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Nachricht vom 03.10.2022    

Ehestreit im Alten Bahnhof Puderbach eskalierte

Von Helmi Tischler-Venter

Vorwürfe, Beleidigungen, ziellose Diskussionen zwischen Eheleuten - Paarverhalten, das nur allzu bekannt ist und oft zu Tragödien führt. Literatur-Nobelpreisträger Dario Fo goss die bürgerlichen Ehe-Kämpfe in der Komödie „Offene Zweierbeziehung“ in tragisch-komische Dialoge und Aktionen, die vom NAHE-Theater Bad Kreuznach im Alten Bahnhof Puderbach fulminant gespielt wurden.

Fotos: Helmi Tischler-Venter

Puderbach. Die beiden Schauspieler mussten alle Register ihres Könnens ziehen, um die emotionale Kriegsführung überzeugend und hemmungslos darzustellen, zumal das Publikum in Griffweite vor der kleinen Bühne alles hautnah verfolgte. Bei einer Abstimmung im Publikum votierte dieses für „Liebe“ als wichtigstes Element einer Ehe.

Doch die Liebe ist dem männlichen Partner in der dargestellten Beziehung offenbar verloren gegangen. Der Mann propagiert die offene Zweierbeziehung, weil er sich in der Ehe angeblich unfrei fühlt. Er sucht als Ablenkung vom „täglichen Einheitsbrei“ außerhalb der Familie „neue Erlebnisse“ mit ständig wechselnden Sexualpartnerinnen.

Antonia, seine Ehefrau, ist zutiefst gedemütigt und verzweifelt, sie leidet so sehr unter der für sie unerträglichen Situation, dass sie jeden Donnerstag einen Selbstmordversuch macht, indem sie sich im Bad einschließt und Tabletten schluckt, während der Mann schon einmal den Rettungswagen ruft. Freitags droht sie damit, aus dem Fenster zu springen, bei der Rettung vom Fensterbrett hat er ihr einmal den Knöchel gebrochen. Antonia leidet unter ihren Fettpölsterchen und der schwindenden Spannkraft des Hinterns, weil sie von ihrem Mann nicht mehr begehrt wird. Der Sohn, ein ebensolcher Macho wie sein Vater, verschärft mit sexistischer Körperkritik an seiner Mutter die Not noch.

Uwe, der Mann reagiert auf die emotionalen Erpressungsversuche mit sarkastischen Beleidigungen, banalen Floskeln - es passiere alles nur auf der sexuellen Ebene - und Vergleichen mit seiner Mutter und zieht Antonia so noch weiter herunter. Er fühlt sich endlich wie ein freier Mensch, seine Gespielinnen sind deutlich jünger. Er entblödet sich noch nicht einmal, seine Ehefrau zu bitten, mit seiner jungen Geliebten zum Gynäkologen zu gehen, damit der dem „Eishörnchen“ eine Spirale verpasse.



Antonia will schließlich neue Wege gehen, um die Ehe zu retten und zieht in eine eigene Wohnung, sucht neue Arbeit, legt sich neue Garderobe, eine neue Frisur und einen anderen Gang zu und geht abends aus, aber das Anbandeln mit anderen Männern fällt ihr schwer.

Ihr Mann Uwe kommt täglich zweimal zu den Mahlzeiten vorbei. Als Antonia ihrem Mann eines Tages gesteht, sie glaube, endlich den Richtigen gefunden zu haben, dreht sich das Blatt. Er reagiert sofort eifersüchtig und lehnt die eigenen Floskeln, von Antonia geäußert, als Schwachsinn ab. Er versucht den Nebenbuhler schlecht zu reden, aber der ist ihm als potenzieller Nobelpreisträger, Kernphysiker, Universitätslehrer, Rockmusiker und Poet haushoch überlegen. Geschockt und gedemütigt, will Uwe erst Antonia ermorden, dann sich selbst, allerdings nicht endgültig. Er erkennt: „Ich bin ein typischer Männerarsch!“

Antonia reagiert genauso zynisch wie Uwe früher bei ihr. Ihre Erfahrung besagt, dass die „offene Zweierbeziehung nur dann funktioniert, wenn sie nur nach einer Seite geöffnet ist, zu seiner. Ist sie nach zwei Seiten geöffnet, entsteht Durchzug.“

Uwe zerfließt in Selbstmitleid, er will die alte Antonia zurück. Sie kann ihn schließlich durch das Geständnis beruhigen, der Liebhaber sei frei erfunden. Doch dann nimmt die Handlung ein überraschendes Ende.

Das Puderbacher Publikum war von der Theaterdarbietung begeistert und zollte den Schauspielern großen Applaus für ihre Leistung. (htv)


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