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Nachricht vom 12.03.2022    

Sperrdatei OASIS: Das steckt dahinter

Mit dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrages am 1. Juli 2021 wurde final eine deutschlandweite Regelung getroffen, dank derer Glücksspielbetreiber hierzulande erstmals offiziell agieren können. Dazu müssen sie jedoch eine offizielle Lizenz erwerben, die an zahlreiche Bedingungen geknüpft ist. Abzielen soll das zum einen auf eine stärkere Kontrolle durch den deutschen Staat, der damit auch endlich eine Grundlage besitzt, sein steuerliches Anrecht an den erwirtschafteten Umsätzen geltend zu machen. Zum anderen möchte man den Verbraucherschutz deutlich in den Fokus rücken, weshalb gerade in diesem Bereich auch mannigfache Veränderungen auf die Betreiber und Nutzer gleichermaßen zukommen.

Foto Quelle: pixabay.com / pmorchidreader

Gerade Online Casinos, die in den letzten beiden Jahren einen enormen Kundenzuwachs erfahren haben und daher momentan richtig gut im Geschäft sind, werden durch die beschlossenen Einschränkungen gravierend in ihrem Handeln limitiert. Zudem sind sie nun angehalten, eine bundesweite Sperrdatei namens OASIS zu führen, um gefährdeten Spielern den Zugang zu ihren Angeboten zu verweigern. Diese Neuerung wird allerdings auch auf Nutzerseite kritisch gesehen. Das erklärt gleichzeitig, warum online Casinos ohne OASIS so beliebt sind und von Spielern häufig bevorzugt werden.

Was aber verbirgt sich hinter diesen Vorgaben, wie wird die erwähnte Datei geführt und in welcher Form sorgt sie dafür, Spielsucht tatsächlich einzudämmen?

Das Thema Spielerschutz als zentrales Motiv
Die durch die neuen Richtlinien herbeigeführten Veränderungen sind umfassend und auch wenn der Verbraucherschutz über allem stehen soll, lassen sich sicher nicht alle Anpassungen dadurch begründen. So dürfen Online Casinos in Deutschland beispielsweise keine Karten- oder klassischen Tischspiele mehr auf ihren Webseiten offerieren. Dem Nervenkitzel am Pokertisch und am digitalen Roulette-Kessel wurde damit gleichermaßen der Garaus gemacht. Auch Live-Turniere oder Jackpots sucht man fortan vergeblich in der Welt der Online Casinos, da beides ebenfalls verboten wurde. Was demnach noch übrig bleibt, ist das Angebot von Online Slots, deren Vielfalt und technische Weiterentwicklung damit in der kommenden Zeit nochmals kräftig Aufwind bekommen dürfte. Schließlich soll die Klientel bei Laune gehalten werden und sich weiterhin über abwechslungsreiche Unterhaltung freuen dürfen.

Bei anderen Neuerungen hingegen lässt sich der umgesetzte Spielerschutz durchaus erkennen. So soll mithilfe eines Einzahlungslimits von 1.000 Euro monatlich verhindert werden, dass Spieler die Kontrolle über ihre Finanzen verlieren und sich um Haus und Hof zocken. Weitere Maßnahmen in diese Richtung wurden unternommen, indem der geldwerte Einsatz pro Spin auf einen Euro festgelegt wurde und nicht weiter nach oben variabel ist.

An verschiedensten Stellen greifen Maßnahmen, um das Spiel an sich zu verlangsamen, hierzu zählt auch die sogenannte 5-Sekunden-Regel. Damit die Slots nicht ununterbrochen mit dem nächsten Spieleinsatz gefüttert werden, sind Betreiber nun verpflichtet, zwischen jedem Spin eine automatische Pause von 5 Sekunden einzurichten. Diese soll dazu dienen, den nächsten Spielzug zu durchdenken, anstatt blindlings immer weiteres Spielguthaben zu verzocken. Und auch die bisher gerne genutzte Autoplay-Funktion wurde abgeschafft.

Zudem hat man das Anmeldeverfahren überarbeitet, sodass neue Spieler bei lizenzierten Anbietern ihre Identität nachweisen und damit ihre persönlichen Daten offenlegen müssen. Diese Daten wiederum helfen, die Sperrdatei OASIS aktuell zu halten. Die Anonymität beim Spiel bleibt jedoch aufgrund des selbst vergebenen Benutzernamens weiterhin gewahrt.

OASIS als übergreifender Lösungsansatz
Die Verpflichtung, den Spielerschutz durch die Einführung eines entsprechenden Sperrsystems zu unterstützen, war bereits schriftlich in einem der Paragrafen des Glücksspielstaatsvertrags festgehalten worden. Die Umsetzung erfolgte bereits einen Monat später mit der als OASIS (Onlineabfrage Spielerstatus) bezeichneten zentralen Spielerdatei. Wer als Betreiber das Lizenzverfahren durchlaufen hat, muss zwangsläufig damit verknüpft sein, um so sicherzustellen, dass kein zuvor gesperrter Nutzer Zugang zu seinen Spielangeboten erhält.

Somit verpflichten sich Anbieter, die Identitäten der Spieler zu prüfen und einen Abgleich vorzunehmen. Damit ein umfassender Schutz gewährleistet werden kann, sind also lizenzierte Spielbankbetreiber hier ebenso in der Pflicht wie Buchmacher oder gewerbliche Spielvermittler. Sämtliche bereits in der Vergangenheit von den einzelnen Behörden gesammelten Daten wurden in OASIS eingespeist, inzwischen sind aber auch schon jede Menge neue Datensätze hinzugekommen. Einmal dort angelegt, können alle zugriffsberechtigten Betreiber diese Spielerdaten jederzeit einsehen und ergänzen.

Selbstsperre und Fremdsperre
Weiß der Nutzer selbst um sein ausuferndes Spielverhalten, so kann er zur eigenen Sicherheit eine Selbstsperre einrichten lassen. Diese dauert für mindestens 3 Monate an, kann aber auch einen wesentlich längeren Zeitraum umfassen.

Fremdsperren werden entweder vom Betreiber selbst bei auffälligem Suchtverhalten eingerichtet oder aber durch eine Drittpartei beantragt. So haben beispielsweise besorgte Familienangehörige oder Gläubiger die Möglichkeit, dem Spieler effektiv einen Riegel vorzuschieben, sofern ausreichende Belege vorliegen. Allerdings kann der Betroffene zuvor Stellung beziehen und das Verfahren nimmt etwas Zeit in Anspruch. Auch für die Auflösung einer Sperre ist ein Prozess vonnöten, der eine schriftliche Antragstellung beinhaltet und erst nach einer gewissen Frist zur Aufhebung führt.

Leidenschaftliche Spieler, die dieses Szenario meiden möchten, finden inzwischen bereits Anbieter, die konkret damit werben, eben nicht an OASIS angeschlossen zu sein. Es handelt sich dabei größtenteils um Firmen, die weiterhin auf der Grundlage einer EU-Lizenz ihren Dienst anbieten, mitunter allerdings auch um solche, die vorsätzlich illegales Glücksspiel betreiben. (prm)

Agentur Artikel



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