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Nachricht vom 27.11.2021    

Werke des bekannten Künstlers Horst Janssen in der "StadtGalerie" Neuwied

Von Helmi Tischler-Venter

Ein Schmankerl für Kunstfreunde ist die am 25. November eröffnete und bis 22. Februar 2022 laufende Ausstellung mit Farbradierungen des genialen Zeichners, Grafikers, Autors, Plakatkünstlers, Illustrators und Fotografen Horst Janssen aus der Sammlung Ralf Mohr.

Grafiken von Horst Janssen in der StadtGalerie Neuwied. Fotos: Wolfgang Tischler

Neuwied. Mit seinen Zeichnungen, Aquarellen, Gouachen, Radierungen, Holzschnitten und Lithographien gilt der am 14. November 1929 in Hamburg geborene Janssen als einer der herausragendsten und produktivsten Zeichner und Grafiker des 20. Jahrhunderts. Er wuchs in Oldenburg auf, wo er bereits als Schüler durch sein Zeichentalent auffiel. Bei Kriegsende, nach dem Tod von Mutter und Großeltern, nahm seine Tante den jugendlichen Janssen zu sich nach Hamburg. Nach seiner künstlerischen Ausbildung an der Landeskunstschule startete seine erfolgreiche künstlerische Laufbahn. Janssen, der exzessiv lebte und arbeitete und als Exzentriker und Egomane verschrien war, gelangte zu Weltruhm.

93 Bilder, einen kleinen Teil der immensen Arbeit Horst Janssens stellt der Sammler der Galerie zur Verfügung. Die figürlich gestalteten Radierungen, überwiegend mit zwei Platten gedruckt, zeigen die Vielseitigkeit und Intensität des Künstlers in seinen letzten Schaffensjahren. Die selbstzerstörerischen Tendenzen des von Alkohol und sexuellen Ausschweifungen gezeichneten Menschen sind in seinen Selbstportraits gnadenlos ehrlich festgehalten.

1990 war ein Schicksalsjahr für Janssen: Am 19. Mai stürzte er durch die Bretter des morsch gewordenen Balkons vor seinem Haus in die Tiefe. Die Säure aus den Radierwannen verätzte seine Augen, Janssen drohte zu erblinden. Seine neue Freundin Heidrun Bobeth begleitete Janssen in der Zeit der Heilung und inspirierte ihn zu einer 100 Landschaftsaquarelle umfassenden Serie. Daraufhin wurde Janssen mit dem Oldenburg-Preis der Oldenburgischen Landschaft ausgezeichnet.

Landschaften begegnen dem Besucher gleich zu Beginn der Ausstellung in den Werken „Alter Mann träumt Landschaft“ und „Theorie einer Wiese“. Der dunkel dargestellte „Schäferbaum“ wirkt durch die Farbgebung bedrohlich, anmutig dagegen sein kleines Werk „Selbst als Angler“.

Drei Bilder aus der Serie „5“ zeigen ein ganz anderes grafisches Genre als die Portraits, die im Jahr 1992 zunehmend sexistisch, aber auch selbstkritisch werden. Passende Titel wie „Das Elixir - Alkohol“, „Der Eselskuss - Eros, Tod und Maske“ oder „Die Novizin - Annettchen lachen“ bestätigen den Eindruck. 1993 fertigte er die bösartige Radierung „Einem Journalisten wird das Maul gestopft“.



Offenbar hatte Janssen eine fatalistische Einstellung oder Todesahnung. 1989 erschien das ausgeglichene Motiv „Janssen mit Lydia“, seiner Katze, aber in den folgenden Jahren portraitierte er sich „selbst mit Tod und Warzenschwein“ und „selbst mit Tod und Affe“.

Jeweils einen Stilwandel unternahmen die „Pforzheim Connection“ und drei Platten „Hexenlust“. Auf der Galerie reihen sich Portraits aneinander. Es handelt sich um den aus 17 Exponaten bestehenden Radierzyklus „Caprice 2 – Kapriolen zu einem Weinetikett des Baron Phillipe de Rothschild“ für das Weinhaus „Mouton Rothschild“. Sich selbst stellt er in Rötelrot mit Pappnase und Rotweinglas dar.

Vier im Jahr 1992 in Din A4-Größe entstandene Blätter sind betitelt: „Hamburg zittert“, „An Hallermann“, „Journaille“ und „Die Sau soll leben“. In der Arbeit „Stiefmütterchen“ aus 1993 findet sich in der Mitte der Blume ein Kopf und fünf gebrechliche oder behinderte knochige Gestalten versinnbildlichen „Deutsches Krankenhaus Museum Oldenburg“ aus dem selben Jahr.

Dagegen wirken die kleineren Arbeiten „Auge in Landschaft“ und „Schneelandschaft“ angenehm ruhig und sensibel.

1995 starb Janssen nach mehreren Schlaganfällen am 31. August und wurde auf dem Gertruden-Kirchhof in Oldenburg beigesetzt.

Das Neuwieder Weihnachtsgeschenk der besonderen Janssen-Ausstellung sollte man genießen. Öffnungszeiten der "StadtGalerie": Mittwoch bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 12 bis 18 Uhr, Gruppen nach Vereinbarung. Infos und Anmeldung (empfohlen, da begrenzte Anzahl von Plätzen), Telefon 02631 206 87 (Galerie) oder 02631 802 494 (Büro), E-Mail: stadtgalerie@neuwied.de. Ein Besuch der Ausstellung ist nur nach der 2 G-Regel und einer Kontaktdatenerfassung möglich. Des Weiteren gelten die aktuellen Hygieneregeln. (htv)




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