Werbung

Nachricht vom 30.10.2011    

Energiewende im Kreis Neuwied

Expertenveranstaltung am Freitagabend in Dierdorf: Mit Windkraft lässt sich viel mehr verdienen als nur die Geländepacht

Dierdorf. Am Freitag (28.10.) fand in der Alten Schule am Damm ein Energiekongress zum Thema: „Wie schaffen wir die Energiewende im Landkreis Neuwied und 100 Prozent Erneuerbare-Energie-Region zu werden?“ statt.

Die Experten des Energiekongresses (von links): Erster Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach, Landrat Bertram Fleck, MdB Erwin Rüddel, Stadtbürgermeister Thomas Vis, Moderator Dr. Heinz Schmitz, Parlamentarischer Staatssekretär MdB Peter Bleser, Prof. Dr. Peter Heck und Günter Henning Kommunalbetreuer der SÜWAG. Fotos: Wolfgang Tischler

Es wurde der Kindergarten „Holzbachfrösche“ besichtigt und die Besucher erfuhren, dass der Kindergarten doppelt soviel Energie produziert, wie er benötigt.

Als ein gutes Beispiel wurde die Entscheidung, die die Stadt Dierdorf unter Bürgermeister Vis Anfang 2010 traf, von allen Anwesenden Experten gelobt. „Ich stehe ohne Wenn und Aber zur Energiewende. Die Wende muss aber mit den Bürgern gemeinsam gemacht werden und ich werde sie bei meinen Entscheidungen mitnehmen“, betonte Thomas Vis in seiner Rede und war sich darin mit dem anwesenden Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel einig.

Der setzte in seiner Begrüßungsrede Prämissen, die es in der Energiewende auch im Kreis Neuwied umzusetzen gilt: „Unabhängig bleiben vom Ausland, den Klimawandel nicht aus den Augen verlieren, Energie muss bezahlbar bleiben und die neuen Wege müssen von der Bevölkerung und Industrie akzeptiert werden.“

Achim Hallerbach brachte den Zuhörern das im August 2009 begonnene Klimaschutzkonzept des Kreises näher. Derzeit laufen im Kreis die Untersuchungen und es wird eine Potenzialanalyse erstellt.

Es erfolgt die Einberufung eines Akteursnetzwerkes, in dem Energieversorger, Gasversorger, Kreditinstitute, Unternehmer und Bürger vertreten sein werden. Dieses Gremium wird einen Maßnahmenkatalog erarbeiten. Unterstützung wird von einem im nächsten Jahr einzustellenden Klimaschutzmanager kommen.

„Unser Ziel ist es 2020 die Hälfte der Energie aus erneuerbaren Energien zu schöpfen“, lautet das ehrgeizige Ziel des Kreisbeigeordneten Hallerbach. Denn noch liegt der Landkreis Neuwied am unteren Ende der Skala bei den erneuerbaren Energien in Rheinland-Pfalz.

Bei der Windenergie wird Achim Hallerbach bis Ende November diesen Jahres eine Potenzialkarte präsentieren und mit den Verbandsgemeinden gemeinsam Konzentrationsflächen ausweisen, denn „für mich kommt keine Verspargelung der Landschaft in Frage“. Auf kreiseigenen Flächen will Hallerbach Kommunen und Privatpersonen Beteiligungen bei der Windkraft anbieten.

Professor Dr. Peter Heck vom Umweltcampus Birkenfeld referierte über die Potentiale, Wertschöpfungseffekte und Handlungsmöglichkeiten für Kommunen bei den erneuerbaren Energien.



Mit wenigen Zahlen führte er den Gästen die Notwendigkeit und die Chancen der Energiewende vor Augen: „In den letzten sechs Jahren sind die Heizkosten im Durchschnitt um sechs Prozent gestiegen, das heißt im Klartext, wir verlieren stetig Kaufkraft.“ Im gleichen Atemzug belegte er, dass „die Kostensteigerung bei Öl wesentlich schneller voranschreitet, als bisher immer vorhergesagt“.

