 19. Februar 2026 fand ein bedeutsames Treffen des IGBCE-Bezirksvorstands Mittelrhein mit Kandidierenden ...

Rückgang bei Darmkrebs-Diagnosen in Rheinland-Pfalz

Die Zahl der Diagnosen von Darmkrebs nimmt in Rheinland-Pfalz ab, bleibt jedoch eine der häufigsten Krebserkrankungen. ...

Warnstreiks im Nahverkehr: Was Pendler in Rheinland-Pfalz jetzt wissen müssen

Am kommenden Freitag und Samstag müssen sich Pendler und Schüler in Rheinland-Pfalz auf erhebliche Einschränkungen ...

Schlaglöcher in Rheinland-Pfalz: Winter sorgt für marode Straßen

Nach einem frostigen Winter zeigt sich auf den Straßen von Rheinland-Pfalz ein bekanntes Problem: Schlaglöcher. ...

Weitere Artikel


Einblicke in moderne Medizin: Fachvorträge rund um Schulter und Gelenke

Zwei Veranstaltungen im Dezember informieren über Ursachen, Prävention und Behandlungsmöglichkeiten bei ...

Versuchter Einbruch in Mehrfamilienhaus in Asbach

In Asbach kam es zu einem versuchten Einbruch in ein Mehrfamilienhaus. Die Täter konnten in das Gebäude ...

Direkte Demokratie erleben: Schüler im Austausch mit Landespolitikern

Politik zum Anfassen erlebten Schülerinnen und Schüler bei einer Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus. ...

Erlebniswelt Deichkrone: Ein neues Kapitel für Neuwieds touristische Identität

Ein Erlebnis für alle Generationen: Die Deichkrone in Neuwied nimmt weiter Gestalt an. Die nächste Phase ...

Auffahrunfall auf der Südbrücke sorgt für Stau in Koblenz

Am frühen Morgen des Mittwochs (26. November 2025) ereignete sich auf der Südbrücke in Koblenz ein Verkehrsunfall, ...

Ärztemangel im Westerwald: "Die Bedarfsplanung ist längst überholt"

Die Menschen im Westerwald sind unzufrieden mit der medizinischen Versorgung. Doch wer ist dafür verantwortlich ...

Werbung