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Nachricht vom 26.09.2025    

Tonbergbaumuseum Siershahn: Industriegeschichte des weißen Golds des Westerwalds hautnah

Von Katharina Kugelmeier

Im Tonbergbaumuseum Siershahn können Besucher auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage "Gute Hoffnung" hautnah erleben, wie seit dem Mittelalter das "weiße Gold" des Westerwalds gefördert wird. Mit historischen Maschinen, interaktiven Exponaten und einer beeindruckenden Schachtanlage aus den 1960er Jahren bietet das Museum ein einzigartiges Industrieerlebnis für alle Generationen.

Industriegeschichte zum Anfassen - Von Glockenschächten bis zum modernen Tagebau. (Foto: Katharina Kugelmeier)

Siershahn. Im vorderen Westerwald befinden sich die größten und hochwertigsten Tonvorkommen Europas - ein geologisches Erbe, das über 25 Millionen Jahre alt ist. Diese wertvollen Rohstoffe haben die Region über Jahrhunderte geprägt und zu europäischer Berühmtheit verholfen. Das Tonbergbaumuseum Siershahn, gegründet 1987 vom engagierten Tonbergbauverein Westerwald, macht diese faszinierende Geschichte erlebbar. Nach dem Erwerb der stillgelegten Schachtanlage "Gute Hoffnung" 1989 entstand hier ein einzigartiges Industriedenkmal, das die Entwicklung der Tongewinnung vom mittelalterlichen Glockenschacht bis zum hochtechnisierten modernen Tagebau dokumentiert.

Foto: Katharina Kugelmeier

Das Herzstück des Museums ist die historische Schachtanlage "Gute Hoffnung", die 1961 eröffnet und 1979 aus Unwirtschaftlichkeit geschlossen wurde. Diese Anlage ist das letzte erhaltene architektonische Zeugnis von ehemals 32 Schachtanlagen des untertägigen Tonabbaus im Westerwald. Der imposante Förderturm mit der charakteristischen Hängebank aus dem Jahr 1962 überragt das Museumsgelände und vermittelt einen authentischen Eindruck vom Arbeitsalltag der Bergleute. Besucher können über die alte Maschinistentreppe auf die Tonrampe steigen und erfahren, wie mit der historischen Seilfördermaschine sowohl Loren voller Ton als auch die Bergleute transportiert wurden.

Im modernen Museumspavillon wird die komplette Geschichte des Tonbergbaus anschaulich präsentiert. Von der geologischen Entstehung der Tonlager über die verschiedenen Abbaumethoden bis hin zur Rekultivierung der ehemaligen Abbauflächen können Besucher den gesamten Kreislauf der Tongewinnung nachvollziehen. Besonders eindrucksvoll sind die historischen Arbeitsgeräte der Tongräber wie "Stech", "Hacke" und "Spieß", die nicht nur betrachtet, sondern auch angefasst werden können. An einer alten Haspel können Besucher selbst erfahren, wie körperlich anstrengend die Arbeit der Tongräber war.

Foto: Katharina Kugelmeier

Das Außengelände des Museums gleicht einem riesigen Freilichtmuseum der Industriegeschichte. Hier sind zahlreiche Exponate aus dem Maschinenpark einer Tongrube zu sehen: vom Fräslader über Schachtnachbauten bis hin zu kompletten Arbeitsgeräten. Alle Exponate können nicht nur besichtigt, sondern auch berührt werden - ein wichtiger pädagogischer Ansatz, der Geschichte begreifbar macht. Das vollständig restaurierte ehemalige Maschinenhaus lässt erahnen, wie hier einst unter schwierigsten Bedingungen gearbeitet wurde. Eine besondere Attraktion für Kinder ist der Museumszug, eine von Carsten Kasper originalgetreu nachgebaute Grubenlok, die ihre Runden über das Gelände dreht.




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Das Museum ist nicht nur der Vergangenheit gewidmet, sondern bringt auch die Moderne des Tonbergbaus nahe. Als eines der wenigen Bergbaumuseen weltweit kann es neben der historischen Darstellung eine heute noch aktive Industrie präsentieren. Mit einer jährlichen Gewinnung von drei bis vier Millionen Tonnen Ton bleibt der Tonbergbau ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region. Nach Absprache können Besucher sogar einen modernen Tagebaubetrieb in unmittelbarer Nachbarschaft besichtigen und so den direkten Vergleich zwischen historischen und zeitgenössischen Abbaumethoden ziehen.

Foto: Katharina Kugelmeier

Ein besonderes Angebot richtet sich an Schulklassen und Jugendgruppen. Das Museum hat speziell für Grundschulen der Klassenstufe 4 und Orientierungsstufen ein museumspädagogisches Programm entwickelt, das die Thematik "Ton im Westerwald" mit aktiven Elementen und altersgerechten Erklärungen vermittelt. Rund 60 Prozent der Museumsbesucher sind Schüler und Studenten - ein Beweis für den hohen pädagogischen Wert der Einrichtung. Ein Wert, von dem alle Besucher profitieren.

Nach einer coronabedingten Schließung wurde das Museum 2023 mit dem Programm "Neustart Kultur" komplett neugestaltet und wiedereröffnet. Die Umbauarbeiten ermöglichten eine vollständige Erschließung der Hängebank und eine zeitgemäße Präsentation des modernen Tonbergbaus. Der Südwestrundfunk zeichnete den ehrenamtlich geführten Verein bereits 1998 als eine der besten zehn ehrenamtlichen Initiativen aus - eine Anerkennung für das außergewöhnliche Engagement der Vereinsmitglieder.

Informationen zum Besuch:

Adresse: Poststraße 39-41, 56427 Siershahn
Öffnungszeiten: April bis November, mittwochs 14.30-17.30 Uhr
Führungen: Ganzjährig nach Voranmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich
Kontakt: Telefon 02623/951363, info@tonbergbaumuseum.de
Eintritt: Erwachsene 3 Euro, Kinder (7 bis 15) 2 Euro, Familien 6 Euro
Besonderheiten: Schachtanlage, Museumsbahn, interaktive Exponate

Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!

Weitere Infos


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