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Nachricht vom 25.04.2021    

Bewässerungskonzept für Stadtbäume auf den Weg gebracht

In der Februarsitzung des Stadtrates hatte die Neuwieder Bürgerliste zusammen mit der FDP ein Bewässerungskonzept für das städtische Grün beantragt, das zusammen mit den Experten der Servicebetriebe Neuwied (SBN) entwickelt werden soll. Dort hat es den Verwaltungsrat nun einstimmig passiert.

Foto: privat

Neuwied. Beide politischen Gruppierungen sehen eine Optimierung des bisherigen Bewässerungsplans aufgrund des Klimawandels als dringend erforderlich an. Die letzten heißen Sommer haben deutliche Spuren an städtischen Bäumen hinterlassen. Die zunehmende Trockenheit führte zu absterbenden Kronenbereichen oder sogar zum Totalausfall von Bäumen. Neben den hohen Kosten, die Kronenschnitte oder Fällungen und Nachpflanzungen verursachen, verlieren geschädigte Bäume auch ihre vielfältige, positive Wirkung auf das Stadtklima und die Gesundheit der Bevölkerung.

Bereits 2015 hatte sich die Bürgerliste nach dem Bewässerungsplan der Stadt erkundigt und nach dem Trockenstress 2018 und 2019 in einer Anfrage Ende letzten Jahres den neuesten Stand nachgefragt. Bisher richtete sich der Fokus der Bewässerung auf Neupflanzungen, die in den ersten drei Jahren durch die bauausführende Firma betreut werden. Danach wird von der SBN oder helfenden Fremdfirmen nur noch selten gewässert. Verwendet wird hierbei bisher ausschließlich Trinkwasser, was von der SBN als alternativlos angesehen wird.

„Das wird sich in Zukunft ändern müssen.“ ist sich Dr. Jutta Etscheidt, Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste, in Hinblick auf die knapper werdende Ressource sicher. „Ein Bewässerungsplan, der ökologisch und nachhaltig ausgerichtet ist, wird sich zwingend mit der Nutzung von Regenwasser beschäftigen müssen.“ fügt sie hinzu und verweist dabei als Beispiel auf das Schwammstadt-Prinzip, bei dem der Untergrund einer Stadt vor allem im Straßenbereich durch besondere Aufbereitung als Wasserspeicher genutzt werden kann. „Ein solcher Untergrund dient als nachhaltiges Speicher- und Bewässerungssystem, vergrößert den Wurzelraum des Straßenbaums und kann zudem als Retentionsraum ein Starkregenereignis abpuffern.“ weiß Dr. Etscheidt zwei Themenbereich der Bürgerliste miteinander zu verknüpfen.

Zum weiteren nachhaltigen Umgang mit der in Zukunft knapper werdenden Ressource Wasser sieht das Konzept Gießstrategien vor, die das Abfließen von Wasser über sonnengetrocknete Böden verhindern und den Baum besser langsam und über eine längere Zeit kontinuierlich mit Wasser versorgen. Bewässerungssäcken haben sich hierbei sehr bewährt, wurden aber in Neuwied in der Vergangenheit mit dem Hinweis auf Vandalismusanfälligkeit abgelehnt. Mittlerweile hat die SBN diesen Vorschlag aber aufgegriffen, genauso wie den Hinweis, das Bodensubstrat mit Mulchschichten abzudecken, um die schnelle Verdunstung des Wassers zu verhindern.



Von einem neuen Bewässerungskonzept erhoffen sich Bürgerliste und FDP zudem eine bessere Differenzierung der bisherigen Pflege, angepasst an die jeweilige Baumart, an die Bodenstruktur und dessen Volumen. Beides ist bei Stadtbäumen oft so katastrophal, dass auch ältere Bäume in trockenen Sommern bewässert werden müssten.

Oliver Spielmann, umweltpolitischer Sprecher der FDP und selbst Gartenfachmann schlägt deshalb vor, die mit den Baumschulen vertraglich festgelegte Pflegezeit neu gepflanzt Bäume in Zukunft von bisher drei auf sieben Jahre zu verlängern. „Viele Gemeinden haben dies bereits eingeführt.“ fügt er hinzu.

Zusätzlich steht die Frage im Raum, ob durch einen teilweisen Bodenaustausch, durch natürliche Zusatzstoffe im Gießwasser oder Vergrößerung der Baumscheibe nicht nur die Vitalität des Baumes erhöht, sondern auch Wasser und Bewässerungszyklen eingespart werden können.

Bürgerliste und FDP erhoffen sich von einem umfassenden, ökologischen und nachhaltigen Bewässerungskonzept, das Stadtgrün auch in Zukunft erhalten zu können, für Extreme besser gerüstet zu sein, die beteiligten Akteure besser zu vernetzen, knapp werdendes Wasser ressourcenschonender einzusetzen und teure Folgekosten wie Kronenschnitte, Fällungen und Neupflanzungen in Zukunft minimieren zu können. Denn nur vitale Bäume können ihre vielfältige Schutzfunktion für unsere Gesundheit aufrechterhalten.
PM


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