Werbung

Nachricht vom 27.07.2021    

Podiumsdiskussion: Generation Corona-Kita, Schule und Ausbildung

Zu der Podiumsdiskussion „Generation Corona-Kita, Schule und Ausbildung: alles auf Anfang?“ hatte der Arbeitskreis Soziales der Kreisgrünen Neuwied eingeladen.

Foto: privat

Neuwied. Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf Kita, Schule und Ausbildung? Darüber wollte der Grüne Bundestagskandidat für Neuwied und Altenkirchen Kevin Lenz mit dem Landesschülerinnensprecher Pascal Groothuis, mit dem Vertreter für Soziales und Kitas Bürgermeister Peter Jung, mit dem Vertreter einer Berufsbildenden Schule Michael Collins, mit der Vertreterin der IHK Neuwied, Geschäftsführerin Kristina Kutting und dem Vertreter der GEW Axel Karger diskutieren. Die rheinlandpfälzische Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration lieferte dazu einen Gastbeitrag, und der Jugendpolitische Sprecher der Grünen Landtagsfraktion MdL Fabian Ehmann war online zugeschaltet.

Katharina Binz führte anschließend in ihrem Grußwort aus, dass für die Entwicklung und Entfaltung der Kinder und Jugendlichen auch in der Corona-Pandemie gesorgt werden müsse. Sie seien seit über einem Jahr Leidtragende der Krise, da sie oft allein zu Hause - ohne Betreuung – ihren schulischen Pflichten nachkommen müssten, ohne persönlichen Kontakt zu Freunden zu haben.

Kevin Lenz, selbst Lehrer einer integrierten Gesamtschule, wies darauf hin, dass Kita - und Schulkinder oft zu Hause nicht ausreichend betreut werden könnten, da deren Eltern entweder selbst im Home-Office oder außer Haus arbeiten müssten und häufig von Existenzängsten geplagt seien.

Moderator Holger Wolf leitete die anschließende Diskussion mit offenen Fragestellungen und setzte erste Schwerpunkte.

Defizite der deutschen Bildungssituation, die über neuere OECD-Studien sogar einen Rückgang bei den digitalen Lesekompetenzen attestierten, wurden ebenfalls thematisiert.

Das wegen fehlender Notfallkonzepte nicht nur Eltern und Schüler überfordert waren, sondern insbesondere auch die Lehrerschaft und viele weitere Bildungsbeteiligte, wie die Kitas und die IHKen, zeigte unter dem Brennglas Corona die Gefahren des deutschen Status quo schonungslos auf.

Das sogar leistungsstarke Schüler mit entsprechender Unterstützung in dieser Krise Entwicklungssprünge erzielen konnten, überraschte auch an einigen Diskussionspunkten.

So wurde auch das Wahlalter ab 16 Jahren als demokratiefördernde Konsequenz aus dieser Krise diskutiert und mündete in den Erwartungshaltungen an die Kinder- und Jugendentwicklung bereits ab der Kita. Heute haben in den Schulen die Religionsunterrichte mehr Wochenstunden als zum Beispiel der Sozialkundeunterricht, wie überhaupt der Vorbereitung auf den Lebensalltag kein Raum gegeben wird.

Pascal Groothuis wiederum war der Auffassung, Kinder müssten selbständig die schwierige Situation zwischen Wechsel- und Fernunterricht überstehen. Politiker entscheiden für sie. Sie werden nicht an der Bewältigung ihrer Probleme beteiligt. Aber sie benötigten Anerkennung und Hilfe von Seiten der Politik.



Axel Krager knüpfte an und betonte, die Kinder benötigten längeres gemeinsames Lernen, und es müssten Alternativen zu den bestehenden Unterrichtsformen entstehen. Auch Kinder aus einkommensschwachen Familien sollten Möglichkeiten haben, um die technische Ausstattung für Fernunterricht zu erlangen.

Peter Jung betonte, dass Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt unserer Gesellschaft gesetzt werden müssten. Mit einem Sozialraumbudget soll eine Konzeption des Jugendamtes in Neuwied umgesetzt werden.

Michael Collins sagte, dass Kinder bereits ab dem Grundschulalter politische Bildung erfahren sollten, damit sie an den Problemlösungen beteiligt werden könnten. Er plädierte - wie viele andere Podiumsteilnehmerinnen auch - für das Wahlalter ab 16 Jahren.

