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Nachricht vom 18.07.2021    

Nicole nörgelt… über die Sprachlosigkeit angesichts der Katastrophe

Von Nicole

KOLUMNE | Zu meckern gibt es ja immer was. Was habe ich mich an dieser Stelle schon aufgeregt, über „Covididioten“, Verschwörungstheoretiker, sogar über meine miesepetrigen Nachbarn, Klamottenfehlkäufe und die Verkupplungsversuche meiner Freundinnen. Im Alltag kommt einem all das so wichtig vor, so bedeutend. Und dann kommt die Natur und zeigt einem, was eine richtige Katastrophe ist.

(Symbolfoto)

Wir haben alle die Bilder aus dem Überflutungsgebiet gesehen, die Schreckensnachrichten gehört. 110 Todesopfer und 670 Verletzte im Kreis Ahrweiler meldeten die Behörden am Sonntag. Völlig zerstörte Ortschaften, Schlamm überall, eingestürzte Häuser, zerstörtes Hab und Gut, Menschen in Notunterkünften, die alles verloren haben. Unser angenehmes Leben mit sauberem Wasser aus der Leitung und jederzeit Strom aus ungezählten Steckdosen, ein sauberes Bett unter einem trockenen Dach… Alles weg.

Wenigstens rücken jetzt alle zusammen. Unzählige Helfer, Freiwillige nicht nur in den großen Hilfsorganisationen, Spender reichen Hände, packen an, geben, was sie haben. Ich habe auch schon Lebensmittel und Hygieneartikel zu einer Sammelstelle gebracht und eine Überweisung auf ein Spendenkonto gemacht, das kratzige Gefühl im Nacken, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Aber wenn viele etwas Kleines tun, vielleicht ist es dann unter dem Strich doch etwas Großes?



Ist es grausam, zu sagen, dass ich dankbar bin, in einem Gebiet zu wohnen, wo (fast) nichts passiert ist? Dieser Gedanke ist mir gekommen und ich schäme mich dafür. Deshalb will ich lieber den Mund halten. Kein Genörgel heute. Kein launiges Gemecker über den Alltagswahnsinn und auch kein betroffenes Geheuchel. Was bleibt, ist eine gewisse Demut und der ehrliche Wunsch, dass die Betroffenen sich in der Katastrophe nicht alleingelassen fühlen und es wieder aufwärts gehen wird.

In diesem Sinne,
bleiben Sie gesund.
Ihre Nicole


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