Werbung

Nachricht vom 07.06.2021    

Sägewerker beantworten Fragen zum derzeitigen Holzmarkt

Von Helmi Tischler-Venter

Weil zurzeit im Westerwald massenhaft Rundholz eingeschlagen und abtransportiert wird, gleichzeitig der Schnittholzpreis aufgrund von Holzmangel gestiegen ist, befragten die Kuriere drei große regionale Holzverwerter nach ihren Meinungen.

Symbolfoto

Region. Über die grundsätzliche Unterscheidung von Rundholz und Schnittholz und die verarbeitungstechnische Ausrichtung der Betriebe haben wir berichtet. Wir haben den Geschäftsleitungen fünf Fragen gestellt, die alle ausführlich beantwortet haben:

Wie kommt Ihr Betrieb, der viel Holz benötigt, mit der derzeitigen Situation zurecht?

Alle Betriebe steigern ihre Einschnittkapazität durch Überstunden, Samstagsarbeit oder Betriebserweiterung. Da damit die Nachfrage, die bis zum Doppelten des Vorjahresbedarfs liegt, immer noch nicht befriedigt werden kann, ist van Roje gezwungen die Verkaufsmengen zu kontingentieren, um alle Stammkunden mit verfügbaren Zusatzmengen zu bedienen. Die Märkte würden durch große Holzverbraucher leergesaugt und der Preis dadurch hochgetrieben.

Sehen Sie - angesichts der Preisentwicklung - noch eine realistische Zukunft für den nachhaltigen Baustoff Holz?
Einheitlich sehen die Holzverarbeiter die Zukunft des Baustoffs Holz als nicht gefährdet an. Ulf Hassel (Holzindustrie Hassel) meint: „Es wird eine Zeit des Mindereinschlages geben, um die Nachhaltigkeit auch weiterhin zu garantieren. Dadurch wird der Preis im Moment ein bestimmtes Niveau halten, sich dann aber wieder auf einen erschwinglichen Preis nivellieren. Die junge Generation möchte ihr Haus ökologisch und ökonomisch sinnvoll bauen. Deshalb hat der Baustoff Holz eine Zukunft.“

Der Geschäftsführer van Roje, Oliver Mühmel, sieht die derzeitige Preisdynamik auf den Weltmärkten schon jetzt an Fahrt verlieren. „Die Börsenpreise in den USA sind bereits seit drei Wochen rückläufig. Für die nächsten zwölf Monate wird es sicherlich Reaktionen auf Märkten geben, die zu Verschiebungen von Holzbauprojekten oder sogar zu Substitution des Baustoffs Holz in Einzelprojekten führen werden. Wir gehen aber davon aus, dass sich die Märkte mittelfristig wieder beruhigen und der Anteil an Holzbauprojekten weiter steigen wird.“ Der Grund für den Holzbau liegt für Markus Mann (Mann Energie) klar auf der Hand: „Holz ist der einzige Baustoff, der nachwächst und bei der Verwendung langfristig noch CO2 bindet. Mit jedem Kubikmeter Holz, der im Bau verwendet wird, hat man eine Tonne CO2 für die Dauer des Gebäudelebenszyklus „gelagert"! Wer das Klima und Nachhaltigkeit fördern will, baut mit Holz!“

Haben Sie den regionalen Bedarf im Blick und bevorzugen Sie die regionale Bauwirtschaft?
Hassel bestätigt vorbehaltlos: „Ja, wir beteiligen uns nicht an den Exporten nach USA die im Augenblick den Preis nach oben treiben. Wir bedienen weiterhin unsere Stammkundschaft im Westerwald und dem deutschsprachigen Raum. Unsere Kunden sind Holzhandlungen, Baustoffhandlungen, Dachbedarf und Verpacker.“ Auch Mann hat sich auf die Situation eingestellt: „Wir verarbeiten jeden Tag 16 bis 18 LKW-Ladungen Rundholz zu Schnittholz und Pellets. Wir forcieren und bewerben unser Konzept der Kaskadennutzung. Soll bedeuten: So hochwertig wie möglich den Rohstoff nutzen und für jeden Krümel eine sinnvolle Nutzung finden. Hauptsächlich stellen wir Verpackungsholz her. Vermehrt liefern wir aber jetzt auch an die regionale Bauwirtschaft. Das Konzept der Westerwälder Holzpellets GmbH, mit dem heimischen Brennstoff und auch dem Sägewerk, zielte schon immer auf die Regionalität und den Umkreis von circa 100 Kilometern. So soll es auch bleiben.“