Fabian Ehmann schloss sich dieser Forderung an und begründete sie damit, dass Kinder und Jugendliche durch verschiedene Gruppierungen, wie Jugendbeiräte oder die „Fridays for Future“ - Bewegung, früh politisch geschult und somit zur Stimmabgabe befähigt würden.

Schließlich bemängelte Kristina Kutting, dass Fernunterricht zwar in den kaufmännischen Ausbildungsberufen möglich sei, nicht aber im gewerblichen Bereich.

Ein ähnliches Bild zeigte sich im Publikum.
Innerhalb der allgemeinen Diskussionsrunde, an der sich Erzieherinnen, Lehrerinnen, Mitarbeiterinnen des Diakonischen Werkes und die Mitarbeiterin des Kinder- und Jugendbüros Sonja Jensen beteiligten, war man sich einig, dass Erziehung und Bildung, die in der Kita beginnen und in der Grundschule fortgesetzt werden, wichtig sind, um demokratische Lebensformen zu erlernen und Rechte kennenzulernen, die in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen festgelegt sind. Man sprach sich dafür aus, dass Kinder und Jugendliche Förderung benötigten, um mitzubestimmen und zusammen mit ihren Familien auch Krisen bewältigen können.

In seinem Schlusswort führte Kevin Lenz aus, dass nachhaltig mehr Gelder fließen müssten, um nicht nur Bildungsdefizite auszugleichen, sondern auch psychische Probleme behandeln zu können, die durch längere Kontaktlosigkeit bei den Kindern, und Existenzängsten bei Eltern, entstanden seien. Dauerhaft müssten Strukturen geschaffen werden, um vor allem Kindern und Jugendlichen in und aus einer Krise zu helfen.
(PM)


Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Neuwied auf Facebook werden!


Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus der Politik


Fairtrade feiert Geburtstag - Bad Honnef feiert mit

Bad Honnef. Bewegungen, die Klimaschutz und Nachhaltigkeit verstärkt in den Blick rücken, senden da einen klaren Denkanstoß. ...

Neues Sportgelände für das Werner-Heisenberg-Gymnasium

Neuwied. Mehrzweckspielfeld, Laufbahn, Sprung- und Kugelstoßanlage, ein blitzsauberes Beachvolleyballfeld: Das Werner-Heisenberg-Gymnasium ...

Erinnerung an Atomwaffen-Verbotsvertrag in Neuwied

Neuwied. Vor einem Jahr war der von einer Staatengemeinschaft in den Vereinten Nationen beschlossene Vertrag in Kraft getreten ...

Stadtrat Bad Honnef tagt

Bad Honnef. Um den Besucherverkehr zu regeln, ist es erforderlich, dass die Besucher sich bei der Verwaltung anmelden - Kontakt: ...

Kinderfreundliche Kommunen fordern Krisenkonzepte

Neuwied. Die Stadtvorstände von bundesweit 35 kinderfreundlichen Städten und Gemeinden haben auf einem Treffen unter anderem ...

Umleitung in Engers: SPD fordert Tempo 10 in Wohngebieten

Engers. Aufgrund der Langzeitbaustelle "Bendorfer Straße" wird der gesamte Verkehr innerorts durch die Wohngebiete umgeleitet, ...

Weitere Artikel


15 Jahre treue Spenden vom TUS Rossbach für Gundlach-Stiftung

Raubach/Rossbach. So auch in diesem Juli, als die Truppe um Vorsitzenden Bernd Nöllgen trotz starker Regengüsse drei geführte ...

140 Jahre Grundschule Rheinbreitbach

Rheinbreitbach. Zügig haben die Arbeiter einen Backstein auf den anderen gemauert. Dringend ist die Fertigstellung des neuen ...

Gemeinsam Online-Banking entdecken

Neuwied. „Einige unserer Kundinnen und Kunden sind an den Online-Angeboten sehr interessiert, haben aber bisher noch nicht ...

Benefizkonzert in Bad Honnef für die Flutopfer

Bad Honnef. Ein weiteres Zeichen der Solidarität über den Rhein und die Landesgrenzen hinweg setzt die Stadt Bad Honnef mit ...

Generationenwechsel in der städtischen Musikschule Neuwied

Neuwied. Beatrice Borm-Bürgstein unterrichtete seit Beginn vor 48 Jahren das Instrument Gitarre. Ihr verdanken Generationen ...

Mit der neuen Assistierten Ausbildung gelingt der Berufsabschluss

Neuwied. Viele Ausbildungsstellen könnten derzeit noch im Agenturbezirk der Arbeitsagentur Neuwied besetzt werden. Dennoch ...

Werbung