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Nachricht vom 17.02.2025    

Ernst Krakenberger: Ein Zeitzeuge des Holocausts spricht in Neuwied

Der Holocaust-Überlebende Ernst Krakenberger teilte an vier Berufsschulen in Neuwied seine bewegende Lebensgeschichte. Seine Erlebnisse aus der Nazizeit hinterließen einen bleibenden Eindruck bei den Schülerinnen und Schülern.

Foto: Julia Steffenfauseweh

Neuwied. Am Ende seines Vortrags herrscht Stille in der Aula, als Ernst Krakenberger eine persönliche Geschichte erzählt. In den 1960er Jahren verlor seine Mutter die Fassung beim Anblick der Lederstiefel seiner Ehefrau und rief: "Zieh sofort die Stiefel aus!" Viele Jugendliche ahnen den Grund: "Frauen in Stiefeln haben meine Mutter immer an das Konzentrationslager erinnert. Genau wie sie es ein Leben lang nicht mochte, an einem Buffet zu essen. Das Anstehen in einer Reihe, um Essen zu bekommen, hat Erinnerungen an die schlimme Zeit ausgelöst", berichtet Krakenberger.

Krakenberger ist 84 Jahre alt. Seine Eltern überlebten vier Konzentrationslager. Die ersten viereinhalb Jahre seines Lebens verbrachte er versteckt bei einer katholischen Familie in den Niederlanden. Heute erzählt er seine Geschichte vielen Schülerinnen und Schülern in Deutschland. Vergangene Woche sprach er auch an den Berufsschulen in Neuwied - der BBS Heinrich-Haus, der Ludwig-Erhard-Schule, der Alice-Salomon-Schule und der David-Roentgen-Schule. Diese Schulen arbeiten intensiv zusammen, insbesondere im Engagement für Demokratie. Der Besuch wurde vom Verein "Haus Israel Neuwied" organisiert.

Krakenberger schildert, wie seine jüdischen Eltern 1939 von Nürnberg in die Niederlande flohen und ihn dort 1940 zur Welt brachten. Aus Angst um sein Überleben versteckten sie ihn bei Bekannten. Zum 50. Geburtstag erhielt er einen Brief von der Familie Stockmann, die ihn aufnahm. "Ich selbst kann mich nicht erinnern. Und meine Eltern haben nie über die Zeit im KZ gesprochen", sagt Krakenberger. "1945 standen sie auf einmal vor der Tür. Von da an lebte ich dann plötzlich bei meinen Eltern." Auf die Frage, wie das für ihn war, antwortet er: "Ich wurde dazu erzogen, keine Emotionen zu zeigen."




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Die Erinnerungen an das Leid während der deutschen Besatzung und den Hungerwinter 1944/1945 haben Spuren hinterlassen. "Auch wenn ich seit 1966 in Deutschland lebe - den deutschen Pass wollte ich nie haben. Die Niederlande waren gut zu mir. Ich bleibe Niederländer." In Nürnberg erinnern neun Stolpersteine an seine Verwandten, die die Naziherrschaft nicht überlebten. "Die Steine sind eine Erinnerung daran, was passiert, wenn gute Menschen zur Seite schauen."

Besonders eindrucksvoll sind die kleinen Dinge, die Krakenberger am Ende seines Vortrags erzählt. Die Abneigung gegen Buffet-Essen, die Angst vor Stiefeln und seine Antwort auf die Frage eines Jugendlichen: "Was antworten Sie den Menschen, die den Holocaust leugnen?" - "Diese Menschen sollten einmal in ihrem Leben nach Ausschwitz gehen. Dann werden Sie sehen!"

Die Schülerinnen und Schüler schätzten die Begegnung mit dem Holocaust-Überlebenden, stellten viele Fragen und interessierten sich auch für seine Meinung zur heutigen politischen Lage. Krakenberger ist überzeugt, dass die Zeit des Holocaust nicht wiederkommt. Sein Besuch in Neuwied verdeutlichte die Bedeutung der Erinnerung. Red


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