Werbung

Pressemitteilung vom 01.06.2025    

Missbrauchsstudie im Bistum Speyer: Betroffene fordern konkrete Maßnahmen

Die Veröffentlichung einer Studie zum Umgang mit sexuellem Missbrauch im Bistum Speyer hat eine dringende Forderung nach konkreten Schritten zur Aufarbeitung ausgelöst. Der Vorsitzende des Betroffenenbeirats, Bernd Held, begrüßt die Bitte um Vergebung von Bischof Karl-Heinz Wiesemann, betont jedoch die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen.

Studie zu sexuellem Missbrauch im Bistum Speyer. (Foto: Uwe Anspach/dpa)

Rheinland-Pfalz. Nach der Veröffentlichung der Studie über sexuellen Missbrauch im Bistum Speyer äußerte sich der Vorsitzende des Betroffenenbeirats, Bernd Held, positiv über die Bitte um Vergebung seitens Bischof Karl-Heinz Wiesemann. "Wiesemann bemühe sich aufrichtig um die Untersuchung der Verbrechen", sagte Held der Deutschen Presse-Agentur. Er unterstrich jedoch, dass der Prozess der Aufarbeitung damit keineswegs abgeschlossen sei. Die Studie stelle einen wichtigen Schritt dar - nun müssten konkrete Maßnahmen folgen. "Bischof Wiesemann hat ja selbst gesagt, dass es keinen Schlussstrich geben könne", so Held. Die Ergebnisse der Mannheimer Historikerin Sylvia Schraut sollten in praktische Konsequenzen münden, damit die Anerkennung des Leids nicht nur symbolisch bleibe. Held forderte insbesondere einen transparenten Umgang mit weiteren Akten und die konsequente Umsetzung von Empfehlungen aus der Studie.

Mahnmal soll errichtet werden
Positiv bewertete Held das Vorhaben des Bistums, ein Mahnmal für die Betroffenen in Speyer zu errichten. "Ein öffentlich sichtbares Zeichen der Erinnerung ist überfällig und kann ein Baustein der Wiedergutmachung sein." Es sei wichtig, die Perspektive der Betroffenen auch im öffentlichen Raum nicht aus dem Blick zu verlieren. Das geplante Mahnmal könne helfen, das Thema dauerhaft im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern.



Zugleich warnte Held vor einem rein symbolischen Umgang mit der Studie. "Aufarbeitung bedeutet mehr als Worte - sie braucht Strukturen, Ressourcen und die Bereitschaft, Machtmechanismen zu hinterfragen", erklärte der Vorsitzende des Betroffenenbeirats. Auch die Frage, wie die Kirche künftig mit neuen Vorwürfen umgeht, müsse klar geregelt werden. Nur so könne verlorenes Vertrauen langsam zurückgewonnen werden.

Kirchliche Strukturen begünstigten Missbrauch
Die Studie, deren vollständige Ergebnisse in zwei Jahren erwartet werden, wurde am 8. Mai vorgestellt. Im ersten Teil wird hervorgehoben, dass kirchliche Strukturen den sexuellen Missbrauch im Bistum Speyer maßgeblich begünstigt haben. Bischof Wiesemann hatte sich daraufhin in einer persönlichen Erklärung an die Betroffenen gewandt und um Vergebung gebeten. Zuletzt ging das Bistum bei den Beschuldigten von 109 Geistlichen sowie 41 Nichtklerikern aus. Rund die Hälfte der Taten fand in den 1950er und 1960er Jahren statt, oft in kirchlichen Heimen für Kinder und Jugendliche, auch durch Nonnen oder Erzieherinnen. Etwa die Hälfte der Fälle wurde erst nach dem Jahr 2000 bekannt. Bis heute wurden rund 3,6 Millionen Euro inklusive Therapiekosten an 96 Betroffene gezahlt.
(dpa/bearbeitet durch Red)


Mehr dazu:   Kirche & Religion  
Feedback: Hinweise an die Redaktion

NR-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Rheinland-Pfalz


Nebel und Frost: Trübes Wetter im Westerwald

Das Wetter im Westerwald zeigt sich in den kommenden Tagen von seiner nebligen Seite. Regen ist nicht ...

Früher Pollenflug in Rheinland-Pfalz: Haselpollen belasten Allergiker

In Rheinland-Pfalz beginnt der Haselpollenflug ungewöhnlich früh und intensiv. Der Deutsche Wetterdienst ...

Arbeitsmarkt in Rheinland-Pfalz: Ältere stehen vor besonderen Hürden

Der Arbeitsmarkt in Rheinland-Pfalz zeigt sich im Jahr 2025 herausfordernd. Während Jüngere schneller ...

Cyberangriffe auf Kommunen in Rheinland-Pfalz - Schwachstellen und Personalmangel

Die IT-Systeme von Gemeinden und Städten in Rheinland-Pfalz sind zunehmend Ziel von Cyberangriffen. Experten ...

Winterlicher Wetterumschwung in Rheinland-Pfalz erwartet

Die milden Temperaturen der letzten Tage weichen in Rheinland-Pfalz einem winterlichen Wetterumschwung. ...

Täuschung und Erpressung: Wie falsche Polizeibeamte Millionen erbeuten

In Rheinland-Pfalz verursachen Betrüger, die sich als Polizisten ausgeben, erhebliche finanzielle Schäden. ...

Weitere Artikel


Rauchentwicklung an der K106: Heuballenbrand fordert massive Einsatzkräfte

Am Samstagnachmittag (31. Mai) wurden die Feuerwehren der Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach zu ...

Wahnsinnig witzig: Marco Rima begeisterte mit Extraklasse-Comedy in Ransbach-Baumbach

Marco Rima, der Ur-Schweizer, der auch "Godfather der Schweizer Comedy" genannt wird, ist nach längerer ...

Jonathan Baschek gewinnt mit innovativer Datenbrille "Jugend forscht"-Bundeswettbewerb

Jonathan Baschek, ein 16-jähriger Schüler aus Koblenz, hat beim renommierten "Jugend forscht"-Wettbewerb ...

Gemeinsam für ein schöneres Giershofen

Am 28. Juni wird in Giershofen ein Aktionstag veranstaltet, bei dem die Dorfgemeinschaft zusammenkommt, ...

Ahrtal-Flut: Die unvergessene Tragödie um Johanna

Angesichts der aktuellen Wetterwarnungen, kommt die Erinnerung an die verheerende Flutkatastrophe im ...

AKtualisiert: Unwetter ziehen in das südliche Rheinland-Pfalz ab

Der Deutsche Wetterdienst hatte eine amtliche Warnung für den Westerwald herausgegeben. Am Sonntag, dem ...

Werbung