Werbung

Nachricht vom 16.08.2025    

"Lady Kalaschnikow": Vom Westerwald ins Zentrum eines Doppelmords

Von Lara Jane Schumacher

Zwei brutale Morde, ein berüchtigter Spitzname und eine Täterin aus dem Westerwald - der Fall „Lady Kalaschnikow“ sorgte Ende der 1990er Jahre bundesweit für Entsetzen. Petra F., in ihrer Heimat als resolute, aber hilfsbereite Frau bekannt, stieg im harten Drückerkolonnen-Milieu zur gefürchteten Chefin auf – bis ihr Leben in einer tödlichen Gewaltspirale mündete.

Symbolbild: Pixabay.

Region. Ein Fall, der Gänsehaut bereitet, und durch die aktuelle Folge des True-Crime-Podcasts „Sisters in Crime – Frauen, die töten“ wieder in Erinnerung gerufen wurde: Morde im Drückerkolonnen-Milieu, direkt vor der Haustür. Petra F. wuchs in den 1970er Jahren im Westerwald auf. Ursprünglich wollte sie Friseurin werden, doch mit 16 Jahren wurde sie erstmals Mutter, innerhalb von drei Jahren folgten zwei weitere Kinder. Die Ehe zerbrach, als ihr Mann für bewaffnete Raubüberfälle verurteilt wurde – Petra hatte ihm dabei geholfen. Sie selbst erhielt 1990 eine zweijährige Bewährungsstrafe, ihre Kinder kamen in staatliche Obhut, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete.

In den Folgejahren schlug sich Petra mit Gelegenheitsjobs als Schlammcatcherin, Callgirl und Darstellerin in einem Sexfilm durch, bevor sie Mitte der 1990er im Tür-zu-Tür-Verkauf von Zeitschriftenabonnements Fuß fasste. Dort stieg sie rasch zur Kolonnenführerin auf – in einer Szene, die sonst fast ausschließlich Männer dominierten. Auch ihr Spitzname „Lady Kalaschnikow“ stammte aus dieser Zeit: Auf Werbefotos posierte sie in Unterwäsche mit Pistole, galt als durchsetzungsstark und gefürchtet, wie der Spiegel schrieb.

Im Westerwald sah man sie oft in ihrer Stammkneipe „Uncle Sam“ in Höhn. Dort kehrte sie mit ihrer gesamten Kolonne ein, übernahm die Rechnungen und wurde von manchen als „wie eine Mutter“ beschrieben. Doch in der Drückerszene führte F. ihre Gruppe mit harter Hand, setzte hohe Verkaufsquoten und ahndete Misserfolge mit Demütigungen und Gewalt – ein Klima, das die taz später als „von Prügeln und Einschüchterung geprägt“ charakterisierte. An ihrer Seite stand zunehmend die 21-jährige Deborah O., eine junge Drückerin aus schwierigen Verhältnissen, die Petra bewunderte und ihr hörig folgte.

Im Sommer 1997 verschärfte sich die Situation. Am 22. Juli erklärte Petra F. vor ihrer Gruppe, der leistungsschwache 23-jährige Thorsten M. habe „den Grünen Punkt“ und müsse „entsorgt“ werden. Zwei Tage später lockte sie ihn in ein Waldstück bei Silberg im Sauerland. Dort musste er sein eigenes Grab ausheben, wurde über Stunden gedemütigt und gefoltert. Deborah O. fügte ihm mit Messer, Peitsche und erhitztem Metallstab schwere Verletzungen zu, bis sie ihn schließlich erstach und mit einem Spaten erschlug. „Lady Kalaschnikow“ saß währenddessen rauchend und Schokolade essend auf einem Baumstumpf, beobachtete die Tat und fotografierte das Geschehen mit einer Polaroidkamera – Details, die später im Gerichtsprozess in Ellwangen zur Sprache kamen.




Stellenanzeigen | WesterwaldJobs

Fachkraft für Arbeits- und Gesundheitsschutz (m/w/d)

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57537 Mittelhof

Gruppenleitung (m/w/d) in der Landschaftspflege

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57632 Flammersfeld

SPS-Programmierer / Automatisierungstechniker (m/w/d)

Maschinenbau Böhmer GmbH
57520 Steinebach/Sieg

Sanitär-Ausstellungsfachberater (m/w/d) in Andernach

Dr. Kurt Korsing GmbH & Co. KG
56626 Andernach

Mehr Westerwald Jobs entdecken    |    ⇒ Stellenanzeige schalten


Nur zwei Monate später, am 28. September 1997, fiel das nächste Opfer: Volkmar G., Deborahs früherer Chef und Verlobter. Deborah O. reiste mit ihrem neuen Freund Marco S. nach Aalen, erschoss Volkmar G. in seiner Wohnung, stach mehrfach auf ihn ein und durchschnitt ihm die Kehle. Ziel war es, Volkmars Kolonne zu übernehmen, wie das Landgericht Ellwangen in seinem Urteil feststellte.

