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Nachricht vom 22.10.2025    

Klimawandel als Chance: Nussanbau in Rheinland-Pfalz im Aufwind

Der Klimawandel bringt Herausforderungen, aber auch Chancen mit sich. In Rheinland-Pfalz setzen einige Obstbaubetriebe zunehmend auf den Anbau von Nüssen wie Walnüsse und Mandeln, um den veränderten klimatischen Bedingungen zu begegnen.

Mandelernte. Foto: Hannes P. Albert/dpa

Wolfsheim. Der Obstbauer Peter Schwalbach hat seinen Betrieb in Wolfsheim aufgrund der trockenen Sommer radikal umgestellt. Statt Sauerkirschen, Zwetschgen und Mirabellen baut er nun vermehrt Walnüsse und Mandeln an. Auch Willi Kuhn aus der Südpfalz setzt auf Nüsse, nachdem er über ein familiäres Erbe zum Anbau kam. Ursprünglich wollte Kuhn Walnüsse anbauen, entschied sich jedoch wegen der amerikanischen Fruchtfliege und Staunässe für Haselnüsse. Später ergänzte er sein Sortiment um Edelkastanien.

Insgesamt bewirtschaftet Kuhn etwa 17 Hektar Land, darunter 3,0 Hektar Kastanien, 6,5 Hektar Haselnüsse, 4,5 Hektar Mandeln und 2 Hektar Pekannüsse. In Wolfsheim verfolgt Schwalbach das Ziel, die heimische Nuss als Snack bekannter zu machen. "Gerade haben wir erstmals eine relevante Menge geerntet", berichtet Shari Huwer, Mitgesellschafterin von "thats nuts". Rund 50.000 Nussbäume hat Schwalbach bereits gepflanzt - 30.000 Mandel- und 20.000 Walnussbäume.

Ein Vorteil des Nussanbaus ist, dass die Bäume im Frühjahr mehr Wasser benötigen, was in Rheinhessen ausreichend vorhanden ist. Zudem sind Nüsse unempfindlicher bei der Lagerung als herkömmliches Obst. Walnüsse und Mandeln gelten in Rheinland-Pfalz noch als Nischenprodukte. Laut Wirtschaftsministerium bauen 44 Betriebe auf rund 90 Hektar Walnüsse an, während die gesamte Obstbaumfläche etwa 3.500 Hektar umfasst.

Shari Huwer hebt hervor, dass über 99 Prozent der in Deutschland konsumierten Nüsse und Mandeln aus dem Ausland kommen. "Wir wollen eine Marke schaffen, deren Alleinstellungsmerkmal es ist, dass die Nüsse und Mandeln aus Deutschland kommen." Die kurzen Transportwege und die Möglichkeit, das Schalenobst frisch zu knacken, sind weitere Vorteile.

Peter Hilsendegen vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) sieht Potenzial für eine Ausweitung des Nussanbaus in Rheinland-Pfalz. Mandeln und Nüsse bieten hohe Biodiversität und Anpassung an Trockenstress und Hitze. Allerdings seien gute Lagen erforderlich, insbesondere für Mandeln. Trotz des Potenzials gibt es natürliche und ökonomische Grenzen für den Ausbau des Nussanbaus.



Die mechanische Ernte reduziert die Abhängigkeit von Saisonarbeitskräften, und die Lagerfähigkeit der Nüsse stabilisiert die Preise. Die Vermarktung steckt laut Hilsendegen noch in den Kinderschuhen. Neben dem Onlineshop werden die Produkte in Hofläden und bald auch in einer bekannten Supermarktkette angeboten. "Noch haben wir ein Weihnachtshoch, gerade bei den Mandeln zum Backen", sagt Huwer.

Für eine erfolgreiche Vermarktung fehlen in der Region noch technische Einrichtungen zur Verarbeitung der Früchte. Zwei Betriebe im Süden des Bundeslandes arbeiten derzeit an der Entwicklung entsprechender Technologien. "Das Trocknen nach der Ernte ist das A und O für die Qualität", betont Huwer. Kühl, trocken und dunkel gelagert, halten sich Nüsse und Mandeln lange.

Ganz ohne Pflanzenschutz geht es nicht, erklärt Huwer. Die invasive Walnussfruchtfliege lässt sich nicht zuverlässig mit ökologischen Mitteln bekämpfen, bei Mandeln ist ein Pilzproblem vorhanden. Spannend findet Kuhn Pekannüsse, die resistent gegen die Fruchtfliege sind. Er betreibt ein Pilotprojekt mit dem DLR, das auch Mandeln umfasst. Erste Mandelbäume wurden 2023 nach Austausch mit einem spanischen Institut gepflanzt.

Den Klimawandel betrachtet Kuhn sowohl als Chance als auch als Risiko. "Ohne ihn wäre der Anbau in der Südpfalz kaum möglich - aber auch nur sinnvoll mit funktionierender Verarbeitung und Vermarktung. Man sollte der Frucht hier eine Chance geben." (dpa/bearbeitet durch Red)


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