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Nachricht vom 14.04.2021    

Autorin Annegret Held, die „Westerwaldbotschafterin“

Von Helmi Tischler-Venter

Annegret Held trägt bereits seit Jahren den Ehrentitel „Westerwaldbotschafterin“, denn ihre packenden Romane spielen in ihrer Heimat und tragen zum Erhalt von Traditionen sowie der Wäller Sprache bei.

Von links: Sandra Köster, Annegret Held und Achim Schwickert. Foto: Wolfgang Tischler

Dierdorf. Bei einem Treffen von Annegret Held mit den Kurieren im Büro der Initiative „Wir Westerwälder“ erläuterte der mit anwesende Landrat des Westerwaldkreises, Achim Schickert, die Entstehung der „Anstalt des öffentlichen Rechts“ als Folge gemeinsamer grenzübergreifender Projekte, die Zusammenarbeit erforderten. Zunächst als Kooperative in den Bereichen Wirtschaft und Tourismus ausgelegt, wurde auch der Literatursommer auf alle drei Landkreise (Altenkirchen, Neuwied und Westerwaldkreis) ausgeweitet.

Vorständin Sandra Köster ergänzte, dass die Verwaltung von „Wir Westerwälder“ sich seit 1. Januar 2020 in den Dierdorfer Räumen befinde, die Vorhaben mit Zusammenführung vieler Menschen allerdings der Corona-Pandemie zum Opfer fielen. Man wolle Landschaft, Leistung und Leute der Region vermarkten und Themen zusammen mit der Bevölkerung suchen. Die noch vom ehemaligen Landrat Weinert begonnene Wahl der Westerwaldbotschafter soll als „Wäller Gewächse“ fortgeführt werden.

Die Schriftstellerin Annegret Held ist in Pottum am Wiesensee aufgewachsen und in Westerburg zur Schule gegangen. Danach leistete sie in Limburg ein Freiwilliges soziales Jahr ab, machte danach eine Ausbildung zur Polizistin und arbeitete anschließend drei Jahre lang in Darmstadt und Frankfurt am Main als Polizeihauptwachtmeisterin im Streifendienst. Ihre Erfahrungen im Polizeidienst verarbeitete sie in ihrem ersten Buch „Tagebuch einer Polizistin“, mit dem sie in zahlreichen Talk-Shows zu Gast war. Um einen Verlag dafür zu finden, wandte sie sich hartnäckig an den „Stern“, der die junge Autorin zum Eichborn-Verlag vermittelte.

Held quittierte den Polizeidienst, weil sie von Kind an immer schreiben wollte. Sie fiel dann zunächst in ein Loch, weil sie vom Schreiben allein nicht leben konnte und zudem alleinerziehende Mutter war. Ab 1987 studierte sie Ethnologie und Kunstgeschichte. Sie übte verschiedene Tätigkeiten aus, unter anderem als Zimmermädchen, als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei und als Luftsicherheitsassistentin im Bereich der Fluggastkontrolle.

Ihr größter Erfolg war der Roman „Die Baumfresserin“, der mit der Erinnerung an eine anstrengende und skurrile Lesung verbunden ist: Held wurde zu einer Lesung in einem Zug von Au nach Westerburg eingeladen. Es handelte sich dabei wider Erwarten nicht um eine Sonderfahrt, sondern eine planmäßige Fahrt mit Stopps, ein- und aussteigenden Fahrgästen, ständigen Lautsprecherdurchsagen, durchwanderndem Brezelverkäufer und anderen Störungen, die immer wieder Leseunterbrechungen nötig machten, sodass die Autorin bei Ankunft in Westerburg klatschnass geschwitzt war.




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Durch die Pandemie fielen die verkaufsfördernden Lesungen weg und sie hielt sich wieder mit Teilzeitarbeit im Pflegebereich finanziell über Wasser. Der Liebe wegen ist Held gerade in die Pfalz gezogen, sie hält sich jedoch noch häufig im Westerwald auf. Denn sie liebt ihre Heimat, die vor weltgeschichtlichen Ereignissen strotzt, obwohl die Leute aus mangelndem Selbstbewusstsein früher zu sagen pflegten, es habe hier gar nichts gegeben. Auch in ihren Büchern kehrt sie immer wieder in den Westerwald zurück. Was ihre Romane auszeichnet, ist der liebevolle Humor, mit dem sie ihre Figuren in ihrer schönen rauen Heimat durch die Jahrhunderte begleitet, durch Armut, Trunksucht, härteste Arbeitsbedingungen, aber auch durch Lebensfreude, Feste, Liebe und familiäre Bindungen.

Mit dem Buch „Apollonia“ beginnt eine Reihe historischer Romane, die sich mit dem fiktiven Ort Scholmerbach beschäftigt. Der Folgeband „Armut ist ein brennend Hemd“ schildert auf zugleich ergreifende und erheiternde Weise, wie junge Frauen, „Hurdy-Gurdy-Girls“, englisch für Drehleier-Mädchen, Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Dörfer im Westerwald verließen und mit fahrenden Händlern in die Welt hinauszogen um der bitteren Armut in ihrer Heimat zu entfliehen.

Der dritte Roman „Eine Räuberballade“ erschien im Herbst 2020. Die Geschichte startet und endet an Scholmerbachs „Siebenmistjesecke“. Von dort kommt Hannes, der missratene Sohn von Paulinches Wilhelm, dem die schwarzlockige Gertraud von Hannebambels Schorsch alle Schandtaten nachmacht. In Gottes Namen, um seinem Sohn den Teufel auszutreiben, drischt der fromme Wilhelm mit dem Ochsenziemer auf den Jungen ein. Der läuft fort und schließt sich einer Räuberbande an. Sein Vorbild ist der große Räuberhauptmann Schinderhannes. Auf der Suche nach diesem erlebt Hannes viele Abenteuer.

Die Protagonisten sind einmalig und trotzdem vertraut, echte Wäller Typen, deren Sprache deftig, würzig und wuchtig ist. Genau diese Unempfindlichkeit liebt Annegret Held am Westerwälder Dialekt, der ganz eigene Metaphern besitzt, sehr präzise definiert und absolut bewahrenswert ist. Daher freut sie sich über die Jugend, die ihr Dorfleben genießt und ihr Idiom bewahrt, wie die Dorfkinderbewegung.

Es gibt eine Menge Kulturaktivitäten in den Dörfern. Der Westerwälder Literatursommer ist ein bedeutender Teil davon. Annegret Held liest am 8. Mai aus der „Räuberballade“ in Marienthal mit dem Literaturreferenten des Landes Rheinland-Pfalz, Michael Au als Moderator.
htv


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