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Nachricht vom 27.03.2021    

Michaela Abresch, literarische Wanderin zwischen historischem Westerwald und Nordsee

Von Helmi Tischler-Venter

„Wir Westerwälder“ können auch Literatur. Daher hat die Regionalinitiative der drei Landkreise Neuwied, Altenkirchen und Westerwaldkreis auch die erfolgreichen „Westerwälder Literaturtage“ als ein Modul in ihr Gesamt-Konzept aufgenommen.

Von links: Landrat Achim Hallerbach, Michaela Abresch und Sandra Köster. Foto: Wolfgang Tischler

Dierdorf. Ziel ist es, laut Vorständin Sandra Köster, alles zu vermarkten, was die Region attraktiv und einzigartig macht. In Medienkooperation mit den Kurieren, die passgenau das Gebiet abdecken, versuche man die Menschen zu erreichen.

Landrat Achim Hallerbach äußerte sich erfreut und überrascht, dass Kultur in der Westerwälder Region stark verankert sei und zahlreiche kreative Persönlichkeiten vorzuweisen habe. Zu ihnen gehört die Schriftstellerin Michaela Abresch, die mit ihren historischen Erzählungen und Romanen überregionale Bekanntheit erlangte.

Sie stammt aus Herschbach, wohnte zeitweise in Köln und kam dann der Liebe wegen nach Dierdorf. Hier, in der Mitte des Westerwaldes wohnt sie nun mit ihrem Mann, nachdem die zwei erwachsenen Söhne aus dem Haus sind und arbeitet in Hachenburg in der pflegerischen Beratung.

Mit dem Schreiben kleiner Geschichten begann sie bereits mit etwa 13 Jahren. Sie hatte die Vision, ein Buch mit ihrem Namen im Schaufenster einer Buchhandlung zu sehen. Diese Vision hat Abresch nach dem Besuch einer Literaturwerkstatt zum Leben gebracht: 2012 erschien ihr Erzählband „Das Mirakelbuch“, eine Sammlung von zwölf historischen düsteren Geschichten aus dem dunklen Mittelalter, die im Westerwald handeln, in Dörfern, Klöstern, Burgen und Auen, die man in der Region gut kennt.

Die Mischung aus realen Schauplätzen der Gegend und fiktiven Handlungen wird auch in den sechs historischen Kurzkrimis aufgegriffen, die unter dem Titel „Kalt ruht die Nacht“ im Oktober 2017 erschienen.

Durch Lesungen aller Art, in Buchhandlungen, Bibliotheken, historischen Gemäuern, Kirchen und Gärten von Dierdorf bis Köln und Wiesbaden wurden Michaela Abresch und ihre Bücher
bekannt. Auch für Wohnzimmerlesungen wurde sie schon mehrmals gebucht.

Mit „Ostrakon – Die Scherbenhüterin“ schrieb sie 2013 ihr Romandebüt, einen historischen Roman vor der Kulisse des alten Palästina. Bei atmosphärischen Lesungen zusammen mit dem Hang-Spieler Uwe Wagner lauschten die zahlreichen Zuhörer hingerissen den Worten der Autorin.



Im Jahr 2015 folgte mit Meermädchen und Sternensegler eine Sammlung mit sieben fantasievollen Geschichten, die in einer wundersamen Welt zwischen Traum und Wirklichkeit spielen.

Im Jahr 2017 verfasste Michaela Abresch zusammen mit Carsten Gerz, Christoph Kloft und Michael Schreckenberg eine Gruselanthologie, „Die Sturmglocke“ für die sie eine Schauergeschichte schrieb, die am Schauplatz Dreifelder Weiher spielt.

Abresch meinte, ihr „Highlight im letzten Jahr“ sei ihr aktueller Roman „All die ungelebten Leben“, der im September 2020 im Acabus Verlag erschien und ohne Lesungen, die coranabedingt entfallen mussten, zu den drei meistverkauften Büchern des Verlags zähle. Es handelt sich um einen Familienroman mit Gegenwartsbezug, der Leserinnen und Leser auf eine emotionale und eindringliche Weise einlädt, sich mit existenziellen Sichtweisen auseinanderzusetzen. Er spielt in einem Ferienhaus auf der dänischen Insel Romo und passt mit dieser Location auch in das Thema „Nordlichter“ der 20. Westerwälder Literaturtage.

Michaela Abresch schreibt üblicher Weise zu Hause, aber seit sie in einem Urlaub auf Rügen mehrere Kapitel des neuen Romans schreiben konnte, träumt sie von einem kleinen Haus am Meer. Sie würde allerdings auch eine kleine Hütte in den Bergen nehmen, meinte sie, weil sie zwischenzeitlich das einsame Wandern für sich entdeckt habe. Nach einem Arbeitsalltag den Schalter umdrehen, funktioniere nicht.

Für ihre Texte nimmt die Autorin intensive Recherchen auf sich, zum Teil im Vorfeld, zum Teil beim Schreiben, weil Historie, Location, Traditionen und Riten, die den Rahmen gestalten, stimmen müssen. Am letzten Band habe sie drei Jahre lang geschrieben, das Lektorat des Acabus-Verlags sei dabei hilfreich gewesen.

Im Gespräch zwischen Landrat Hallerbach, Sandra Köster, Michaela Abresch und dem Kurier stellte sich heraus, dass es viel mehr Kulturschaffende im „Wir Westerwälder“-Bereich gibt, als gemeinhin angenommen wird. Die Idee entstand, ein Cluster für ein Netzwerk zu erstellen. Denn der Westerwald ist nicht nur eine „Mordsregion“, er lebt von kreativer Vielfalt.
htv


Mehr zum Thema:    Regionale Erzeuger   
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