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Nachricht vom 02.12.2021    

Mit Nadel und Faden gegen die Armut

Frauen fördern, Kinder stärken: Mit Nähkursen gewinnen Mütter im ländlichen Indien finanzielle Unabhängigkeit und sichern so die Lebensgrundlage ihrer Familien.

Die Frauen lernen unter anderem, richtig Maße zu nehmen und Schnittmuster herzustellen. Fotos: privat

Windhagen. Berufliche Bildung macht Frauen und ihre Familien stark. Im indischen Rentachintala beweist dies das neuste Projekt der Aktionsgruppe Kinder in Not e.V., das sich an kinderreiche oder verwitwete Mütter in Armut richtet. In einem zweiwöchigen Intensivkurs lernen die Frauen unter anderem, richtig Maße zu nehmen und eine Nähmaschine zu bedienen. Mit dem erlernten Handwerk können sie Kleidung reparieren, produzieren und auf den lokalen Märkten verkaufen.

Die Heimarbeit ist gerade in Rentachintala besonders wichtig: In der abgelegenen Region gibt es außerhalb der Landwirtschaft kaum Einkommensmöglichkeiten. „Unsere Projektpartner vor Ort begannen besonders während der Corona-Krise mehr und mehr nach Lösungen zu suchen, um die Familien in der Gemeinde finanziell abzusichern und vor dem Hungern zu bewahren. So entwickelte sich der Nähkurs für die Frauen in der Region“, berichtet Gisela Wirtgen, 1. Vorsitzende und Gründerin der Aktionsgruppe. Mit den Kursen gewinnen die Frauen wichtige finanzielle Unabhängigkeit und tragen zudem zum Lebensunterhalt der Familie bei. Am Ende des Kurses und nach bestandener Abschlussprüfung erhalten die Teilnehmerinnen eine einfache Nähmaschine und einen Grundstock an Material und Stoffen.

„Das Absolvieren des Nähkurses war für mich und meine Familie die Rettung. Ich konnte lernen, wie man Körpermaße nimmt, eine Nähmaschine bedient und das Genähte verkauft. Heute kann ich Geld für die Familie dazu verdienen“, erzählt Indhu. Die 35-jährige, dreifache Mutter ist eine von aktuell zehn Absolventinnen, die an dem Fortbildungskurs teilnimmt. Der Lohn ihres Mannes reichte nicht aus, um die monatlichen Ausgaben zu decken oder gar die Kinder zur Schule zu schicken. Als Tagelöhner verdiente dieser nur wenig und die Coronapandemie erschwerte die Lage der Familie zusehends. Zuletzt musste auch ihr zwölfjähriger Sohn auf den Feldern mit anpacken, um das nackte Überleben der fünfköpfigen Familie zu sichern.



Indhu hat mit der Heimarbeit nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch ein großes Stück Selbstwertgefühl gewonnen: „Jetzt kann ich dank der Ausbildung von Zuhause arbeiten und zeitgleich auf meine Jüngsten aufpassen. Noch dazu bin ich flexibel und kann, wann immer ich die Zeit finde, diese zum Nähen nutzen.” Durch nachhaltige Maßnahmen wie diese wird sich nicht nur das Leben von Frauen wie Indhu, sondern auch das ihrer Kinder nachhaltig verändern.

Für Projekte im Bereich Aus- und Fortbildung in Rentachintala benötigen die Aktionsgruppe dringend Unterstützung, um noch weiteren Kindern, Frauen und Familien die Chance auf eine bessere Zukunft zu geben.


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