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Nachricht vom 09.11.2023    

Gedenkfeiern: 85 Jahre Reichspogromnacht im Kreis Neuwied

85 Jahre nach der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 gab es auch im Kreis Neuwied eine Reihe von Erinnerungs- und Gedenkveranstaltungen. Die zerstörten jüdischen Geschäfte und Gotteshäuser waren das weithin sichtbare Fanal für die beginnende systematische Verfolgung der deutschen Juden, die in den nationalsozialistischen Völkermord an Millionen europäischer Juden mündete.

Fotos: Josef Dehenn (3) und Wolfgang Tischler (3)

Kreis Neuwied. Am Donnerstag, dem 9. November, jährte sich zum 85. Mal die Reichspogromnacht. Zerstörte Geschäfte, geplünderte Wohnungen, brennende Synagogen, 30.000 Juden wurden verhaftet, viele in den Tod getrieben. Es war nicht - wie die Nationalsozialisten behaupteten - spontaner Volkszorn, der sich gegen das jüdische Volk entlud, es war ein gezielter Pogrom der Partei.

In Neuwied trafen sich Politiker, Bürger und Schüler der Johanna-Loewenherz-Schule in der Synagogengasse am Mahnmal, um zu gedenken und innezuhalten. Oberbürgermeister Jan Einig sagte am Ende seiner Rede: „Die heutige Generation muss sich nicht schuldig fühlen für das Unfassbare, das vor 85 Jahren geschah. Sie ist nicht verantwortlich für das Gestern. Aber sie ist verantwortlich für das Heute und Morgen. Wir alle sind in der Pflicht, damit Ausgrenzung, Intoleranz, Antisemitismus und Gewalt gegenüber Andersdenkenden keine Chance haben. Damit das ‚niemals vergessen‘ und das ‚nie wieder‘ keine Worthülsen bleiben. Und damit die Gleichgültigkeit vieler nicht dem Hass einzelner ermöglicht, Geschichte zu wiederholen.“

In Dierdorf kamen die Bürger an der Stadtmauer zusammen. Dort erinnert eine Gedenktafel an die ehemalige Synagoge, die zerstört wurde. Daneben Tafeln mit den Namen der ermordeten Juden, deren Namen bei der Gedenkfeier verlesen wurden. In Dierdorf mahnte Bürgermeister Thomas Vis an, dass es wichtig sei, sich zu erinnern, zu besinnen und die junge Generation zu informieren. Die Konfirmanden verlasen Fürbitten und es wurden gemeinsam Lieder gesungen. In vielen weiteren Orten im Kreis wird und wurde an diese schreckliche Nacht gedacht.




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Auch im Kreis Neuwied wurden zuvor schon in den Gemeinden Beschlüsse gegen die Juden gefasst, wie zum Beispiel durch den Gemeinderat Puderbach. Der fasste am 7. September 1936 eine weit reichende Entschließung. Aus der Erkenntnis "Die Juden sind unser Unglück" beschloss der damalige Puderbacher Gemeinderat unter Bürgermeister Schäfer unter anderem:
- Der Zuzug von Juden wird hiermit untersagt.
- Gemeindeaufträge werden nicht an solche Volksgenossen vergeben, die ihre Einkäufe bei Juden tätigen oder mit diesen Verkehr pflegen.
- Beamte, Angestellte und Arbeiter, die im Dienst der Gemeinde stehen, dürfen bei Juden nicht kaufen oder mit diesen Verkehr pflegen. (woti)



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