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Pressemitteilung vom 24.07.2024    

Impulsvortrag: "Leben an Rhein und Wied in Zeiten des Klimawandels"

Zu einem spannenden Impulsvortrag mit anschließendem Austausch begrüßte der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Stadtmitte und Irlich, Fredi Winter, kürzlich Mitglieder und interessierte Bürger im Irlicher Pfarrheim.

Die Irlicher Ortsbeiräte Dieter Hünerfeld und Carsten Jox lassen sich von Experte Wilfried Hausmann erläutern, welche Auswirkung extreme Hochwasserlagen und Starkregenereignisse explizit auf Irlich haben. (Foto: Biggy Hof)

Neuwied-Irlich. Das Fazit am Ende der rund zweistündigen Veranstaltung unter der Überschrift "Leben an Rhein und Wied in Zeiten des Klimawandels": Grund zur Panik besteht nicht. Komplette Sorglosigkeit ist aber auch unangemessen. Gastredner Wilfried Hausmann, 25 Jahre Leiter des Amts für Feuer-, Hochwasser- und Katastrophenschutz der Stadt Neuwied, erläuterte zunächst die Hintergründe. Mit dem Klimawandel und den steigenden Temperaturen speichert die Luft mehr Wasser. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Extremwetterlagen. Wilfried Hausmann zählte eine Reihe von Orten in Deutschland auf, an denen es in nur wenigen Stunden bis zu einem Drittel der Jahresmenge regnete. Dass vor einigen Jahren im Juli die Deichtoren geschlossen werden mussten, hatte es in den 90 Jahren zuvor nicht gegeben.

Den Neuwieder Deich, von Engers bis Irlich 7,5 Kilometer lang, bezeichnete der Experte als sicher. Mit heutigem Wissensstand hätte man ihn aber in der Innenstadt einen Meter höher gebaut. Sollten die 11,20 Meter in Zukunft nicht reichen, hätte Neuwied gleiche mehrere Probleme. Vom Hochwasser in der Innenstadt und Heddesdorf, bis hin zum Rasselstein-Gelände abgesehen, wären auch die Pumpstation und das Umspannwerk in ihren Funktionen betroffen. Selbst die Feuerwehr, Stadtwerke und die Polizei lägen im Gefährdungsgebiet. Zur Beruhigung brachte Wilfried Hausmann die Trägheit des Rheins zur Sprache. Der Pegelhöchststand ließe sich 48 Stunden zuvor bestimmen. Der Gastredner wies mehrfach darauf hin, dass man Flüsse nicht begradigen dürfe. Negatives Beispiel sei die Begradigung des Rheins um 61 Kilometer im 19. Jahrhundert. Seitdem stiegen die Pegel in Neuwied schneller und höher.



Neben dem Rhein war für das Irlicher Ortsbeiratsmitglied Carsten Jox die Wied von großem Interesse. "Nicht so träge und vom Flusssystem eher mit der Ahr vergleichbar", erklärte Wilfried Hausmann. Von der Quelle in Dreifelden bis nach Neuwied misst sie rund einhundert Kilometer. "Im Gegensatz zur Ahr ist die Situation zwar etwas entspannter, das ist aber kein Grund, die Hochwassergefahren zu unterschätzen", unterstrich der Experte. Mit Hinweis auf die Retentionsräume am Holzbach verwies er auf einige Maßnahmen an den Zuflüssen.

Wilfried Hausmann kam ebenfalls auf die sich zuletzt häufenden Starkregenereignisse zu sprechen. Wie in der Vergangenheit schon geschehen, sind hier insbesondere die Stadtteile an den Waldrändern mit Bächen betroffen. Im Internet veröffentlicht das Land Rheinland-Pfalz eine detaillierte Karte, mit Hinweise auf etwaige Sturzflutgefahren. Um Überschwemmungen in der Innenstadt zu verhindern (Prinzip Schwammstadt), gebe es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Unter anderem Versickerungsmulden, Baumregiolen und wasserdurchlässige Böden. Nach Ansicht von Wilfried Hausmann wurden am neuen Marktplatz diesbezüglich Chancen vertan. "Hier muss die Stadt Neuwied zukünftig mehr tun als die geplante Dachbegrünung auf der Neuwieder Tourist-Info", forderte der stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Dieter Hünerfeld. (PM)


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