Werbung

Nachricht vom 05.10.2021    

Leserbrief zu „Potenziale von jungen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“

LESERMEINUNG | Über „Erfolge von Migranten und die Verkennung ihrer Potenziale“ sprach Professor Hacı-Halil Uslucan in der vergangenen Woche bei einem Vortrag im Bendorfer Rathaus. Hierzu schreibt unser Leser Kowallek den nachstehenden Leserbrief:

Bendorf. „Der Vortrag von Professor Hacı-Halil Uslucan hätte auf jeden Fall ein noch größeres Publikum verdient beziehungsweise sollte dieser Referent auch in anderen Kontexten mit größerer Breitenwirkung eingeladen werden, bedeutete sein Vortrag doch einen überzeugenden Perspektivwechsel weg vom AfD-affinen Zusammenhang Migrationshintergrund und Kriminalität hin zum Problematisieren der Verkennung von Potenzialen bei Kindern türkisch-arabischer Abstammung, was er stringent durch einen Einblick in Ergebnisse der empirischen Psychologie überzeugend untermauerte.

Zum Teil sind diese Ergebnisse ja auch vollkommen naheliegend wie der Pygmalion-Effekt. Die vorweggenommene Einschätzung eines Schülers wirkt sich dergestalt auf dessen Leistungen aus, dass sie sich bestätigt. Wenn man jemanden für dumm hält, bemüht man sich nämlich nicht um ihn, fragt auch nicht nach, wie eine ungewöhnliche Antwort entstanden ist. Dazu brachte der Referent etwa das Beispiel, dass ein Junge mit Migrationshintergrund auf die Frage, wie lange man für einen Purzelbaum brauche, geantwortet habe: eine Stunde.

Auf Nachfrage habe es sich herausgestellt, dass der Junge das Wort „Purzelbaum“ nicht gekannt habe, sich jedoch vorgestellt habe, es könnte eine Stunde dauern, bis man einen Baum gefällt habe. Als Beispiel für Verkennung berichtete er ja auch von einem Jungen, der eine sehr elaborierte Sprachverwendung in der Muttersprache hatte, aber nur ein rudimentäres Deutsch sprach. Auf der anderen Seite ist es naheliegend, dass ein Lehrer sich bei einem Schüler, den er eigentlich für gut hält, um intensive Interaktion bemüht und diesen fördert, wenn er schwächelt.



Der Referent selbst hatte ja das Glück gehabt, in Berlin zur Schule zu gehen, wo eine Spreizung der weiteren schulischen Karriere erst nach sechs Jahren erfolgt, sodass er zwei Jahre mehr Zeit gehabt habe, sich in der deutschen Sprache einzufinden und dann mit Erfolg auf einem Gymnasium das Abitur zu machen. Wäre er in unserem Bundesland zur Schule gegangen, hätten wir auf diesen großartigen Vortrag wohl verzichten müssen, weil der Referent mit einer höheren Wahrscheinlichkeit nicht die Möglichkeit gehabt hätte, sein Potenzial auszuschöpfen.“
Siegfried Kowallek, Neuwied


Mehr dazu:   Lesermeinung  
Feedback: Hinweise an die Redaktion

NR-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Angriff auf 14-Jährigen vor Kirche in Dierdorf

Ein 14-jähriger Junge wurde am Freitagmittag (9. Januar) in Dierdorf Opfer eines Angriffs. Zwei junge ...

Einfach köstlich: Schokoladen-Event für Genießer in Neuwied erleben

Das Café am Kirchplatz in Neuwied lädt zu einem besonderen Nachmittag ein. Die Besucher erwartet neben ...

Starke Frauen im Fokus: Filmvorführung und Diskussion in Neuwied

Am Freitag, 23. Januar, bietet eine besondere Filmveranstaltung in Neuwied die Gelegenheit, Geschichten ...

Kreis Neuwied: Informationsabend zum Abitur und zur Fachhochschulreife der berufsbildenden Schulen

Die Alice-Salomon-Schule (ASS), die David-Roentgen-Schule (DRS) und die Ludwig-Erhard-Schule (LES) laden ...

Unfall auf der B49 führt zu Stau und Straßensperrung

Ein Verkehrsunfall auf der B49 bei Koblenz sorgte am Freitag (9. Januar) für erhebliche Verkehrsbehinderungen. ...

Nicole nörgelt . . . über sinnlose Böllerei und ihre Folgen

Von der ursprünglichen Tradition, das Neue Jahr mit Feuerwerk und Fröhlichkeit zu begrüßen, ist leider ...

Weitere Artikel


Finissage im Roentgen-Museum Neuwied am Sonntag, 10. Oktober

Zurzeit zeigt das Roentgen-Museum Neuwied die Ausstellung „Verwandlungsmöbel – Elmar Hermann, Ani Schulze ...

Schlägerei vor dem Polizeigebäude und Fahrraddiebstahl

Die Beweisführung eines Körperverletzungsdelikts vor dem Polizeigebäude war für die Polizei Straßenhaus ...

Kindertagesbetreuung in Bad Honnef

Die Stadt Bad Honnef setzt sich für gute Bildungs- und Entwicklungschancen von Kindern ein. Kindertageseinrichtungen ...

Mitgliederversammlung CDU Bendorf

Am 10. September 2021 fand die Mitgliederversammlung des CDU-Stadtverbandes Bendorf statt. Nach längerer ...

Ehrengarde der Stadt Neuwied wählt neuen Vorstand

„Wahltag“ bei der Ehrengarde der Stadt Neuwied - im Rahmen der Korpsversammlung des Aktiven Korps und ...

Unfallflucht am Media-Markt Neuwied - Zeugensuche

Am Dienstag, dem 5. Oktober beschädigte ein derzeit noch unbekannter Fahrzeugführer oder eine Fahrzeugführerin ...

Werbung