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Nachricht vom 02.05.2022    

Perinatalzentrum in Neuwied für gesunde Frühchen

Das Perinatalzentrum des Marienhaus Klinikums Neuwied ist auf Schwangere mit drohender Frühgeburt und frühgeborene Kinder spezialisiert – im bundesdeutschen Vergleich kann es exzellente Ergebnisse bei der Behandlung von Frühchen vorweisen. Die Medizin hat in diesem Bereich rasante Entwicklungen gemacht, bei denen das Neuwieder Team besonders hervorsticht.

Das Team rund um Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Prof. Dr. Richard Berger (hinten, 3. v.l.) und Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Michael Ehlen (hinten, 4. v.l.). (Foto: privat)

Neuwied. Etwa 50 bis 60 Kinder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1.500 Gramm kommen jedes Jahr im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied zur Welt. Hatten noch vor 30 Jahren deutlich zu früh geborene Kinder nur eine geringe Überlebenschance, so hat in den vergangenen Jahrzehnten die Medizin rasante Fortschritte gemacht. Davon profitieren vor allem auch Babys mit einem Geburtsgewicht von unter 1.000 Gramm. „Heute sehen wir sogar sehr kleine Frühchen, die gesund aufwachsen, obwohl sie ein sehr hohes Risiko haben, Komplikationen wie zum Beispiel Hirnblutungen, Darm- und chronische Lungenerkrankungen zu erleiden“, sagt Dr. Michael Ehlen. Der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und sein Team unterstützen und behandeln Kinder ab der 23. Schwangerschaftswoche auf dem Weg ins Leben.

Als sogenanntes Perinatalzentrum Level I ist das Marienhaus Klinikum St. Elisabeth spezialisiert auf die Betreuung von Frauen mit Risikoschwangerschaften und Risikogeburten sowie auf die intensivmedizinische Versorgung von kleinen und kleinsten Frühgeborenen. Dabei nimmt das Haus an einem bundesweiten Qualitätsmanagementsystem teil und stellt sich dem Vergleich mit anderer Perinatalzentren. „Mein Team und ich freuen uns sehr, dass die Überlebenschancen von Frühgeborenen in unserem Haus über dem bundesdeutschen Durchschnitt liegen“, sagt er. „Auch beim Überleben der Kinder ohne schwere Folgeschäden kann unser Haus gute Zahlen vorweisen“.

Medizinische Weiterentwicklung und somit sicherere Prognosen
Schon vor einigen Jahren haben die Kinderärzte und Pflegekräfte beobachtet, dass auch bei kleinen Frühgeborenen eine invasive Behandlung oft nicht nötig ist. Während früher die meisten der sehr junge Frühchen intubiert und künstlich beatmet und dafür auch in eine leichte Narkose versetzt wurden, wird heute sehr genau geschaut, ob das Kind nicht vielleicht doch alleine atmen kann. „Viele Kinder schaffen das“, freut sich Ehlen. „Wir können ihnen oft deutlich mehr zutrauen.“ Das verbessere ihre Prognose, so seine Erfahrung.




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Intensive Betreuung von Schwangerschaften obligatorisch
Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist jedoch die intensive Betreuung und Begleitung der Schwangeren. „Wir kennen heute die Anzeichen, die darauf hinweisen, dass eine Frühgeburt droht“, so Prof. Dr. Richard Berger, der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Das ist beispielsweise die Länge des Muttermundes, die mit Hilfe von Ultraschall bestimmt wird. „Ein verkürzter Muttermund weist auf eine bevorstehende Geburt hin genauso wie bestimmte Proteine, die im Sekret des Muttermundes enthalten sind“, so Berger, der in solchen Fällen alles unternimmt, um die Schwangerschaft so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Er hat die bundesweite Leitlinie zur Prävention und Therapie der Frühgeburt koordiniert und die darin beschriebenen Handlungsempfehlungen formuliert.

„Wenn abzusehen ist, dass wir die Frühgeburt nicht verhindern können, dann bereiten wir die Schwangere und ihr Kind gut darauf vor“, sagt er. So erhält die Mutter spezielle Medikamente, die die Lungenreife des Ungeborenen fördern. Zusätzlich bekommt sie intravenös Magnesium, das das Gehirn des Babys schützt. Auch ein spätes Abnabeln nach der Geburt schont das Gehirn des Babys, denn es sorgt für einen stabilen Blutdruck. Zusätzlich werden Dr. Ehlen und die Ärzte der Neonatologie informiert, damit sie sich auf die Frühgeburt einstellen und alles für die Versorgung des Frühchens vorbereiten können.

Wenn das Kind dann auf der Welt ist, „orientieren wir uns allein an seinen Bedürfnissen“, sagt Dr. Ehlen. „Wir beobachten es sehr genau und schauen, was es allein schafft und wann es intensivmedizinische Unterstützung benötigt“. Das gesamte neonatologische Team hat viel Erfahrung, um den Zeitpunkt wahrzunehmen, an dem ein Frühchen Hilfe benötigt. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um die kleinen und kleinsten Frühgeborenen zu helfen, möglichst unbeschadet groß zu werden. (PM)


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