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Nachricht vom 27.02.2022    

Alles klar, Herr Kommissar? - Zwei von uns: Yasmin und Alexander

Von Jörg Schmitt-Kilian

KOLUMNE | Obwohl ich die Frage mit "Nein" beantworte, habe ich diesen Song des Extremmusikers Falco als Überschrift für meine Kolumnen gewählt. Ich werde Geschichten aus dem Leben erzählen, Antworten auf Ereignisse im polizeilichen Alltag suchen und möchte Leser sensibilisieren, ihre eigene Haltung zu überprüfen und mit anderen zu diskutieren.

Zeichnung von Hannes Dietze.

Kolumne. Alles klar, Herr Kommissar? Klare Antwort. Gar nichts ist klar, denn vor meinen Augen flimmert verschwommen eine Situation, in der innerhalb weniger Sekunden das Leben von zwei jungen Menschen auf brutalste Weise ausgelöscht wurde. Nach der Ermordung von Yasmin (24 Jahre) und Alexander (29 Jahre), die in Ausübung ihres Dienstes getötet wurden, kann ich nicht zur Tagesordnung übergehen. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen, denn der Albtraum eines jeden Polizisten wurde für Yasmin und Alexander grausame Realität. Diese schreckliche Tat überlagert alle anderen dienstlichen Erinnerungen, über die ich künftig an dieser Stelle berichten werde und ich hoffe, der Blick zurück wird mich niemals mehr so emotional berühren wie die Zeilen, die ich heute schreibe, schreiben muss. Schreiben als Ventilfunktion. Man sagt, es helfe “sich Dinge von der Seele zu schreiben“. Dieser Mord hat (nicht nur) mich zutiefst berührt und ich spüre diese unbändige Wut und die grausamsten Rachefantasien jagen durch mein Gedankenlabyrinth. Aber Gedanken sind nicht strafbar. Würde ich meine Worte nicht mit der Tastatur des PC, sondern handschriftlich auf Papier schreiben, könnten Sie meine Tränenspuren erkennen.

Bei dieser “Hinrichtung“ – ja, so muss man es aufgrund der bisherigen Ermittlungsergebnisse wirklich benennen – tauchen vor meinem geistigen Auge unsere Verkehrskontrollen während der RAF-Zeit auf. Die dienstliche Vergangenheit ist plötzlich gegenwärtig wie niemals zuvor und mir wird beim Erinnern an gefährliche Situationen schlagartig bewusst, wieviel Glück wir damals hatten. Dennoch, wir sollten tunlichst vermeiden, jetzt darüber zu diskutieren, ob und wie man dies hätte verhindern können. Ich bin davon überzeugt, dass uns allen dies passieren konnte und noch könnte. “Strategen“, die es “im Nachhinein immer besser wissen“, obwohl sie ähnliche Situationen selbst nie erlebt haben, sollten “an Tagen wie diesen“ schweigen. Überlassen wir die Ermittlungen zum Tathergang der Sonderkommission, die mit viel Engagement versuchen wird “Licht in das Dunkel zu bringen“.



(Foto: Polizeipräsidium Westpfalz)

Diese grausame Tat hat nicht nur unvorstellbares Leid über Angehörige, Freunde und die ganze “Polizeifamilie“, sondern auch einen wahren “Tsunami des Mitgefühls“ weit über Deutschlands Grenzen hinweg ausgelöst. Auch wenn die überwiegende Mehrheit der Menschen, ungeachtet ihrer Nationalität und Herkunft, um diese beiden jungen Menschen, die für unsere Sicherheit ihr Leben gelassen haben, trauert, ist dies nur ein schwacher Trost für die Hinterbliebenen, für die nichts mehr sein wird, wie es einst war. Auch wir "Pensionäre" trauern, fühlen uns immer noch eng mit der "Polizeifamilie" verbunden und nicht nur ich, sondern viele "alte Kameraden" haben mehr als eine Träne vergossen. Wir sind in Gedanken bei den Hinterbliebenen und den jungen Kolleginnen und Kollegen, die Tag und Nacht für unsere Sicherheit sorgen und bewundern, wie sie trotz der heutzutage alltäglichen und zahlreichen "Anfeindungen" weiterhin engagiert ihren Dienst verrichten.

Eines ist klar. Yasmin und Alexander werden immer ZWEI VON UNS bleiben.



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