Etwas schwieriger stellt sich die Situation für Mühmel dar: „Der Anteil an Produkten für die deutsche Bauwirtschaft an unserem Produktportfolio ist relativ gering. Das früher von uns hauptsächlich produzierte "Bauholz nach Liste" für die regionalen Zimmereibetriebe ist faktisch durch andere Holzprodukte wie Konstruktionsvollholz oder Brettschichtholz ersetz worden, die wir selbst derzeit nicht herstellen. Regional vermarkten wir überwiegend Produkte für den Bereich Holzverpackung. Hier versuchen wir unsere Kunden mit den benötigten Mehrmengen so gut es geht zu versorgen. Ab dem kommenden Jahr werden auch wir mit unserem neuen Produkt" X-WORKS CLT" massive Holzbauelemente anbieten. Hierdurch können zusätzliche Mengen für die regionale Bauwirtschaft bereitgestellt werden (geplant ist eine Jahreskapazität von 100.000 Kubikmetern).“



Sehen Sie Lösungswege für die fatale Situation?
Alle drei Experten raten zum gelassenen Abwarten, weil sich mittelfristig Angebot und Nachfrage wieder angleichen werden. Da wir eine freie Marktwirtschaft haben, sei es nicht möglich ein Exportverbot anzuordnen. Aber irgendwann werde der Markt auch in den USA gesättigt sein, die Pandemie-Panik nachlassen und neue Sägewerke in Europa in Betrieb gehen.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik oder/und die Forstämter?
Ulf Hassel hat den bescheidenen Wunsch, die heimische Sägeindustrie nicht zu vergessen und die Betriebe auch in Zukunft ausreichend mit Rundholz zu versorgen und nicht alles in Container nach China zu verladen. Mit diesem Ziel appelliert Oliver Mühmel auch an die Waldbesitzer, „den Hebel für den Export in die Entlastungsmärkte in Übersee umzulegen und die Rundholzmengen in der Region zu vermarkten. Der Bedarf der deutschen Sägewerke wird in den kommenden Monaten so groß sein, dass jeder exportierte Stamm zu einer Versorgungslücke im regionalen Sägewerk führen wird - mit entsprechenden Folgen für die Schnittholzmärkte. Die Preise für Rundholz haben inzwischen wieder ein sehr hohes Niveau erreicht, das sich dem Allzeithoch nähert. Aus Sicht der Sägewerke wäre es fatal, wenn der Waldbesitz wegen der Spekulation auf noch höhere Preise die Produktionsmengen zurückfahren würde.“

Markus Mann führt ergänzend aus, dass die Pandemie gezeigt habe, wie schnell Lieferketten unterbrochen werden können. Noch vor einem Jahr sei ihnen der billige Ost-Import unter die Nase gerieben worden, um den Preis zu senken. Und sein Wunsch ist, die Bedeutung des Waldes als multifunktionales Ökosystem, Rohstofflieferant und Arbeitsplatz anzuerkennen. „Es ist somit eine Herkulesaufgabe der Forstämter, die Baumarten auszuwählen, welche in 80 bis 100 Jahren bei dem fortschreitenden Klimawandel eine Chance haben. Es ist die Pflicht der Politik, endlich ernst zu machen mit dem Klimaschutz. Das Wischiwaschi und die Symbolpolitik müssen endlich ein Ende haben. Seit 40 Jahren gibt es Klimakonferenzen. Die Tagung mit der größten Bedeutung fand 2015 in Paris statt. Jeder Bürger, jede Gemeinde, jeder Kreis, jedes Bundesland muss jetzt seine Hausaufgaben machen und kurzfristig mit der Energiewende beginnen, damit wir es kommenden Generationen nicht schuldig bleiben und sagen: „Sorry, aber die Versuchung war doch zu groß und wir sind von der Droge nicht weggekommen!"

Demnächst finden die Westerwälder Holztage statt. Werden Sie teilnehmen? Gegebenenfalls mit welchem Konzept?
Die letzte Frage konnten alle Interviewpartner positiv beantworten. Hassel und Mann werden sich an der digitalen Plattform beteiligen. Sie hoffen auf einen bald wieder stattfindenden Tag der offenen Tür im Werk. Mühmel differenziert: „Die Westerwälder Holztage finden zweigeteilt statt. Aufgrund der Corona-Situation gibt es in diesem Jahr ein digitales Format, bei dem wir als "Aussteller" präsent sein werden. Im nächsten Jahr gibt es dann den eigentlichen Live-Event auf unserem Firmengelände in Oberhonnefeld-Gierend. Gemeinsam mit den drei Landkreisen NR, AK und WW (als offizielle Veranstalter) richten wir die Veranstaltung vom 10. bis 12. September 2022 auf einer Fläche von 20.000 Quadratmetern für hoffentlich wieder über 25.000 Gäste aus. Unsere Mitarbeiter freuen sich schon, den Besuchern unser Werk und insbesondere die neue Produktionslinie für die Herstellung von Holzbauelementen aus CLT zu präsentieren, in die wir zurzeit mehrere Millionen Euro investieren!“
(htv)


Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Rengsdorf auf Facebook werden!


Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

Beliebte Artikel beim NR-Kurier


Live-Ticker zum Bundestagswahl-Krimi im Wahlkreis Neuwied

LIVETICKER | Erwin Rüddel (CDU) hat wieder das Direktmandat im Wahlkreis Neuwied gewonnen. Er siegt mit 31,9 Prozent der Stimmen. Martin Diedenhofen (SPD) holt 30,2 Prozent. Bei den Zweitstimmen gewinnt die SPD. Der Live-Ticker wurde beendet. Vielen Dank für das große Interesse.


