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Nachricht vom 27.11.2021    

Jahreskunstausstellung im Roentgen-Museum kann besichtigt werden

Von Helmi Tischler-Venter

Das Roentgen-Museum Neuwied geht mit gutem Beispiel voran und vermeidet wegen der momentanen Corona-Situation größere Menschenansammlungen, indem es auf die geplante Eröffnungsfeier der Ausstellung „Gemälde, Grafiken und Plastiken zeitgenössischer mittelrheinischer Künstler“ verzichtet. Die Ausstellung selbst ist aber bis 30. Januar im Roentgen-Museum zu besichtigen.

Fotos von der Ausstellung Wolfgang Tischler

Neuwied. In diesem Jahr wurden von 86 Künstlern aus der Region 276 Arbeiten eingereicht. Eine Fachjury wählte davon 63 Arbeiten aus, die die Bereiche Grafik, Fotografie, Skulptur und Objekt repräsentieren. Seit 75 Jahren glänzt die Jahreskunstausstellung durch Vielfalt. Das gilt für die Techniken ebenso wie für die Motive. Im Flur sieht sich der Besucher mit einem riesigen Portrait Greta Thunbergs konfrontiert. Die Arbeit Ali Zülfikars wurde zwischenzeitlich von Unbekannten überarbeitet mit weißem Mund-Nasenschutz und dem Schriftzug „Geil, Maske“.

Ein von Günter Bruchof in Mosaik-Technik gewelltes Küchenhandtuch liegt neben vier tanzenden Hüten, einer Installation von Gummikörpern auf Stahlblech von Rita Ternes. Geschweißtes und gerostetes Eisen betitelt Uta Weiler „Zackzack“. An der Wand dahinter hängt ein Portrait in altbekannter Kalligrafie-Technik mit politischer Aussage: „Die Unbeugsame“ ist Ruth Bader Ginsburg, ehemalige Richterin des Supreme Court, portraitiert mit dem Text der Verfassung der USA. Auf der gegenüberliegenden Wand erinnern die „lebenden Kulturen“ von Sabine Hack an Corona-Mutanten.

Erschreckend und befremdlich, vielleicht sogar frauenfeindlich wirkt Ole Hills Fotoplastik „VW 1“ Dem Betrachter drängt sich die Frage auf: Ist ein Unfallauto zeitgemäße Kunst?
Das großformatige Bild zeigt einen VW-Käfer aus den 70er Jahren, der einen Unfall hatte. Die Beifahrerseite ist sehr mitgenommen, die Windschutzscheibe gesplittert mit Löchern, der Kühler verbeult und das Dach leicht gefaltet. Der Aufprall, worauf auch immer, war heftig. Die Fahrertür steht offen, daneben ein einzelner Frauenschuh, der auf den ersten Blick nicht zum Fahren geeignet erscheint. In den 60er und 70er Jahren gab es im Fernsehen die Sendung „Der 7. Sinn“. Hierin wurden unter anderem die Frauen gewarnt, mit solchen Schuhen Auto zu fahren. Die Dame, so suggeriert es das Bild, hat sich offenbar nicht daran gehalten und schien offensichtlich bei dem Unfall schwer verletzt worden zu sein. Der Rettungsdienst hatte es eilig, sonst wäre der Schuh nicht liegengeblieben. Es ist eine Fotoplastik mit Karton und Papier auf einer sehr großen Hartfaserplatte. Handwerklich ist das Bild gut gemacht. Es stellt sich für den Betrachter die Frage: „Kann man das Leid einer Person als Kunst erklären?“. Die Jury für die Kunstausstellung war offenbar dieser Meinung, sonst wäre das Bild nicht in die Ausstellung gekommen.



Silvia Klein fragt angesichts ihrer weißen Scherenschnittbilder auf hellblauem Grund „Kann Natur Heimat sein?“ „Tägliches Ritual“: Zarte Arbeiten, von Anja Rihm mit Teefiltern, Schwarztee, Draht und Gelstift gearbeitet, füllen die Vitrine gegenüber des großformatigen Leinwandbildes „Klingeling“, eines Narren mit Schellenkappe des Malers Mario Jorge da Cunha Machado. Andreas Bruchhäuser hat den Schlosspark Namedy pastelliert, Gerhard Wienss malte Savigny im Burgund in Öl und Adelheid Wollinsky stellt eine Sepia-Zeichnnung von Hammerstein aus. Das radierte Labyrinth ist das Markenzeichen Ulrich Christians.

„Hatschi“ ist der Titel lustiger kleiner Figürchen aus Ton von Siv Dibowski. Barbara Friebs Papierarbeit „Bewegung“ kommt durch ihren Schatten auf einer weißen Platte zur Geltung. Ebenso werden die „Tomaten“ aus Acryl von Uschi Lerner durch einen Spot zum Leuchten gebracht. Davor präsentiert ein Glasdom eine Installation mit Vase, Hirsch, Hase und Gläsern von Thomas Naethe. Andreas Pacek hält das Waldsterben fotografisch fest und Katrin Wolf stellt „von der Rolle“ aus, eine Gouache auf grob abgeschnittener Leinwand, bedeckt mit Figuren im Janssen-Stil.

Es gibt noch eine Menge mehr zu entdecken in der diesjährigen Jahreskunstausstellung im Roentgen-Museum Neuwied. Dessen Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Freitag11 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr, samstags freier Eintritt. 24. bis 27. Dezember und 31. Dezember bis 3. Januar sowie montags geschlossen. Alle Ausstellungsräume sind barrierefrei erreichbar.

Es gilt die 2G-Regel. Über eventuelle Änderungen informiert die Website des Roentgen-Museums: www.roentgen-museum-neuwied.de. (htv)


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