Die Ermittler kamen den Täterinnen über gestohlene Handys auf die Spur. Am 1. Oktober 1997 nahm ein Spezialeinsatzkommando Petra F. in einem Hotel in Gummersbach fest. In ihrem Koffer lagen die Tatwaffe und die Polaroidfotos vom Mord an Thorsten M. Auch Deborah O. wurde festgenommen.

1998 verurteilte das Landgericht Ellwangen Petra F. zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld – ein vorzeitiger Haftentlassungstermin ist damit praktisch ausgeschlossen. Deborah O. erhielt ebenfalls lebenslang, jedoch ohne diese Feststellung, und hat damit die Möglichkeit einer Entlassung nach frühestens 15 Jahren, wie der Stern berichtete.

Wer die ganze Geschichte in allen Details, mit Hintergrund zu den Persönlichkeiten und der Szene hören möchte, findet in der aktuellen Folge des True-Crime-Podcasts „Sisters in Crime – Frauen, die töten“ („Lady Kalaschnikow – Von der Drückerkolonne zum Killerkommando“) eine eindringliche und gut recherchierte Aufarbeitung. LJS


Mehr dazu:   Gesellschaft  
Feedback: Hinweise an die Redaktion

NR-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Ehrenamtliche Vereine in Puderbach erhalten finanzielle Unterstützung

Vier Vereine der Verbandsgemeinde Puderbach wurden kürzlich mit einer Spende von insgesamt 2.000 Euro ...

Diebstahl bei vermeintlicher Spendensammlung in Neuwied

In Neuwied kam es zu einem Vorfall, der eine vermeintliche Spendensammlung in ein kriminelles Licht rückt. ...

Start des Bürgerbus-Pilotprojekts im Kirchspiel Anhausen

Im Juni 2026 beginnt ein neues Pilotprojekt im Kirchspiel Anhausen, das die Mobilität der Bewohner verbessern ...

Junger Autofahrer in Bendorf unter Drogeneinfluss gestoppt

In der Nacht zum Dienstag wurde in Bendorf ein junger Pkw-Fahrer von der Polizei kontrolliert. Die Beamten ...

Naturgartenwettbewerb in Neuwied: Vielfalt im eigenen Garten zeigen

In Neuwied startet ein Wettbewerb, der die Schönheit und den ökologischen Wert privater Gärten in den ...

Kinderkino im Römersaal zieht erneut zahlreiche Besucher an

Der Römersaal in Rheinbrohl wurde kürzlich wieder zu einem beliebten Treffpunkt für Kinder und Familien. ...

Weitere Artikel


Versuchter Einbruch in Asbach: Unbekannte Täter scheitern

In Asbach ereignete sich ein versuchter Einbruch in ein Einfamilienhaus. Die Täter blieben jedoch erfolglos. ...

15. ABOM in Wissen: Ausbildungs- und Berufsorientierungsmesse

ANZEIGE | Am 24. und 25. September 2025 findet die 15. Ausbildungs- und Berufsorientierungsmesse (ABOM) ...

Linz beschließt den Festival-Sommer

In Linz am Rhein fand am gestrigen Freitag (15. August 2025) das Finale des dreiteiligen Sommer-Festivals ...

Traditioneller Festbier-Anstich in Hachenburg: Ein gelungener Auftakt

Der traditionelle Festbier-Anstich der Westerwald-Brauerei lockte zahlreiche Gäste nach Hachenburg. Mit ...

Rheinbreitbachs Geschichte neu geordnet: Das Archiv des Heimatvereins erstrahlt in neuem Glanz

Der Heimatverein Rheinbreitbach e.V. hat die Herausforderung angenommen, das Archiv des Ortes zu modernisieren ...

15 Jahre Quartiermanagement in Neuwied: Ein Fest für die Gemeinschaft

Das Quartiermanagement der Sozialen Stadt Neuwied feiert sein 15-jähriges Bestehen. Am 22. August 2025 ...

Werbung