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Nachricht vom 19.01.2022    

Westerwälder Rezepte: Ein Huhn für drei Mahlzeiten

Von Helmi Tischler-Venter

Früher wurde nichts Essbares verschwendet, denn die Landbevölkerung investierte viel Arbeit in die Herstellung von Lebensmitteln. Entsprechend achtsam ging man damit um. Die Sparsamkeit in der Küche kreierte leckere Rezepte zur Resteverwertung, aber mitunter auch skurrile Erlebnisse, wie unsere Redakteurin berichtet.

Fotos: Wolfgang Tischler

Dierdorf. Unsere Redakteurin Helmi Tischler-Venter erinnert sich: Meine Großmutter, die den Haushalt führte, ging - ohne den Begriff zu kennen - immer sehr nachhaltig mit Lebensmitteln um. Ihre Hühner wurden daher erst geschlachtet, wenn diese keine Eier mehr legen konnten.

So geschah es, dass eines ihrer betagten Suppenhühner nach sechs Stunden Intensivkochen im Schnellkochtopf immer noch ungenießbar war. Selbst der hartnäckige Terrier musste den gummiartigen Vogel in einer Ecke des Flurs mit den Pfoten festkeilen, um zähes Gewebe abzureißen.

Lediglich, wenn wegen in der Familie grassierenden Erkältungen eine heilsame Hühnersuppe vonnöten war, „opferte“ Oma eins ihrer jüngeren, fleischigen Hühner. Dann gab es die leckere, kräftigende Hühnersuppe mit Fleischstücken und Nudeln. Das Rezept finden Sie hier.

Am folgenden Tag kam die Hühnerbrühe fast fleischlos als Vorsuppe auf den Tisch, denn meine Oma hatte das übriggebliebene Fleisch von den Knochen geschält und kleingeschnitten zu Frikassee verarbeitet. Mit Reis war auch dies eine leichte, sehr leckere Mahlzeit.

Zutaten für 4 Personen:
Etwa 600 Gramm Hähnchenfleisch
300 Gramm Möhren
200 Gramm Pilze (wahlweise Pfifferlinge oder Champignons)
150 Gramm Erbsen (tiefgekühlt)
3 Esslöffel Butter
3 Esslöffel Mehl
500 Milliliter Hühnerbrühe
150 Milliliter Sahne
Salz, Pfeffer
1 Teelöffel Zitronensaft
1 Teelöffel Worcestersauce
250 Gramm Langkorn- oder Basmati-Reis

Zubereitung:
Hähnchenfleisch in kleine, gleichmäßige Stücke schneiden. Möhren schälen und in dünne Scheiben schneiden. Pilze putzen oder bei Konserve-Pilzen den Saft abgießen.

Inzwischen Reis kochen:
Reis mit 450 Milliliter Wasser und einem gestrichenen Teelöffel Salz zum Kochen bringen. Auf mittlerer Stufe etwa 20 Minuten kochen lassen, damit der Reis aufquillt und das Wasser verkocht. Hin und wieder umrühren, damit der Reis nicht anbrennt.



Butter in einen Topf geben und schmelzen. Sobald die Butter flüssig ist, das Mehl dazugeben und mit dem Schneebesen so lange rühren (etwa 2 Minuten), bis eine goldgelbe Mehlschwitze entsteht. Nach und nach die Hühnerbrühe dazugeben, dabei ständig mit dem Schneebesen weiterrühren, damit keine Klümpchen entstehen. Sahne einrühren, alles einmal aufkochen und kurz köcheln lassen.

Erbsen, Möhren und Pilze zugeben und zusammen mit dem Hähnchenfleisch etwa 5 Minuten köcheln lassen, sodass Erbsen und Möhrenscheiben danach noch Biss haben.

Alles mit Salz, Pfeffer, Zitronensaft und (nach Belieben) mit Worcestersauce oder trockenem Weißwein abschmecken.

Vier Tassen leicht einölen, mit einem Löffel den Reis gleichmäßig einfüllen und andrücken. Reis auf vier Teller stürzen, mit frischer, geschnittener Petersilie bestreuen und Frikassee um den Reis drapieren.

Die vielköpfige Familie langte kräftig zu und ließ von dem Frikassee wenig übrig. Wenn aber noch Reste des Hühnerfrikassees vorhanden sind, können damit Königinpasteten gefüllt werden. Das ergibt das dritte leckere Gericht aus dem Suppenhuhn.

Zutaten:
4 fertig gekaufte Königinpasteten
Etwa 200 Gramm Hühnerfrikassee
1 bis 2 Esslöffel trockener Weißwein (nach Geschmack)
1 bis 2 Esslöffel Schlagsahne
Salz, Pfeffer

Zubereitung:
Hühnerfrikassee mit Weißwein und Sahne verfeinern. Sehr fein sind auch Spargelspitzen im Frikassee. Füllung noch einmal mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Deckel mit einem Küchenmesserchen aus den Pasteten schneiden und beiseitelegen. Pasteten gleichmäßig mit Frikasseemasse füllen, Deckel aufsetzen. Pasteten auf der mittleren Schiebeleiste des Backofens bei 180 Grad Umluft etwa 15 bis 20 Minuten lang backen. (htv)

Guten Appetit

Falls Sie auch ein leckeres Rezept für uns haben, schicken Sie es uns gerne an redaktion@nr-kurier.de. Bitte mit selbst geschriebenem Text und mindestens einem eigenen Foto. Vielen Dank!


Mehr dazu:   Westerwälder Rezepte  
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