Werbung

Nachricht vom 07.12.2011    

Tabus durchbrechen oder Voyeur spielen?

Fachtagung zum Opferschutz in den Medien des Regionalen Runden Tischs Rhein-Westerwald – Falsche Berichterstattung schadet den Opfern

Da werden Nachbarn als Interviewpartner bezahlt, um Originaltöne zu bekommen, da wird ein Opfer von Gewalt mal eben gegen jede Absprache zum Tatort gebracht, um einen authentischen Schauplatz zu haben oder Kinder einem Blitzlichthagel ausgesetzt, damit man bewegende Bilder veröffentlichen kann.

Hatten sich ein schweres Thema für den Runden Tisch vorgenommen: Claudia Fischer, DART-CENTRE for Journalism & Trauma, Beate Ullwer, Gleichstellungsbeauftragte des Westerwaldkreises und Mitveranstalterin, Doris Eyl-Müller, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Neuwied, Thomas Weber, TraumaTransformConsult, Martina Lörsch, Fachanwältin für Strafrecht, Rainer Kaul, Landrat des Landkreises Neuwied, Ann-Kirstin Kowarsch, Frauenbegegnungsstätte UTAMARA.

Solch schockierende Geschichten wussten der Psychotherapeut Thomas Weber von TraumaTransformConsult, Ann-Kirstin Kowarsch von der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA, die Rechtsanwältin Martina Lörsch und die Journalistin Claudia Fischer vom DART-CENTER für Journalism & Trauma auf der Fachtagung des Runden Tisches Rhein-Westerwald zur Darstellung von Gewaltopfern zu berichten. Eine solche Form der Berichterstattung schade den Opfern, erzeuge falsche Bilder von Tätern und Opfern und widerspräche dem eigentlichen Berufsethos von Journalisten.

Die Fachtagung, die vom Ministerium für Integration, Kinder, Familie, Jugend und Frauen unterstützt wurde zeigte jedoch auch Alternativen auf.

Bei Amokläufen, Unfällen aber auch bei sexueller Gewalt, Überfällen oder Naturkatastrophen erleben Betroffene einen absoluten Kontrollverlust. Mit diesem Trauma finden viele Gewaltopfer - aber auch jene Menschen, die helfen oder über solch dramatische Ereignisse berichten müssen - häufig nur sehr schwer wieder in ein für sie normales Leben zurück.

Eine besonnene und vor allem sensible, rücksichtsvolle Berichterstattung kann bei diesem Weg in den Alltag helfen. Sie kann die Isolation vieler Opfer überwinden helfen, sie kann Opfern das Gefühl der Kontrolle über Situationen zurück geben und kann die individuell erlebte Gewalt in einen größeren gesellschaftlichen Kontext stellen.



Dass eine solche Art der Berichterstattung sich etabliert, daran arbeitet insbesondere das DART-Centre für Journalism & Trauma, aber auch TraumaTransformConsult mit Schulungen und Handreichungen für Journalisten.

Alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren sich darin einig, dass ein kontinuierlicher Kontakt zu den Vertreterinnen und Vertretern der lokalen Medien und eine gezielte Medienarbeit die beste Prävention gegen jene voyeuristische Darstellung ist. Nahezu groteske Medienauftriebe überregionaler oder gar internationaler Medien seien jedoch kaum zu vermeiden.

"Eine Boulevardisierung der Medien, Quoten- und Zeitdruck und eine Entregionalisierung von Nachrichten sind nicht zu verleugnen", stellte Fischer nicht ohne Bedauern fest.


Lokales: Neuwied & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

NR-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Ein Fahrzeug, viele Möglichkeiten: Feuerwehr Marienhausen feiert neue Einsatzstärke

Die Feuerwehr Marienhausen hat ihren neuen Mannschaftstransportwagen (MTW) offiziell in Dienst gestellt. ...

Frank Kunert: Bühne frei für Miniaturwelten im Roentgen-Museum Neuwied

Das Roentgen-Museum in Neuwied lädt am Sonntag, 13. September 2026, zur Eröffnung der Sonderausstellung ...

Von Unbekannten auf Grundstücken bis zur unklaren Verkehrssituation: Polizei Neuwied im Einsatz

In Neuwied ereigneten sich am Wochenende mehrere Vorfälle, die die Polizei auf den Plan riefen. Unbekannte ...

Zeitreise zur Entstehung des Grundgesetzes im Kurgarten Bad Honnef

Eine besondere Ausstellung im Kurgarten Bad Honnef lädt vom 11. September bis 5. Oktober 2026 dazu ein, ...

Spiel und Spaß für die ganze Familie in Torney

Das Gelände rund um das Bürgerhaus Torney verwandelt in ein Paradies für Kinder und Familien. Das traditionelle ...

Wäller Spendenwanderung 2026: Gemeinsam für den guten Zweck im Westerwald

Am Samstag, 19. September 2026, findet erneut die Wäller Spendenwanderung statt, organisiert vom Westerwald ...

Weitere Artikel


Antonia Fournier - eine vielseitige Künstlerin stellt in Altenkirchen aus

Frau aus Oberdreis beobachtet die Menschen und nimmt ihre Unarten auf die Schippe

Altenkirchen/Oberdreis. ...

Ab Januar: Ehrenamt des Monats

Das "Ehrenamt des Monats" soll ab Januar eine Anerkennung für besondere ehrenamtliche Leistungen in ...

Keine Tiere verschenken

Lebende Tiere als Weihnachtsgeschenk - davon rät MdL Anna Neuhof von Bündnis 90/Die Grünen in einer Pressemitteilung ...

Weihnachtsmarkt auf der Burg Altwied - eine ganz besondere Atmosphäre

Altwied. Ein wenig anstrengend ist es schon, bis man auf dem Weihnachtsmarkt auf der Burg Altwied ist. ...

Stolz auf Erreichtes

Yüksel Yildiz absolvierte Ausbildereignungsprüfung mit Bestnote

Koblenz. „Ich bin stolz auf meine ...

Vielfältige Ausstellung im Dierdorfer Uhrturm eröffnet

Kunst im Doppelpack: Jeder heimische Künstler lud jeweils einen mit ausstellenden Freund ein

Dierdorf. ...

Werbung