Werbung

Nachricht vom 06.09.2025    

Bischof Profittlich in Estland als Märtyrer seliggesprochen

In Tallinn wurde ein bedeutendes Kapitel der katholischen Kirche geschrieben. Der aus Deutschland stammende Erzbischof Eduard Profittlich, der 1942 in sowjetischer Haft starb, wurde seliggesprochen. Diese Zeremonie markiert einen historischen Moment für Estland.

Seligsprechung von Bischof Eduard Profittlich in Estland. (Fotos: Alexander Welscher/dpa)

Rheinland-Pfalz/Tallinn. Es ist ein historisches Ereignis: Estland hat mit Eduard Profittlich seinen ersten Seligen der katholischen Kirche. Der aus dem Bistum Trier stammende Erzbischof starb 1942 in sowjetischer Haft.

In Estland ist der aus Deutschland stammende frühere Erzbischof Eduard Profittlich (1890 bis 1942) seliggesprochen worden. Mehrere Hundert Menschen kamen zur Zeremonie für den deutschen Jesuiten und Märtyrer aus dem Bistum Trier, der unter sowjetischer Herrschaft zum Tode verurteilt worden und in der Haft gestorben war. Geleitet wurde die Feier auf dem Freiheitsplatz in der Hauptstadt Tallinn vom österreichischen Kardinal Christoph Schönborn im Auftrag von Papst Leo XIV. Es war die erste Seligsprechung in dem vorrangig lutheranischen EU- und NATO-Land Estland.

Profittlich wurde 1890 im rheinland-pfälzischen Birresdorf geboren und war von 1930 an zunächst als Gemeindepfarrer in Tallinn tätig. Wenig später wurde er zum Apostolischen Administrator von Estland ernannt und 1936 der erste katholische Bischof in Estland seit der Reformation. Ein Jahr zuvor hatte er die estnische Staatsbürgerschaft angenommen. Nach der sowjetischen Besetzung Estlands im Zweiten Weltkrieg blieb er im Land, 1942 starb er als Märtyrer in sowjetischer Haft.

Historischer Moment für Estland

Der Bischof von Tallinn, Philippe Jourdan, sprach von einem historischen Moment für Estland und die katholische Kirche. "Zum ersten Mal wird in Estland jemand seliggesprochen, der hier gelebt, gedient und gelitten hat - im Herzen unseres Landes", sagte er. Profittlichs Martyrium sei ein «eindrucksvolles Zeugnis für Glauben, Mut und Liebe» und stehe stellvertretend für das Leiden der gesamten estnischen Nation unter sowjetischer Besatzung.
Schönborn schlug in seiner Predigt den Bogen zur Gegenwart. Die Seligsprechung komme zu einem Zeitpunkt, an dem alte Wunden wieder aufzureißen drohten. "Diese Sorge ist in diesem Teil der Welt besonders groß. Krieg gehört wieder zur bitteren Realität", sagte er mit Blick auf den Angriffskrieg von Estlands Nachbar Russland gegen die Ukraine.

Tod in sowjetischer Haft

Estland stand im Zweiten Weltkrieg abwechselnd unter der Herrschaft von Nazi-Deutschland und der Sowjetunion. Der Baltenstaat wurde im Juni 1940 von der Sowjetunion besetzt und annektiert, die anschließend Zehntausende Menschen nach Sibirien verschleppte. Profittlich wurde 1941 verhaftet, nach Kirow in Russland gebracht und dort zum Tode verurteilt. Er starb noch vor Urteilsvollstreckung am 22. Februar 1942 im Gefängnis.



Neben Kirchenvertretern nahmen auch Estlands Staatspräsident Alar Karis, Familienangehörige und eine Delegation des Bistums Triers an der Seligsprechung teil. "Wir sind stolz", sagte Bischof Stephan Ackermann. Profittlich war 2024 vom damaligen Papst Franziskus zum Märtyrer erklärt worden. (dpa/bearbeitet durch Red)


Feedback: Hinweise an die Redaktion

NR-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Rheinland-Pfalz


Wohnungsmangel in Rheinland-Pfalz: 133.000 Wohnungen fehlen

In Rheinland-Pfalz zeichnet sich ein drastischer Wohnungsmangel ab, der nicht nur die Lebensqualität, ...

Mehr Unterstützung für Jugendliche in Konfliktsituationen

Die Ombudsstelle für Kinder- und Jugendhilfe in Rheinland-Pfalz verzeichnet einen stetigen Anstieg an ...

Erbschaftsteuer-Debatte: Schweitzer fordert faire Lösungen für Unternehmen

In Rheinland-Pfalz hat die Diskussion um die Erbschaftsteuer an Fahrt aufgenommen. Ministerpräsident ...

Vorwürfe gegen Geschäftsführer des Landeskrankenhauses entkräftet

Nach einer eingehenden Untersuchung durch eine externe Kanzlei wurden die anonymen Vorwürfe gegen den ...

Probleme mit neuen Lotto-Terminals in Rheinland-Pfalz

In einigen Lotto-Annahmestellen in Rheinland-Pfalz treten Schwierigkeiten mit den kürzlich eingeführten ...

Grippewelle breitet sich in Rheinland-Pfalz aus

Die Grippewelle hat Rheinland-Pfalz fest im Griff. Tausende Menschen sind bereits erkrankt, und die Zahl ...

Weitere Artikel


Ticket-Schulung in Neuwied: Kreisverwaltung und VRM klären auf

Die Kreisverwaltung Neuwied und der Verkehrsverbund Rhein-Mosel haben eine Schulung organisiert, um die ...

Umfrage bestätigt Bedarfsplan des Kreisjugendamts Neuwied

Auf der Vollversammlung des Kreiselternausschusses in Neustadt stellte die Hochschule Koblenz aktuelle ...

Neuwied: Stadtgalerie lädt zum Impro-Theater für Kinder

In der Neuwieder Stadtgalerie erwartet Kinder ein ganz besonderes Erlebnis. Bei einem Improvisationstheater ...

Memorabilia II: Die Geschichte der ersten Rheinbrücke

Im Jahr 55 v.Chr. plant Gaius Julius Caesar eine Strafexpedition gegen die rechtsrheinischen Germanen. ...

“Fanta 4-Konzert“ - 8.000 Fans am Deutschen Eck feierten enthusiastisch

Beim Kaiser-Festival am Deutschen Eck begeisterten "Die Fantastischen Vier" rund 8.000 Menschen. Die ...

Glücksgefühle kehren zurück: Hockenheimring wird wieder zur Glücksoase

Vom 11. bis 14. September 2025 verwandelt sich der Hockenheimring erneut in das größte Musikfestival ...

Werbung