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Nachricht vom 18.06.2022    

Wird Rainer der nächste Oberbürgermeister von Neuwied?

Von Helmi Tischler-Venter

Neuwied sorgt dafür, dass die großartigen Rommersdorf Festspiele trotz Widrigkeiten stattfinden können. Die Widrigkeiten bestanden in einer Corona-Erkrankung der Familie Weber-Sperlich von der Freien Bühne Neuwied. Da Tammy Sperlich nicht singen konnte, bot Boris Weber an, den Eröffnungsabend zu retten mit „Rainer“. Die Stadt reagierte großzügig, indem sie die Gültigkeit der Eintrittskarten erweiterte.

In seiner Paraderolle als Sitzungspräsident Rainer brillierte Boris Weber zweieinhalb Stunden lang. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Neuwied. „Ich überlege mir das, ich melde mich“, war am Freitagabend, 17. Juni Rainers Stimme aus dem Off zu hören. Seine Überlegungen galten einer möglichen Kandidatur als nächster Oberbürgermeister von Neuwied. Im vollen Ornat des Karnevalspräsidenten sammelte er mit Hilfe des zahlreich erschienenen Publikums schöne Elemente in Neuwied. Der Wochenmarkt fiel ihm ein, dort könnte die Bürgermeisterriege etwas Sinnvolles tun durch den Verkauf von Gemüse. Das Deichvorgelände „ist wirklich schön, da kannste sitzen und gucken, wie se vorbeifahre, anlegen können se nicht mehr.“ Fredi Winter steht am Deichtor, hält die Leute auf und singt eine Ode auf sein Neiwidd. Bei der von Weber gesungen Ode klatschten die Zuschauer mit.

In Form von Stand-up-Comedy fand Rainer noch mehr Schönes in der Stadt. Bei dem Stichwort „Deichwelle“ schwelgte er in Erinnerung an früher, als der Zehn-Meter-Turm noch stand und man an einer Scheibe im Gang darunter schauen konnte, was von oben geplumpst kam. Die Scheibe befindet sich jetzt am Seehundbecken im Zoo.

Die Stadtspitze in der letzten Zuschauerreihe – „Die gibt in der Pause eine Runde!“ - und die Stadtteile bekamen ordentlich ihr kabarettistisches Fett weg. Das Irlicher Rheinuferfest lehnte Rainer als touristisches Ziel ab und Gladbach verband er mit der Erinnerung an einen Kreisel mit rechts-vor-links-Regelung. Zu Irlich fiel ihm ein Liedchen ein: „Wenn bei Irlich die rote Sonne im Rhein versinkt…“

Engers und Mülhofen: „Da weiß man nicht, wen man mehr bedauern soll“. Er erzählte von der kuriosen Situation einer Straße im Ort, deren Neuwieder Seite während des Lockdowns Ausgangssperre hatte, die gegenüberliegende Mülhofener Seite (zu MYK gehörend) nicht. Spontan kolportierte Rainer die Story von Norbert Bleidt, der bei einem entfernten Nachbarn zu Besuch war und die Ausgangssperre um neun Uhr verpasste. Seine Lösung: „Da hon ich mein Hohn mitgenomme, weil mit Tieren durft man jo gehen.“

Fahr mit seinem Möhnenverein „Mokka-Kännchen“ war für den Sitzungspräsidenten total indiskutabel. Einem Paar in der ersten Reihe, das offenbar Verständnisprobleme hatte, weil es aus Berlin stammte, empfahl Rainer einen Sprachkurs in Neiwidder Platt und übersetzte ab dem Moment alle Fachbegriffe wie „Krutsche-Chor“ und „Schabellsche“. Mehrfach wurde der „Studierte“ Doktor Rainer Lahr als Übersetzungshelfer gefragt.



Um auf Augenhöhe mit seinen Zuhörern zu sein, rollte sich Rainer von der hohen Bühne und hatte nach dem Interview das Problem, dort wieder hinauf zu kommen. Mit einem Stuhl und klappernden Orden schaffte er es.

Was er als neuer OB als erstes schaffen würde, wusste er auch: Die Fußgängerzone platt machen und ein Sambadrom hinbauen wie in Rio de Janeiro mit Tribünen bis in den Himmel. Denn als neuer OB müsse er die Stadt voranbringen, dafür präsentierte er das passende Lied: “Neuwied, dass es dich gibt!“

Um genauere Job-Beschreibung zu erhalten, bat Rainer den von der anderen Rhein-Seite stammenden „Noch-OB“ Jan Einig, der einst den Titel „Jan von den zarten Zehen“ trug, aus dem Zuschauerraum auf die Bühne. Einig machte den Spaß mit und reduzierte selbstironisch seine Tätigkeiten auf „unterschreiben und repräsentieren“. Gemeinsam beschlossen die beiden Männer, die Wasserspender in der Fußgängerzone auf Bier und Wein umzustellen. Im Zuschauerraum gab es dafür eine absolute Mehrheit. Gegen das dramatische Kneipensterben sang Rainer das sentimentale Lied von der kleinen Kneipe in unserer Straße.

Auf eine Praktikumswoche im Rathaus einigten sich Einig und Rainer. Dem wurde der Gedanke an die zukünftige OB-Herrschaft zunehmend fragwürdiger. Er beschloss als „karnevalistische Hochekstase“ lieber beim Karneval zu bleiben, denn „Die wahre Passion ist und bleibt die Fasenacht“. In Liedform: „Fasenacht ist mein Leben!“

Minutenlange Standing Ovations bewiesen, dass die Zuschauer einen sehr vergnüglichen Abend hatten und die Programmänderung uneingeschränkt goutierten.

In seiner Paraderolle als Sitzungspräsident Rainer brillierte Boris Weber zweieinhalb Stunden lang. Nachdem er das falsche Gebiss und die Narrenkappe abgelegt hatte, gestand der Künstler, dass er „auf Kosten der Stadt einen vergnügten Abend hatte“ und dankte der Stadtspitze für ihre Großzügigkeit, denn die Zuschauer können sich nun auf eine zweite Aufführung am 1. Juli freuen mit dem Kriminal-Musical „Mordsgeschichten“ der Freien Bühne Neuwied. (htv)


Mehr dazu:   Veranstaltungsrückblicke  
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