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Nachricht vom 30.09.2022    

Pilze erfreuen uns im Herbst mit ihren Fruchtkörpern

Von Helmi Tischler-Venter

Wenn im Garten plötzlich weiße Bälle auftauchen, muss nicht das Nachbarkind Verursacher sein. Oft sind es kugelförmige Boviste, die fußballgroß und größer werden können. Die Pilze haben auf Regen gewartet, nun sprießen sie wieder vielfältig aus der Erde. Bei dem botanischen Namen Fungi (lateinisch fungus) denkt jeder an eine Pizza. Tatsächlich ist das weiße Fleisch des Riesenbovists essbar.

Ein fussballgroßer Bovist. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Region. Dass der prächtige Fliegenpilz dagegen giftig ist, weiß jedes Kind. Mehr als eine Handvoll Pilzarten kennt jedoch kaum jemand. Die meisten Pilze sind eher unscheinbar und leben im Verborgenen. Das oft riesige Fadengeflecht jener Lebewesen lebt unsichtbar in der Erde oder in Baumstämmen und organischen Abfällen. Pilze bestehen also in erster Linie aus Wurzeln. Was wir sehen, sind die Fruchtkörper der Lebewesen, ähnlich den Äpfeln des Apfelbaums.

Pilze wurden als sesshafte Lebewesen lange den Pflanzen zugeordnet, aber sie können ohne Chlorophyll keine Fotosynthese bilden und ernähren sich wie Tiere heterotroph, das heißt, sie schließen durch Abgabe von Enzymen organische Nährstoffe ihrer Umgebung auf. Im Unterschied zu Tieren besitzen sie Zellwände und Vakuolen wie Pflanzen. Seit 1969 bilden Pilze ein eigenes Reich.

Laut Bundesamt für Naturschutz sind über 13 Prozent der in Deutschland bekannten Großpilze bestandsgefährdet. Das liegt weniger an zu intensivem Sammeln, als an der Vernichtung der Lebensräume durch Entwässerung und Verdichtung des Bodens. Den für Natur und Menschen so wichtigen Pilzen - bereits Ötzi hatte einen Pilz als Heilmittel bei sich - machen schwere Maschinen, Kunstdünger und Pestizide den Garaus, denn der größte Teil der organischen Masse im Boden besteht aus Pilzgeflechten, die entweder mit Pflanzen in Symbiose leben (zum Beispiel Mykorrhiza mit Ericaeen), als saprophytische Pilze: Organisches verdauen (wie der Grünblättrige Schwefelkopf) oder als Schmarotzer leben (zum Beispiel Hallimasch).

Die sprießenden Fruchtkörper haben nur eine kurze Lebenszeit. Am weit verbreiteten Schopf-Tintling lässt sich die Entwicklung vom geschlossenen weißen jungen Pilz zum weit geöffneten Schirm und zum vermodernden alten Körper, der schwarze Tinte abgibt, innerhalb weniger Tage beobachten. Die schwarze Tinte zieht Insekten an, die für die Verbreitung der Pilzsporen sorgen. Für Menschen essbar ist der schmackhafte Speisepilz nur im jungen und frischen Zustand. Dann schmeckt er ausgesprochen lecker.



Damit die Freude am Sammeln und Verspeisen schmackhafter Pilze ungetrübt bleibt, sollte man einiges beachten:
Man sollte grundsätzlich nur Pilze sammeln, die man ganz sicher bestimmen kann, denn Verwechslungen können lebensgefährlich sein. Klassisches Beispiel sind die sehr ähnlichen Wiesen-Champignons und Knollenblätterpilze.

Nur so viele Pilze sammeln, wie man verwerten kann, zu junge und zu alte Pilze stehen lassen. Angefressene Pilze nicht zerstören, denn sie werfen noch Sporen ab, die der Vermehrung dienen.

Pilze entweder vorsichtig herausdrehen oder mit einem kleinen, scharfen Küchenmesser dicht über dem Boden abschneiden. Nicht herausreißen, denn das schädigt das unterirdisch wachsende Pilzgeflecht.

Pilze schon am Standort reinigen und am besten in einem luftdurchlässigen Korb transportieren. In Plastiktüten verderben sie schnell. Nicht stundenlang im Kofferraum transportieren. Ein Sammeln in Naturschutzgebieten und Nationalparks ist natürlich tabu.

Ein gutes Bestimmungsbuch ist unerlässlich. Hilfreich und informativ sind Pilzexkursionen, die von privaten Anbietern und Naturschutzverbänden angeboten werden, zum Beispiel vom NABU Montabaur, der Tourist-Information Wäller-Land am Wiesensee (TiWi), der Waldökostation Remstecken, vom Museum Monrepos Neuwied, dem Westerwald-Verein Buchfinkenland, den Waldbreitbacher Franziskanerinnen und von Volkshochschulen.

Oft verrät schon der Name des Pilzes seine Ungenießbarkeit: Kirschroter Speitäubling, Satans-Röhrling und Buchenspeitäubling werden mit Grund so bezeichnet. Es macht bei der Pilzsuche mit Kindern Spaß, neue lustige Namen für die vielfältigen Früchte zu erfinden. Wie wäre es mit „Einbeinige Erdmännchengruppe“ für Hallimasche oder „Pfannkuchenpilz“ für den Kahlen Krempling?

Eine neue App zum BUND-Projekt „ID Pilze“ soll junge Menschen befähigen, ihre Artenkenntnis zu erweitern und sich pilzkundig am Schutz der Natur zu beteiligen. (htv)



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