Leserfoto: Einen seltenen Traktor in Feldkirchen entdeckt

Diese Aufnahme habe ich bei Feldkirchen aufgenommen, schreibt unser Leser Georg Schuch. Es sieht so aus, als ob der Traktor „DINFIA PAMPA“ friedlich auf dem Feld ruht und auf seine Wiederbelebung wartet.


Rüddel (CDU) zu seinem knappen Sieg im Wahlkreis Neuwied: „War spannend ohne Ende“

Es war ein bis zum Ende ein spannendes Rennen um das Direktmandat im Wahlkreis Neuwied. Letztlich konnte sich Erwin Rüddel (CDU) mit starken Verlusten wieder durchsetzen. Wie empfindet der langjährige Abgeordnete das knappe Ergebnis? Das und mehr verriet er uns im Gespräch, nachdem die letzten Bezirke ausgezählt waren.


Verletzter Motorradfahrer, zerstochene Autoreifen und fliegender Mörtelkübel

Die Polizeidirektion Neuwied meldet einen Verkehrsunfall mit leicht verletztem Motorradfahrer in Buchholz, Sachbeschädigung an einem Personenkraftwagen in Großmaischeid und unerlaubtes Entfernen vom Unfallort in Neuwied. Zu allen Fällen werden Zeugenaussagen erbeten.


Region, Artikel vom 26.09.2021

Einbruch in Imbiss und Diebstähle von Werkzeugen

Einbruch in Imbiss und Diebstähle von Werkzeugen

Die Polizei Straßenhaus berichtet von Diebstählen von Werkzeugen aus Firmenfahrzeugen. In Roßbach wurde in einen Imbisswagen eingebrochen und Bratwürste zubereitet.




Aktuelle Artikel aus der Wirtschaft


Das Planspiel Börse der Sparkassen startet in eine neue Ära

Neuwied. Siebzehn Wochen lang können die Teilnehmenden nun risikolos die Marktmechanismen des Börsenhandels kennenlernen. ...

„Wir Westerwälder“ auf der Konekt Netzwerkmesse in Koblenz

Dierdorf. „Für uns ist es sehr wichtig, dass wir unsere leistungsstarke und sympathische Region über ihre Grenzen hinaus ...

IHK-Dialog vor Ort in Asbach

Asbach. Bezüglich der Corona-Pandemie werden Unternehmer weiterhin große Herausforderungen, Hygienekonzepte und Abstandsregelungen ...

Apfelannahme öffnet am 6. Oktober

Oberraden. Auf der vor einigen Jahren eingerichteten Annahmestelle am Ortseingang Oberraden, zwischen Gewerbegebiet und Dorfgemeinschaftshaus, ...

Neuer Termin: 6. IHK-Expertenrunde „Vertrieb“ am 6. Oktober als Hybrid-Veranstaltung

Montabaur. Die Zeit schreitet voran und die IHK-Expertenrunde Vertrieb steuert bereits auf ihre sechste Ausgabe zu. Alle ...

Abenteuer Wasser mit „Bad Honnef lernt Nachhaltigkeit"

Bad Honnef. Denn die Bad Honnef AG unterstützt die Kinder- und Familienbildungsstätte nun mit Bildungsangeboten im Rahmen ...

Weitere Artikel


Corona im Kreis Neuwied: Todesfall zu beklagen

Neuwied. Der vom RKI ausgewiesene Inzidenzwert für den Kreis Neuwied beträgt 20,8. Leider gibt es wieder einen neuen Todesfall ...

Übungsleiter und Trainer schnellstmöglich impfen

Koblenz. Vor diesem Hintergrund appelliert der SBR an alle niedergelassenen Ärzte im nördlichen Rheinland-Pfalz, den ehrenamtlich ...

Bussard attackiert Wanderer im Wald bei Hardert

Hardert. Die Attacken erfolgen fast lautlos, indem sie von hinten angeflogen kommen und ihr Opfer (den mutmaßlichen Eindringling) ...

Neuwied arbeitet an neuem Verkehrsentwicklungsplan

Neuwied. Um die Neuwieder bei der Lösungssuche einzubeziehen, steht vom 9. Juni bis zum 7. Juli eine Online-Beteiligung auf ...

Bendorf erhält PEFC-Zertifikat für nachhaltige Waldbewirtschaftung

Bendorf. Das Forstrevier Bendorf betreibt den Waldumbau hin zu klimaangepassten mehrstufigen Mischwäldern und setzt auf Naturverjüngung. ...

TC Steimel startet in die Medensaison 2021

Steimel. Den Auftakt machen am 9. Juni um 11 Uhr die Herren 65 der SG Straßenhaus/Steimel beim Auswärtsspiel gegen den TC ...

Werbung