Werbung

Nachricht vom 27.02.2022    

Leserbrief zur Demonstration in Neuwied gegen den Krieg in der Ukraine

LESERMEINUNG | In vielen deutschen Städten gab es am Samstag, dem 26. Februar Demonstrationen gegen den russischen Angriff auf die Ukraine, so auch in Neuwied, von der wir berichteten. Hierzu erreicht uns der nachfolgende Leserbrief.

Neuwied. Der Leserbrief hat folgenden Wortlaut: „Dass auf der Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine mehrere Redner eine Mitschuld der Nato nahelegten, war aus zwei Gründen deplatziert. Erstens bleibt auch durch eine derartige „Entlastung“ der Täter ohne Wenn und Aber der allein verantwortliche Täter, Aggressor. Und zweitens kam der Anstoß für die tatsächlich erfolgte Nato-Osterweiterung nicht aus dem Westen. Im konkreten 2+4-Vertrag über den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik ging es nur um den künftigen Status des DDR-Gebietes.

Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen konnten laut Vertrag der Nato zugewiesene deutsche, jedoch keine ausländischen Kräfte und auch keine Nuklearwaffen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR stationiert werden. Aus heutiger Sicht glauben viele, es sei doch klar, dass der Warschauer Pakt nach dem Beitritt der DDR nicht zu halten gewesen sei. Dass sich der Pakt neun Monate nach dem Beitritt der DDR auflösen würde, nahm damals jedoch noch nicht einmal Michail Gorbatschow an. Schließlich hatte auch der polnische Regierungschef 1990 Angst vor der deutschen Wiedervereinigung, so dass er auf jeden Fall die sowjetischen Truppen in Polen behalten wollte.

Dass ganz Deutschland NATO-Mitglied wurde, entsprang tatsächlich dem Wunsch Michail Gorbatschows und seines Außenministers Eduard Schewardnadse, dass das größere Deutschland durch die Nato eingehegt wird. Man versicherte dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, dass man ihm persönlich vertraue, aber schließlich nicht wissen könne, welche Leute in der Zukunft in Deutschland an der Spitze seien.



Als mitteleuropäische Länder dann in die Nato wollten, vereinbarte die Nato 1997 mit Russland die Grundakte, um das Sicherheitsverhältnis zu regeln, und die Stationierung von Atomwaffen in Nato-Beitrittsstaaten wurde ausgeschlossen. Der Sündenfall der Nato war danach aber tatsächlich, dass sie bei ihrem Bukarester Gipfel 2008 der Ukraine signalisierte, die Tür sei offen. Die deutsche Regierung konnte zwar den sofortigen Nato-Beitritt der Ukraine verhindern, musste aber den fatalen „Kompromiss“ hinnehmen.

Wahrscheinlich war keinem der Redner bewusst, dass 77 Jahre nach Auschwitz ein russischer Aggressor als oberstes Kriegsziel formuliert, einen Juden zu töten, den demokratisch gewählten Präsidenten der Ukraine. Ich denke, in Zukunft sollte beim Gedenken am 27. Januar nicht mehr allgemein von der Roten Armee gesprochen werden, sondern nicht nur Amnesty International sollte offen und präzise davon sprechen, dass die 322. Infanteriedivision der 60. Armee der 1. Ukrainischen Front am 27. Januar 1945 das KZ Auschwitz befreite.“
Siegfried Kowallek, Neuwied


Lokales: Neuwied & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

NR-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


AWO-Spende unterstützt neuen Bürgerbus in Unkel – Mobilität für alle Generationen

Ein neues Kapitel für soziale Teilhabe und Mobilität in der Verbandsgemeinde Unkel: Die AWO fördert mit ...

Prozess wegen mutmaßlichen Missbrauchs durch Großvater am Landgericht Koblenz vor dem Abschluss

Im Prozess gegen einen 63-jährigen Mann wegen des Vorwurfs des schweren sexuellen Missbrauchs seiner ...

A48 wird voll gesperrt: Brückenverschub bei Höhr-Grenzhausen steht bevor

Zwischen Dernbach und Bendorf/Neuwied kommt es am 10. und 11. Januar 2026 zu einer Vollsperrung der A48. ...

Mobile Arztpraxis bleibt vorerst in Neuwied im Einsatz

Nach der überraschenden Praxisschließung im vergangenen Jahr reagierte die Kassenärztliche Vereinigung ...

Rheinbrohler Spendenaktion bringt Freude ins Kinderheim nach Nigeria

Beim Weihnachtsmarkt in Rheinbrohl engagierten sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer besonderen ...

Kostenlose Schulbuchausleihe für das Schuljahr 2026/2027 im Kreis Neuwied

Eltern mit geringem Einkommen im Kreis Neuwied können auch dieses Jahr wieder von der kostenlosen Schulbuchausleihe ...

Weitere Artikel


Politischer Aschermittwoch SPD Rheinland wegen Krieg in Ukraine abgesagt

Aufgrund der akuten Lage im Osten Europas wird der erste Digitale Politische Aschermittwoch der SPD Rheinland ...

Wanderung rund um Nauort und Caan-Westerwald

Sylvia und Klaus Steinebach luden für den Sonntag am 27. Februar wieder zu einer Wanderung ein und 29 ...

Heckenschnitt: Schutzzeit beginnt

Morgen beginnt mit Erwachen des Frühlings wieder die Brutzeit der Vögel. Aus diesem Grund stellt der ...

Nicole nörgelt... über die große Frage nach dem "Was wäre, wenn...?"

Kennen Sie das "Was wäre, wenn"-Gefühl? Mich springt es immer aus dem Hinterhalt an, wenn etwas geschehen ...

Leben am Limes - Museumsbesuch in Bonn

Die Kreis-Volkshochschule Neuwied besucht am Samstag, dem 19. März, die Ausstellung „Leben am Limes“ ...

Alkoholisierte Fahrerin prallt gegen Telefonmast in Oberlahr

Eine Fahrerin verlor laut Polizeibericht in der Nacht von Samstag (26. Februar) auf Sonntag die Kontrolle ...

Werbung