Bei der Biomasse hatte der Professor viele Beispiele, die zeigen, dass unser Land ein riesiges Potenzial ungenutzter Biomasse hat. Auch bei den Speichermöglichkeiten des Stroms fand Professor Heck klare Worte: „Es gibt viele Möglichkeiten der Stromspeicherung und die Techniken sind vorhanden, sie werden nur nicht genutzt.“

Den Politikern gab der Fachmann Heck mit auf den Weg: „Sie müssen die Energiewende managen und nicht verwalten. Lassen sie sich doch nicht mit 60.000 Euro Pacht für drei Windräder pro Jahr abspeisen, wenn sie beim Eigenbetrieb 600.000 Euro erzielen könnten.“ An die Bürger gewandt: „Sie müssen sich daran gewöhnen, dass die Landschaft sich verändern wird. Die Politiker haben nur bislang versäumt sie ordentlich zu informieren und mitzunehmen.“

Der Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, Bertram Fleck, zeigte eindrucksvoll auf, wie sein Landkreis auf dem Weg ist, in Kürze vom Energieimporteur zum Energieexporteur zu werden.

Peter Bleser, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Berlin, zeigte die Anstrengungen der Bundesregierung in Sachen Energiewende auf. „Nur die Nationen werden vorankommen, die es schaffen, die Herausforderungen der Energiewende zu meistern“, war die Botschaft des Mannes aus Berlin.

Stadtbürgermeister Thomas Vis war mit der Veranstaltung sehr zufrieden, zumal die Experten ihm bestätigten, dass der mit dem Kindergarten „Holzbachfrösche“ eingeschlagene Weg genau der Richtige ist. Wolfgang Tischler


Lokales: Dierdorf & Umgebung

Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Dierdorf auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 


Kommentare zu: Energiewende im Kreis Neuwied

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus der Region


Kleinmaischeider Maimarkt 2022: Die Erfolgsgeschichte geht weiter

Kleinmaischeid. 2016 hatten die Kleinmaischeider erstmal zum 45. Geburtstag des Spielmannszugs einen Maimarkt veranstaltet ...

Bendorf: Autofahrerin fährt Fußgänger an und flüchtet

Bendorf/Rhein. Die Polizei schildert den Unfall wie folgt: Zum Unfallzeitpunkt wollte die Pkw-Fahrerin den Parkplatz des ...

Husarencorps Grün‐Weiss Linz auf Segel‐Manöver im IJsselmeer

Linz. Kurz nach der Ausfahrt aus dem Hafen wurden unter tatkräftiger Unterstützung der Husaren und fachkundiger Anleitung ...

"Papa Umi" gerettet: Investoren sichern Zukunft der Restaurants in Neuwied und Koblenz

Neuwied / Koblenz. Die insolvente PAPA UMI NEUWIED GmbH & Co. KG wird durch den neuen Investor VIETLOUNGE GmbH und die insolvente ...

Bad Hönningen: Leitpfosten an der L 257 beschädigt

Bad Hönningen. Über einen Zeugenhinweis ergibt sich ein Verdacht gegen einen bislang unbekannten älteren Mann, der am Dienstagabend ...

Diese sieben Tipps sorgen für einen fledermausfreundlichen Garten

Mainz/Region. Bis zu 5.000 Mücken kann eine einzelne Mückenfledermaus pro Nacht vertilgen. Auch andere heimische Fledermausarten ...

Weitere Artikel


Herbstmarkt im Seniorenzentrum Uhrturm

Die Bedürfnisse werden im Alter geringer, sodass der Markt auch nicht mehr riesig sein muss. Ein Weingut und eine Brennerei ...

Demuth erreicht dauerhaft bürgernahe Kataster-Dienstleistungen

Demuth hatte den Minister nach den Auswirkungen der von der Landesregierung geplanten Auflösung des Vermessungs- und Katasteramtes ...

Boxkampf um Weltmeisterschaft in der „Stadt des Sports“

Am Samstag, 19. November, boxt Hizni Altunkaya in der Sporthalle Neuwied-Niederbieber um die WBF-Weltmeisterschaft im Cruiser-Gewicht. ...

Betonmischer kippte in der Kurve um – Fahrer schwer verletzt

Hierbei wurde die vorhandene Leitplanke zerstört. Der Fahrer musste durch angeforderte Feuerwehrkräfte der Verbandsgemeinde ...

Kunstkreis 75 Engers stellt in der Grundschule aus

Dem Besucher werden außer Bildern in Acryl-, Aquarell- Pastellfarben und Drucktechniken Fotografien von der BUGA Koblenz ...

Ockenfelser Tischtennis-Jugendteam gewann gegen Großmaischeid

Voriges Jahr hat Ockenfels gegen Großmaischeid gewonnen. Heute sieht es anfangs knapp aus. In den Doppeln haben die Großmaischeider ...

Werbung