Werbung

Nachricht vom 09.11.2025    

Rheinland-Pfalz: Ortsgemeinden schlagen Alarm wegen Finanzkrise

Die finanzielle Lage zahlreicher Ortsgemeinden in Rheinland-Pfalz spitzt sich zu. In einem dringenden Appell wenden sie sich an Ministerpräsident Alexander Schweitzer und fordern Unterstützung.

Symbolbild Geld. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Mainz. Nach einem Brandbrief von 13 Oberbürgermeistern warnen nun auch die Ortsgemeinden in Rheinland-Pfalz vor einem finanziellen Kollaps. Die Initiative "Jetzt reden wir - Ortsgemeinden stehen auf" vereint über 740 Gemeinden, die sich zunehmend um ihre Handlungsfähigkeit sorgen. "Es werden ständig mehr. Wir wollen vierstellig werden", so ein Initiator zur Deutschen Presse-Agentur. Von den etwa 2.260 Ortsgemeinden im Land ist somit ein erheblicher Teil betroffen.

Am Montag überreichten sechs Vertreter der Initiative in Mainz ein Schreiben an Ministerpräsident Alexander Schweitzer und Innenminister Michael Ebling (beide SPD). Darin wird die prekäre finanzielle Situation durch unzureichende Finanzausstattung, überbordende Bürokratie, eingeschränkte Planungshoheit und ein überlastetes Ehrenamt beschrieben. Schweitzer wird aufgefordert, konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Lage einzuleiten.

Die Gemeinden sehen sowohl Bund als auch Land in der Pflicht. Sie hoffen, dass Schweitzer sich bei der Ministerpräsidentenkonferenz für ihre Belange einsetzt. Das Konnexitätsprinzip, wonach Aufgaben, die durch Bundesgesetze übertragen werden, finanziell ausgestattet sein müssen, steht dabei im Fokus. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab Juli 2026 wird als Beispiel genannt, das zwar gut für Familien sei, aber nur mit entsprechender finanzieller Unterstützung realisierbar ist.

Eine zentrale Forderung der Ortsgemeinden ist, dass die Finanzierung sozialer Ausgleichsaufgaben nicht länger alleinige Last der Kommunen bleibt. "Die Finanzierung sozialer Ausgleichsaufgaben darf nicht länger größte Last der Kommunen sein", lautet eine wesentliche Forderung. Vor allem Sozial- und Jugendhilfeträger sollen Anteile an Einkommens- und Umsatzsteuer erhalten.



Die Gemeinden fordern darüber hinaus eine solide finanzielle Basis, um eigenverantwortlich agieren zu können. Dazu gehören finanzielle Eigenständigkeit, Rückgewinnung von Planungs- und Handlungshoheit sowie Entbürokratisierung und Stärkung des Ehrenamts. Die Landesregierung wird für ihre Bemühungen anerkannt, jedoch kritisieren die Gemeinden die resultierende Bürokratie. "Die Administration machte hieraus leider 'Bürokratiemonster'."

Weitere Forderungen umfassen die Bereitstellung von Mitteln für Straßen, Vereinfachung von Ausschreibungs- und Vergabeverfahren sowie eine umfassende Digitalisierung. Auch eine flächendeckende Aufgabenkritik und Überprüfung der Standards zur Reduzierung sind notwendig.

Ministerpräsident Schweitzer zeigte Verständnis für den Brandbrief der Oberbürgermeister und erwartet bis zur Ministerpräsidentenkonferenz Anfang Dezember in Berlin Ergebnisse. Er betont, dass der Bund Mehrbelastungen ausgleichen müsse und fordert eine verbesserte Kostenschätzung und regelmäßige Evaluation der Kostenfolgen. (dpa/bearbeitet durch Red)


Feedback: Hinweise an die Redaktion

NR-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Rheinland-Pfalz


Feuerwerk: Zoll warnt vor illegalen Importen

Mit dem nahenden Jahreswechsel steigt die Nachfrage nach Feuerwerkskörpern. Doch nicht alle angebotenen ...

Telenotarzt-System in Rheinland-Pfalz startet Rund-um-die-Uhr-Betrieb

Ärztliche Expertise, auch wenn kein Notarzt direkt vor Ort ist, das ist das Prinzip des Telenotarzt-Systems ...

Hoffnung für den Wald in Rheinland-Pfalz: Erholung nach sieben Jahren

Nach langer Zeit gibt es endlich positive Nachrichten aus den Wäldern von Rheinland-Pfalz. Der Waldzustandsbericht ...

BGH prüft Haftung von Impfstoffherstellern bei Corona-Impfschäden

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe befasst sich aktuell mit der Frage, unter welchen Umständen ...

Sonnige Aussichten für den Westerwald in der neuen Woche

Nach einer Phase trüben, wenn auch warmen Winterwetters dürfen sich die Menschen im Westerwald auf heiteres ...

Ukrainische Schüler in Rheinland-Pfalz möchten dauerhaft in Deutschland bleiben

Die Integration von Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine in die Schulen von Rheinland-Pfalz soll ...

Weitere Artikel


Alkoholisierter Fahrer verunglückt bei Dierdorf

Am frühen Sonntagmorgen kam es auf der L267 zwischen Dierdorf und Wienau zu einem Verkehrsunfall. Ein ...

Mehrere Fahrer flüchten nach Unfällen in Neuwied

Am 8. November ereigneten sich in Neuwied gleich mehrere Verkehrsunfälle, bei denen die verantwortlichen ...

Premiere beim KFO-Jubiläum: Silke Flick führt durch närrische Proklamation

In Oberbieber wurde ein besonderes Jubiläum der Karnevalsfreunde gefeiert. Erstmals stand mit Silke Flick ...

Automaten statt Filialen: Die Post verändert die Versorgung in Rheinland-Pfalz

Die Deutsche Post setzt verstärkt auf Automatenlösungen, um ihre Präsenz in Rheinland-Pfalz zu sichern. ...

Parked Sculptures: Der Traum von einem Skulpturenpark

Im Roentgen Museum erwartet Kunstliebhaber im November ein besonderer Höhepunkt: Ein Gastvortrag von ...

Roger Lewentz besucht SPD-Mitgliederversammlung in Oberbieber

Der Ehrenvorsitzende der SPD Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz, wird in Oberbieber erwartet. Bei einer Mitgliederversammlung ...

Werbung